Montag, 6. März 2017

Ich sehe was, was du auch siehst!

 Wenn ich mit irgendwas verstrickt bin, hilft es mir oft zu stricken. Was ganz einfaches, monotones wo nur die Hände werkeln und ich meinen Gedanken nachgehen kann. Es fühlt sich ungefährlicher an, als wenn ich nichts in den Händen halte.
Das waren so die heutigen Gedanken dazu:

Man kann mit einem Süchtigen zusammen sein, ohne dass dieser süchtig ist.
Hä?
Ja, nämlich wenn derjenige in einer Suchtfamilie aufgewachsen ist und alle Verhaltensweisen beibehält, die damals überlebensnotwenig waren.
Wenn er sich also mit seiner Vergangenheit nicht auseinander gesetzt hat und bewußt wurde.

Einer dieser Verhaltensregeln lautet: Sieh den rosa Dinosaurier im Wohnzimmer nicht!
Hä?
Ja in einer Suchtfamilie weiß/fühlt jeder das was nicht stimmt. Aber man darf es nicht erkennen und schon gar nicht aussprechen. Man muss die Wahrheit, seine Gedanken, Gefühle, seine Wahrnehmung verleugnen.
Und das ist ein Desaster für ein Kind.

Mein Vater konnte die Alkoholsucht meiner Mutter sehr gut mitverbergen. Er war das gewöhnt. Sein Onkel soff, seine Mutter war nicht erreichbar für ihn, der Vater gar nicht da...er war gewöhnt so zu tun, als sei alles gut.
Bloß nicht das offensichtliche sehen, fühllen, wahrnehmen.

Ich war sehr schnell das schwarze Schaf. Ich fing früh an zu rebellieren. Das hatte nicht nur was mit der Pubertät zu tun. Sondern auch mit dem Umstand, dass ich in einer noch schrecklicheren Zeit so tun musste, als sei alles gut.
Meine Schwester wachte erst vor ganz kurzem auf, aus dieser Hypnose.

Das heutige Desaster ist, dass ich mir ja immer wieder meine "Familienmitglieder" ins Leben hole.
D. ist eine bunte Mischung aus fast allen. Und er verleugnet extrem. Für ihn scheint die Wahrheit und die Realität (selbst wenn es harmlose Dinge sind) so schlimm zu sein, dass er alles von sich weist. Null Selbstreflexion.

Nie habe ich mal bei irgendwas von meinen Eltern gehört: "Da hast du vollkommen Recht. Oh entschuldige das war jetzt nicht so toll von mir. Da habe ich Mist gebaut. Das tut mir leid." (eigentlich ein Wunder, das ich heute immer mehr meiner Wahrnehmung traue, obwohl sie mir jahrelang ausgeredet wurde!)
Nicht das ich alle diese Sätze auf einmal wollen würde.
Einer. Ein einzigster hätte gereicht.
Auch von D.

Stattdessen versuchte und versuche ich die anderen zu überzeugen. Zu überreden: mama sauft! D. hat....
Es hat null Sinn.
Ich habe keine Chance.
Besser wäre es die Energie dafür zu nehmen, meine Sachen zu packen und zu gehen...

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