Montag, 31. Juli 2017

Wörter

Wörter sind oft meine Pflaster.
Wenn ich etwas lese, dass ich genauso erlebe oder fühle, es aber anders benannte oder nicht ausdrücken konnte, dann ist das so erleichternd.
Worte haben Kraft.

Nun erging es mir wieder so. Ich las in dem Buch "Autonomietraining" und da stand etwas von Selbstregulation.
Alle Menschen versuchen Wohlbefinden und Sicherheit herzustellen, mal bewußt, mal unbewußt. Mal so, dass es für kurze Zeit gut tut, auf lange Sicht aber nicht (z.B. Drogen). Manche Menschen können das nicht und wollen, dass das andere Menschen für sie erledigen, werden jammerig, manipulativ, aggressiv...
Selbstregulation heißt nichts anderes als Ausgleich schaffen: nach dem Streß im Job in die Wanne legen und wieder entspannen, bei Hunger etwas Essen...aber auch in weiteren Bereichen: sich seiner Unzufriedenheit der Wohnsituation bewußt zu werden und aktiv etwas dagegen tun.
Oder sich sportliche Ziele setzen und diese verfolgen, weil es einem gut tut und Spaß macht.

Selbstregulation ist nur ein anderes Wort für Selbstfürsorge.
Oder eben auch Selbstverantwortung.
Wer eine gute Selbstregulation besitzt, hat meist auch eine hohe Eigenkompetenz. Also das Gewühl und/oder das Wissen, dass man seine Probleme durch eigenes Verhalten lösen kann (selbst wenn man erkennt, dass man alleine aus dem Schlamassel nicht mehr rauskommt und sich Hilfe holt, handelt derjenige aktiv und kümmert sich um sich selbst!)
Eine gute Psychotherapie arbeitet genau an dem Punkt).

Wer keine gute Selbstregulation besitzt verfällt oft in Passivität und Resignation (lässt sich gehen, verwahrlost, verfällt in Süchte, sind immer die anderen Schuld, kann/will nichts an der Situation ändern, redet viel-macht aber nichts...ect.)

Ich arbeite schon sehr lange an meiner Selbstregulation. Mir Situationen/Umgebungen zu schaffen, in denen ich mich wohl fühle, fällt mir oft schwer.
Das größte Hindernis daran ist, eine alte Meinung, dass ich mich ja gar nicht gut und wohl fühlen darf.
Die ersten Schritte zu einer guten Selbstfürsorge lernte ich ganz pragmatisch, als ein verlängertes Wochenende mit Feiertagen vor der Tür stand (ich glaube es war Ostern). Ich hatte Angst vor Einsamkeit und Langeweile. Dachte es bleibt mir nur das übrig was ich kannte: es irgendwie überstehen. Qualvoll. Ohne Genuß. Und erst recht ohne Spaß. Hoffen dass "es" schnell vorbei ist. Ich hatte nur ein Bild im Kopf wie "man" Ostern zu verbringen hatte: Entweder wegfahren oder Familie besuchen ect...was der Großteil (vermeintlich?) so macht. ich aber nicht konnte oder wollte.
Das ich selbst schauen könnte, wie ich mein Ostern denn gestalten könnte, fiel mir gar nicht ein.
Meine Therapeutin und ich erstellten einen Plan.
Erstmal ganz allgemein: Was könnte mir Spaß machen? Was will ich machen?
Dann konkreter: Was kann/möchte ich machen? Und was brauche ich dazu (also inkl. Einkaufszettel schreiben, jemand anrufen, was organisieren, buchen, planen...). Wichtig war dabei: es muss nicht dieser Plan ganz genau nach Schema abgearbeitet werden. Es durfte jederzeit Planänderung geben, je nachdem wie ich mich fühlte oder was ich wollte...

Als ich dieses Werkzeug öfters anwendete und auch danach handelte, fühlte ich mich großartig! Welch Kraft so eine Eigenkompetenz doch hat. Und wieviel Kraft sie einem geben kann!

Was braucht es, damit ich mein Leben genießen kann?

Zuoft noch ziehe ich Menschen in mein Leben die sehr resigniert und passiv sind. Nicht aus dem Teig kommen. Viel jammern, nichts machen.
(Ich möchte das nicht verurteilen, ich hing auch lange in diesen Seilen fest. Ich sag nur: erlernte Hilflosigkeit.  Und es ist auch ein Unterschied ob es ein kranker oder gesunder Mensch ist!)
Dann springe ich rein, will denjenigen retten. Habe Ideen was und wie er es ändern könnte, aber meist versuche ich das für denjenigen zu machen (hallo Coabhängigkeit) und vergesse wieder mich um mein eigenes Selbst zu kümmern.

Jedenfalls wenn ich dann aufwache und  sage: mensch was machst du denn da schon wieder, derjenige könnte all die Sachen doch selbst machen, verschleudere nicht deine Kraft an Menschen die nur passiv rumhängen und nichts ändern (wollen?)...
Wenn ich dann aufhöre...und mich meist auch aus solchen Kontakten rausziehe, spüre ich wieder die Kraft. Meine Lebenskraft. Meine gute Laune. Meine Kompetenz. Und dann kümmere ich mich wieder um mein Leben (was nicht heißt, dass ich nicht gerne jemanden helfe, der a) darum fragt und b) es wirklich braucht).

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen