Donnerstag, 12. Januar 2017

Raste nie...

dann hast du sie..
die Neurasthenie...

Heute natürlich Burnout genannt, weil es ja so cool klingt.
Die Nervenschwäche wurde schon vor über 100 Jahren genannt und gekannt. Doch wie wurde sie damals behandelt? (Was heute zu Burnout gesagt wird, langweilt mich, weil es irgendwie so allgemeine Phrasen  sind.)

Also habe ich mir ein Heftchen besorgt von 1911: Nervenschwäche und ihre Bekämpfung, von Dr. Otto Kaysser.
Stark vergilbt, total eingestaubt und sehr brüchig. Aber die Ausdrucksweise, so schön vornehm, gefiel mir sehr.

Von den Tips gab es jetzt nicht allzuviel neues.
Jedoch lässt es schon staunen, dass es auch damals schon ein stressiges Leben gab:
Die durch unsere Überkultur gebotenen mannigfachen Genüssen und sonstige, aus sozialen und ökonomischen Verhältnissen sich ergebende Faktoren erschweren das Innehalten des erforderlichen Gleichgewichts ausserordentlich.
Welch endloses Heer von Nervenreizen ergibt sich aus alledem!

Ganz wichtig sei die frische Luft, denn mit der Ausatmung  werden Stoffe ausgeatmet, welche geradezu giftig wirken, sogenannte Autotoxine.
Besonders nervös beanlagte Personen fühlen in Theatern,, Versammlungen mit vielen Menschen die dieselbe Luft atmen ein leichtes Unbehagen, bis starke Beklemmung und Atemnot.
(Ich sag nur S-Bahn). Ich bin ein Frischluftfanatiker. Ich lüfte oft und viel und hasse abgestandene verbrauchte Luft.
Es wird in dem Heftchen drauf hingewisen, das natürlich vor allem im Schlaf ausreichend Frischluft vorhanden sein soll, weswegen man nie mit mehreren Personen in einem Raum schlafen solle. (Meine Rede, wenn auch aus anderen Gründen ;))

Tja der Königstip war natürlich:  
Den Nerven Ruhe geben Aussenreize vermeiden ist der halbe Weg zur Genesung.
Was erklärt warum ich oft bei totaler Überreizung nur noch im halbdunkel im Bett dösen kann. Oder auch bei Streß so schlecht esse. Auch Essen ist Reiz! Vor allem wenn es viele verschiedene Stoffe sind. Auch da bevorzuge ich dann gerne sehr einfache Kost wie Ei und Kartoffel mit etwas Salz.

Für mich war die Schrift insofern hilfreich mich mit meinen schlechten Nerven etwas mehr abzufinden.
Auch das Thema Auto fahren (hab ja schon ewig kein eigenes mehr) fällt darunter. Eigentlich fahre ich sehr gerne, ABER es stresst mich ungemein. Die Schnelligkeit und da ich ja eh immer bedacht bin nur ja nix falsch zu machen, ist die normale Anspannung dann gleich viel höher. Dazu die vielen Schreckensmomente....nein, für mich ist das nix mehr.

Aber das macht auch nichts. Es gibt soviel schöneres als mit einem Metallkasten durch die Gegend zu fahren....

Kommentare:

  1. Hahahaha... na klar, deshalb kann ich Jugendherbergen nicht leiden, muss bei offenem Fenster (und wenns nur ein Spalt ist) schlafen, mag ungelüftete Wohnräume (das erste in Hotelzimmern - Fenster auf) nicht mal betreten usw,usw.
    Alles schon immer da geWesen, nichts Neues unter der Sonne, aber halt endlich mal versprachlicht und somit in Überlegungen einbezogen.

    Danke Luzia, wieder ein Puzzlestein am richtigen Fleck und Erklärungen für eigene Empfindungen bekommen.

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    1. Ja so gehts/gings mir auch oft bei meiner Therapeutin, wenn sie etwas so klar sagte was vorher nur als Knäuel im Hirn oder als diffuses Gefühl in mir herum schwirrte.
      Liebe Grüße

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  2. Das ist ja süß! Ich lüfte auf sehr häufig - schlafe aber bei Kälte dann doch lieber bei geschlossenem Fenster *ich Weichei*. Und alleine schlafe ich auch am besten, brauche da kein schnarchendes Wesen neben mir.

    Wenn der Verfasser per Zeitreise in das Jahr 2017 käme, wäre er sicher entsetzt, wie extrem das Tempo noch angezogen hat! Die meisten merken das nur nicht, weil sie sich an den Irrsinn gewöhnt haben.

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    1. Ich muss auch die Fenster nachts zu haben, wegen den Geräuschen, selbst mit Ohrstöpsel...
      naja ob schnarchend oder nicht, mir fehlt da das Grundvertrauen um in den Schlaf zu sinken, wenn da noch jemand ist...

      Lach ja der würd sagen: komplett irre!
      Ohmei, so is das halt..

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