Sonntag, 4. Juni 2017

ver-antworten

Verantwortung für sich übernehmen.
Verantwortung für sein Leben übernehmen.
Verantwortung für seine Gefühle übernehmen.
Ich hatte lange keinen Schimmer was das wirklich heißt.
Langsam spüre und begreife ich es...
Es ist (nein es kann sein) die Antwort auf die Lebensumstände, auf das Verhalten anderer, auf die Welt, auf alles mögliche...
Wenn ich mit dem Finger auf andere zeige (und sage: aber du hast...hast nicht...bist...) zeigen immer noch drei Finger auf mich selbst (der Daumen enthält sich der Stimme, legt sich aber gern um die drei die zu mir zeigen.
Interessant oder?).
Es gibt immer einen der tut und der andere der tun lässt. Jetzt sehr vereinfacht ausgedrückt.

Der anderen kannst du nicht ändern aber dich.
Den Spruch interpretierte ich immer anders als er gemeint ist.
Meine Mutter verhält sich mies zu mir und ICH soll mich ändern? Aber SIE hat doch..und tut...und ist blöd...und macht nicht....
Ich hab unendlich viel Energie mit dieser Wut verbraucht. Und auch damit andere vermeintlich so hinzukriegen zu ändern, wie es für MICH gut wäre.
Wie ich es gebraucht hätte.
Opferdenken. Erlernte Hilflosigkeit. Schimpfen auf andere. Sich selbst als das nonplusultra halten. Fehlerlos. Die anderen sind ja immer scheiße.
Achja.

D. war mir da ein guter Spiegel. Er ist noch voll in dem Spiel drin. Das Verantwortungslosigkeit heißt. Ich war oft die Böse. Die die sich nicht seinen Bedürfnissen entsprechen verhielt. Er sagte nie eine klare Ansage, was er will, was er nicht will, wo seine Grenzen sind. Ich merkte das immer nur an seiner passiv-aggressiven Art: Schweigen, verbale Spitzen per SMS, Rückzug vermeintlich ohne Grund (für mich), nicht klar sagen was los ist, verdeckt wütend. Manipulierend.
Pppfff anstrengend.

Als ich diese Woche so lange spazieren war. Dann heimfuhr und nach Hause ging, im leichten Regen, tiefenentspannt, überkam mich eine Art Erleuchtung. Oder sei es Erkenntnis.
Ich schrieb innerlich meinen Eltern einen Brief. Für jeden Teil einen. Das ich dankbar bin für das Gute das sie für mich taten (es war ein ehrliches Gefühl), das es sicherlich auch schwer für sie war, das ich versucht hatte Kontakt zu halten, aber es einfach nicht ginge. Weil sie so sind wie sie eben sind und ich wie ich bin. Sie sollen mir nicht böse sein. Ich denke an sie....
Die Erwachsene sprach.

Es war pure Erleichterung. Es war so schön. Die Gedanken und Gefühle dazu hielten etwa eine halbe Stunde. Es war eine Art Verzeihen. Auf jeden Fall die Energie aus der Vergangenheit heraus nehmend.
Frieden.
Ein Stück Frieden.
Auf dieses ganze Chaos...
Ich habe es sehr genossen....

(und fürs erste reicht das auch, ich muss nicht gleich, wie ich es erst wollte, den Brief in echt schreiben und abschicken...)

Kommentare:

  1. SUPER und Hut ab vor dieser emotionalen Leistung. Für Deine weitere Entwicklung war das ein entscheidender Schritt. Du betrittst damit Neuland, eine Ebene mit vielen neuen Möglichkeiten (so habe ich das vor meinem geistigen Augen immer gesehen).

    Viele Grüße

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  2. Oh danke liebe Beate, das macht Mut und Freude diese Aussicht zu lesen :-) (so es denn so kommt...)...ja fühlt sich gut an...nicht mehr zu hoffen, dass meine Eltern die was kaputt machten, es auch wieder heile machen.
    Wow ;)
    Liebe Grüße!

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