Donnerstag, 20. April 2017

Verhalten

Es ist immer wieder eine große Herausforderung herauszufinden, wie ich mich in solchen Phasen verhalte.
Es gibt keinen Plan XY.
Was es aber braucht (das habe ich nach langer Zeit und viel ausprobieren herausgefunden):

- annehmen dass es jetzt eben so ist. Mit am schwersten, habe ich doch von klein auf erlebt: "Mit solch schwierigen unangenehmen Gefühlen wollen wir dich nicht haben!" Das führe ich leider mal bewußt mal unbewußt dann an mir selber weiter.
Wenn annehmen nicht funktioniert, dann wenigstens DAS annehmen, dass annehmen eben gerade nicht klappt. Klingt lustig oder seltsam, hilft aber.

- Also erstmal alles "funktionieren müssen" rausnehmen. Und Selbstfürsorge starten. Auch das sind oft winzige Punkte, die ich von Situation zu Situation, von Minute zu Minute händeln muss.
Es kann sein, dass ich kurz einkaufen war und mir auf dem Heimweg denke: och bringst die Sachen noch heim und dann drehste noch eine kleine Runde. In der Wohnung merke ich aber, dass doch nichts mehr geht und ich es auf später verschiebe oder es ganz lasse.
Es gilt einen Mittelweg zu finden. Im Moment habe ich fast keinen Hunger und keinen Appetit. Ich weiß aber dass es mir gut tut, abends noch etwas zu essen, weil ich sonst nachts aufwache. Ich überlege sehr lange was ich essen möchte (früher griff ich einfach zum erstbesten), ich komme auf eine selbstgemachte Suppe mit Tiefkühlgemüse und Nudeln. Ich bekomme aber dann nur 5 Löffel herunter. Das ist ok. Ich habe was warmes im Bauch.

Auch kann ich mich derzeit sehr schlecht konzentrieren. Also mache ich alles langsamer und nichts bis wenig (oder nur kurz) was eine sehr hohe Konzentration erfordert .
Im Moment ist es für mich besser, wenn ich meine Wohnungstüre von innen abschließe. Mache ich sonst nie. Also Thema Sicherheitsgefühl. Dazu zählt auch weite, sehr bequeme Kleidung in der ich mich sicher und stark fühle, da spielen auch Farben mit rein. Ein roter Schal als Kraftsymbol.
Dann: kein Besuch. Möglichst wenig Menschen um mich herum.

- Das andere ist Thema Wohlgefühl.
Das ich es um mich herum derzeit SEHR sauber und aufgeräumt haben muss. Ich das edlere Duschgel her nehme und nicht das Alltagsdings. Das ich mich mit gutem Öl massiere. Oft Schlafanzug und Bettwäsche wasche.

 Früher  habe ich mir das alles erlaubt. Da bin ich über mich selber drüber gebrettert und habe so getan als wäre nichts, oder mich noch weiter von mir distanziert durch z.B. tagelanges am Pc sitzen.
Es ist auch ok bis Mittags im Schlafanzug zu bleiben. Ich weiß aber auch, dass es mir gut tut, zu duschen und in Alltagskleidung zu schlüpfen.

Andere brauchen in solchen Phasen vielleicht eine starke Struktur von außen, durch Klinik oder einem selbst gewählten Programm. Bei mir funktioniert das nicht. Ich muss das alles selbst frei jederzeit entscheiden und ändern können.

Kommentare:

  1. Ich finde das sehr interessant, was du da schreibst. Und ich merke, wieviel bei mir verkehrt läuft und dass ich noch eine Menge lernen und tun muss, dass ich mein Leben wieder auf die Reihe bekomme.
    Situationen anzunehmen wie sie nun mal sind, fällt mir unsagbar schwer, ich möchte dann davonlaufen. Geht aber nicht und so verharre ich mit negativen Gefühlen darin.
    Und ich merke, wie sehr ich einen Therapeuten brauche, der mir Dinge bewusst macht und Anstöße gibt.
    Vielen Dank für deinen Beitrag.
    Liebe Grüße
    Weena

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  2. Liebe Weena, ja es ist eine Ent-wicklung, die Zeit und Geduld braucht :)
    aber es wird!

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