Dienstag, 6. Dezember 2016

WMDEDGT 12/16

Nachdem ich schon lange bei *Was macht du eigentlich den ganzen Tag* mitmachen wollte, es aber immer wieder vergaß, schaff ich es nun.
Im letzten Monat des Jahres. Immer am 5. gibt es das bei Familie Brüllen http://bruellen.blogspot.de/

Dieser Tag war bei mir nun mehr als ungewöhnlich.
Er stand unter dem Motto: Einmal Italien und zurück.

3.30h: der Wecker klingelt, ich bin schnell wach, mache Frühstück und Morgenwäsche (mich und das Geschirr), packe die Brotzeit ein und um
4.30h klingelt es auch schon diesmal an der Tür, D. ist da der mitfährt.

Wir machen uns auf den Weg zum Busbahnhof nach München, das heißt um
5h geht die Bahn und wir sind um 5.35 vor Ort. Die Welt ist so still, das man selbst ganz andächtig wird. Für viele Leute scheint diese Uhrzeit ein normaler Arbeitsbeginn zu sein, es sind recht viele unterwegs. Ich freu mich total auf diesen Tagestrip!

Punkt 6h startet der Bus. Wir sind sage und schreibe 5 Gäste und zur Zeit scheine ich Aufdringlichkeiten anzuziehen, denn der Busfahrer meint wohl ich sei ein kleines Kind und labert mich a) zu und meint es generell "viel zu gut mit mir". Ich schnaube innerlich. Wir haben Platz und Ruhe (sehr wichtig für mich!) immerhin dauert die Busfahrt 4 Stunden!
Wir plaudern, lachen, erkunden den neuen Mercedesbus von innen und stellen fest: der Snackautomat hat keinen Kaffe. Uah.

Gegen 7h beginnt langsam die Dämmerung. Die Autobahn ist frei, wir fahren in die Alpen und ringsherum die Berge, ein wolkenloser Himmel der viel Sonne verspricht und all die verschiedenen Lichtnuancen lassen mich staunen.

7.40h Pause, Fahrer - und Buswechsel in Innsbruck, im Galopp holen wir uns am Bahnhof einen Kaffe, der jetzt umso besser scheckt. Auch dieser Fahrer leidet unter einem Defizit an Aufmerksamkeit (seiner Person, ADHS in der anderen Form) und labert, diesmal uns alle, viel zu intensiv zu. Man ej.

Punkt 10h kommen wir in Bozen an. Ah Ausland, fremde Sprachfetzen und Schriftzüge umschwirren mich, die Sonne strahlt es hat 8 Grad, ich bin glücklich.
Wir streunern über den Weihnachtsmarkt, durch enge Gassen, einem Künstlermarkt (an dem ich jeden Stand etwas kaufen wollte, weil alles sooooo schön und toll war!), umrundeten einen Kreuzgang, besichtigten zwei Kirchen (eine mit automatischen Türen und LED-Kerzen, wie ätzend! Beide Kirchen waren aber interessanterweise anscheinend geheizt), später noch einen Dom (dort hingen noch die Weihrauchschwaden vom Sonntag) in dem wir ein wenig saßen und die Atmosphäre auf uns wirken ließen,
wir gehen nach Lust und Laune, ich bin froh nicht kontrollieren  und alles in einem Plan ersticken zu müssen. Ich kann loslassen und dem Leben Orientierungssinn vertrauen.
Wir finden eine kleine Passage mit Bildern von heimischen Künstler, wieder eine enorme innere Begeisterung, so toll und schön und interessant!

Bozener Altsadt:

Hier passen kaum 2 Menschen nebeneinander durch:

12h wir bekommen Hunger und suchen uns ein Restaurant. Es ist leider nicht gut. Das Essen schmeckt teils komisch und ist für den Preis viel zu wenig. Immer kommen andere Kellner, ich finde das ungemütlich. Ich hab das Gefühl, dass das eine Touristenabzocke war, denn das Restaurant ist extrem voll, auch mit Einheimischen.

