Mittwoch, 15. März 2017

Pacing

Pacing kommt aus der Schmerztherapie und wird auch CFS (Chronisch-Fatigue-Syndrom)- Patienten angeraten.
Pacing: Aktivität und Ruhe in Balance bringen.
Vereinfacht gesagt: nur BIS zur Grenze zu gehen und keinesfalls darüber.
Krankheitsmanagement wenn man schon krank ist.
Eine gute Beschreibung findet sich hier:
 http://www.cfs-aktuell.de/index-Dateien/Goudsmit.pdf

Ich habe schon immer mal wieder bei den chronisch müden in Foren ect. gelesen, weil ich ja oft gut gelaunt und voller Motivation war/bin aber der Körper/Kopf einfach unglaublich ko und müde.
Vieles spricht aber bei mir gegen CFS. Das nur am Rande.

Das Pacing gefällt mir und ich kann es im Moment auch gut annehmen und umsetzen. An manchen Tagen kann ich die Einkäufe gut in den 2.Stock tragen, an manchen muss ich eben den Aufzug nehmen. Manchmal meine ich eine große Radrunde zu schaffen, muss aber nach einem Kilometer feststellen, dass es doch nicht geht und abkürzen/wieder umdrehen.
Manchmal geht kochen, abspülen und aufräumen. Manchmal nur kochen. Manchmal kochen und abspülen.
Und kann es auch so lassen. Akzeptieren.
Und das ist neu.
Ansonsten bin ich ganz stur und voller Willen (wenn man nur will geht alles!) immer gegen mein STOP angerannt. Zähne zusammen beißen und hoch die Taschen. Geht schon.
Ging ja immer irgendwie.
Wo kommen wir denn hin, wenn jeder beim kleinsten Zipperlein zuhause bleibt und die Füße hoch legt! (Sämtliche O-Töne meiner Mutter fliegen mir um die Ohren.)
Also echt.

Das ist das Drama der Depressiven. Immer rein in die Überforderung. Immer weiter machen. Unter jeglichen Umständen. Alles machen. Egal wie es einem geht.
Wie sagte mal eine gute Freundin: "Papa wäre stolz auf mich!"
Wäre er natürlich nicht, weil er das nie war, egal wie man sich angestrengt hat, besser geht immerhin immer. Aber die Illusion ist die Karotte vorm Esel. Man läuft und läuft und läuft.

Trotzdem kopiere ich noch was aus dem Flyer für CFS-Kranke (weil er leider so gut passt):
 http://www.fatigatio.de/fileadmin/user_upload/07/docs/3.04_Auszug_Fennell.pdf

Ausgelöst werden diese Rückschläge (oder Krisen) oft durch das verzweifelte Bemühen des Betroffenen,
"normale" Anforderungen und Verrichtungen zu
bewältigen; außerdem dadurch, daß sich der
Betroffene so verhält wie der Gesunde, der er
vor der Krankheit war.


Dem Betroffenen ist inzwischen deutlich geworden, daß sich sein Leben von Grundauf verändert hat. 
Er ist nicht mehr derselbe wie vor der Erkrankung und wird vermutlich nie
mehr der Mensch sein, den er vor seiner
Krankheit in sich sah  (von mir durchgestrichen weil ich das nicht lesen mag). Der Betroffene erkennt
jetzt, metaphorisch gesprochen, daß er
"nicht mehr nach Hause zurück" kann. Er erlebt
in der Folge Gefühle der Demoralisierung
und der Nutzlosigkeit. Klar steht ihm jetzt
vor Augen, daß er seine
geplanten Lebensrollen
- Vater/Mutter sein, Geldverdiener, Partner,
Freund - so nicht mehr wird ausfüllen können.
"Wozu bin ich eigentlich noch gut?" fragt er
sich. Die soziale Rolle des Kranken droht ihn
zu überwältigen.

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