Sonntag, 5. März 2017

Ein Teil von uns

...lautet ein Film in dem es um eine Alkoholikerin geht und deren Familie, hauptsächlich aber um ihre Tochter die immer wieder versucht ihr zu helfen.
Ich hatte den Film schonmal auf meiner Liste, dachte aber das er mich zu sehr triggern würde und löschte ihn wieder.
Jetzt sah ich ihn doch, mit dem Bewußtsein, wenn es zu schlimm wird, kann ich ihn ja wieder abschlaten.
Das ist das schöne an Filmen, anders als bei der Realität.

Mir gefiel der Film sehr gut. Weil er nicht übertrieben oder schwülstig rüberkam, sondern sehr authentisch.
Leider auch das Grauen, wie schnell das normale Leben der Tochter (mit Freund, Wohnung, Arbeit) wieder ins wanken gerät, sowie sie wieder Kontakt mit der Mutter hat.
Deutlich spürbar wird das Alleingelassensein der Kinder. Die Parentifizierung, als die Tochter schon als Kind die Mutter rettete.
Einmal sagt ihr Freund zu ihr: "Weißt du dass man in deiner Nähe ganz schön einsam sein kann?" auch das klassisch. Selbst wenn die Tochter kein Suchtproblem hat, so hat sie doch diese Mauern übernommen. Keinen mehr an sich ranlassen.

Immer wieder kann man miterleben, wie schnell der Wechsel von *jetzt ist alles gut, man entspannt, fühlt sich leicht und fröhlich* hin zur Katastrophe *austicken, beleidigen, schlagen* sich vollzieht.
Und die daraus folgende Verwirrung und Hab-acht-Stellung.
 Wieso ist das jetzt passiert? Hab ich mich falsch verhalten? Wie muss ich mich verhalten, dass das nicht mehr passiert? Die Anpassung bis zur Unkenntlichkeit.
Was passiert als nächstes? Und: wenn es schön ist, kippt meist das ganze bald.
Und diese Extreme die man später gerne selbst ins einem Leben wiederholt, weil man es nicht anders kennt: wenn es zu gut läuft, schmeißt man gerne alles mal übern Haufen.
Ich hadere immer noch mit diesen Impulsen. Wenn auch weniger.

Während ich den Protagonisten zusah, wurde mir bewußt: welch Verrücktheiten. In diesen verrückten Zuständen bin ich aufgewachsen! Und meine jetzt mit einem Fingerschnipp ein normales Leben leben zu können und gebe mir WIEDER die Schuld wenn es nicht sofort klappt.

Ich glaube, ich habe jetzt den Film realtiv gut verkraftet, weil ich mehr Abstand zu meiner Familie habe.
Und er tat mir in gewisser Weise sogar gut, weil ich wieder ein Stück mehr kapiert habe:
Du hast keine Chance gegen einen Alkoholiker. Du verlierst. 
Immer.
Es war nicht meine Schuld.
Du kannst keinem Alkoholiker helfen! 
Außer er macht die ersten 3 Schritte selber und fragt dich um Hilfe beim 4.Schritt. Aber selbst dann braucht man eine extrem gute Abgrenzung, die Familienangehörigen schlicht fehlt.
Ansonsten: Laß ihn liegen und lauf! Lauf so schnell du kannst.

Wer den Film auch sehen will:

https://www.youtube.com/watch?v=y4tGjsTcvwE

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