13h wieder zurück in die Altstadt, ich merke langsam, dass ich gereizt bin, overload ist im Anmarsch. Ich will runter zu dem kleinen Fluß. Möglichst wenige Reize.
Coffe to go ist in Italien wohl verpönt. Während in München jeder 2. Mensch mit so einem Becher rumrennt, finden wir das dort lange nicht. Endlich einen gefunden! Schnell runter in den Park, 2 Stühle in der Sonne, System runterfahren. Ich kann sehr schnell sehr gut entspannen:
Spielende Hunde, ein ganz leiser Gitarrenspieler neben uns und alles war gut.

14h es wird langsam doch etwas kühl, wir gehen weiter und finden wieder einen kleinen Park voll mit Künstlerarbeiten von Kindern. Die aus Alltagsgegenständen Vogelhäuschen oder zum Thema vieles gebastelt haben. So genau finden wir nicht heraus um was es ging. Aber es ist toll anzusehen. Auch ein Hundertwasser-Bild wurde nachgemacht und sehr gelungen. Und mittendrin eine Palme. Ach wie im Urlaub :-)

Ich kaufe noch meinen ersten Südtiroler Speck *lecker*, ein kleines Weihnachtsgeschenk für die Therapeutin und 2 Postkarten.

Inzwischen echt durchgefroren (5 Stunden draußen!) schmeckt der Glühwein so richtig lecker. Nicht so kratzig und brennend wir sonst, sondern ganz mild und wärmte uns wieder gut durch.
Überall hingen riesengroße Christbaumanhänger:
16h eigentlich wieder Abfahrt. Leider ist hier der Busbahnhof winzig, so dass die Busse immer nur kurz halten und einsteigen lassen können. Überall viele Menschen, im Rücken ein Asylantenheim aus dem immer Menschen kommen und sich beobachtend um die Menge stellen. Ich fühle mich unwohl, stelle mich mit dem Rucksack immer zur Wand. Irgendwann sehen wir "unseren" Bus und laufen los.
Das war fast zuviel für meine Nerven.
So endlich sitzen und sich um nichts mehr kümmern müssen.
Wieder sind wir nur 8 Fahrgäste. Wie schön. Das Abendlicht und die Dämmerung mit all den beleuchteten Gipfeln und Berghängen lässt mich in mir selbst versinken und wieder bei mir ankommen. Wir dösen ein wenig, naschen die restlichen Dominosteine, Lebkuchen, Eier und Salami auf und spielen Karten.

Als um 18h in Innsbruck wieder ein Fahrerwechsel ist, verliebe ich mich das erste Mal in eine Stimme! Nicht normal gehört, sondern durchs Mikro. Die Betonung und Klangfarbe (ich glaube das nennt man sonor) sind einfach sagenhaft. Ich bin hin und weg und wir witzeln darüber, ob ich nach seiner Telefonnummer fragen soll (ich würd mich nie mit ihm treffen, sondern immer nur telefonieren wollen! :-)) oder ihm anraten, dass er Radiomoderator werden soll. Ich mache weder das eine noch das andere.

Ich bin selig, aber langsam echt kaputt.
19.50h Ankunft in München, sogar 15mins eher, als geplant. Hurra! Wieder in die Bahn. Ich bekomme vor Überreizung langsam Kopfweh, kann fast nicht mehr sprechen (kostet zuviel Kraft, Intro halt) daheim sehe ich, dass ich schneeweiß im Gesicht bin. Ich bin im wahrsten Sinne des Wortes: ausgelaugt.

Ich trinke noch viel Wasser (hilft da immer gut), mache mich bettfertig und falle ganz glücklich um 21h in meine Federn.
Auch wenn ich sehr müde war (normal nach so einem Tag) war es lange nicht die extreme Erschlagenheit wie früher.

Und das ich solch einen Ausflug wieder machen kann, das kann ich gar nicht beschreibene WIE glücklich mich das macht!

Kommentare:

  1. Super! Das Programm hätte ich nicht geschafft. Kann gut verstehen, dass Du dann ausgelaugt warst. Aber klasse, dass Du so viel Spaß hattest :-).

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  2. Danke ;) Ich glaube, wenn der Bus jedesmal ausgebucht gewesen wäre, wäre es auch für mich mit der Energie schneller knapp geworden. Aber so war das sehr erholsam und ich konnte mich immer wieder gut sammeln. :)
    Dir weiterhin viel Spaß beim Lesen! Bei mir werden die Stapel immer höher ;)

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