Donnerstag, 29. Dezember 2016

Ein etwas anderer Mädlsabend

M. kenne ich seit etwas über 3 Jahren.
Als Mann.
Obwohl wir uns selten sehen, war da (zumindest auf meiner Seite) sehr früh ein Gefühl der Vertrautheit und Nähe und u.a. deswegen fragte ich ihn vor einem Jahr ob wir zusammen in Urlaub fahren wollen.
Er wollte und wir taten es und es wurden schöne Tage.

Wegen dieser Vertrautheit sagte ich ihm ebenfalls relativ schnell, was bei mir so los ist (EU-Rente, schwierige Familienverhältnisse, anstrengende Vergangenheit). Und obwohl er aus völlig anderen Verhältnissen kommt und mit Krankheit und Problemen weitgehenst verschont blieb akzeptierte er mich so wie ich bin, auch wenn er wenig von meiner Situation verstand.

So öffnete auch er sich und erzählte mir eines Tages, dass er ab und zu sonntags zuhause alleine gerne Frauenkleider anziehe. Sich auch schminke und so richtig zur Frau wurde.
Ich fand das höchst interessant und wir unterhielten uns lange darüber.
Über 40 Jahre versteckte er diese seine Leidenschaft, aber es fiel ihm zusehend schwerer.
Dank Internet traute er sich immer mehr damit hinaus zu gehen und so andere Menschen mit dieser Vorliebe zu kontaktieren. Auch eine Frau war darunter und die beiden verliebten sich. Ein Traum wurde für ihn wahr!

Sie ermunterte ihn doch auf den Christopher Street Day zu gehen. Als Frau natürlich. Und so kam der Tag als er das erste mal sich verkleidet in die Öffentlichkeit hinaus traute. Welch Aufregung! Welch Angst!

Alles lief gut.
Die neue Frau an seiner Seite ermunterte ihn immer mehr seine Leidenschaft auszuleben. Der Kleiderschrank wurde erweitert, ein Urlaub im Ausland stand ganz unter dem Motto FRAU. Selbst am Strand ließ er Perücke auf und zog sich einen Badeanzug an. Welch Mut!

Ich ließ ihn wissen, dass ich ihn gerne mal so anders sehen möchte. Aber mehr als ein Foto kam nicht dabei heraus. Ok, ich wollte auch nicht aufdringlich sein.
Gestern Abend aber war es soweit. Ganz schüchtern fragte er nachmittags an, ob er als Crossdresser kommen dürfe, ich solle aber ruhig sagen wenn es mir unangenehm wäre.
Nein! Ich spürte so eine Freude und ein Glück in mir, ihn/sie mal zu sehen!
Und natürlich seine Freundin kennen zu lernen.

Was soll ich sagen...pures ergriffen sein, eine Gänsehaut und ein Strahlen überkamen mich als da eine sehr geschackvoll gekleidete Dame vor mir stand!
Nie hatte ich eine so enge Freundin mit der ich Kleidung oder Accessoirs ausgetauscht hätte, gemeinsames shopping stresste mich nur  und das meiste Frauengehabe fand ich nur peinlich.
All das war weg. Die Vertrautheit war größer denn je. Ganz bestimmt kennen wir uns aus einem anderen Leben. Daran glaube ich!

Wir tauschten uns aus über Nagellackfarben und Bekleidungsgeschäfte für große Frauen, diskutierten über Geschlechterrollen und Erlebnisse als Frau oder Mann und erzähllten natürlich das ganz alltägliche was uns eben so beschäftigt derzeit.
Auch seine Freundin war mir höchst sympathisch. Eine sensible, intelligente Frau mit viel Humor.
Ein heiterer, unterhaltsamer Abend mit viel Gefühl und kulinarischen Köstlichkeiten!

Kommentare:

  1. Klasse und von Dir wundervoll und einfühlsam erzählt. Und ... natürlich kennt ihr Euch aus einem früheren Leben. Ich durfte diese Gefühl nämlich auch schon kennenlernen.

    Lieben Gruß
    Beate

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