Donnerstag, 17. November 2016

Oder hochbegabt?

Weil ich mich oft so anders als die anderen empfinde, kam mal die Frage auf: Vielleicht doch hochbegabt?
Und wie sooft bei Fragen, suchte ich Antworten in Büchern.
Ich stöberte ein wenig und entschied mich für:
Kluge Köpfe - krumme Wege? von Andrea Schwiebert
Es ist ein sehr umfangreiches Buch, behandelt viele Themen.
Der Untertitel Wie Hochbegabte den passenden Berufsweg finden finde ich etwas irritierend, denn es geht nicht nur um den Berufsweg, sondern generell um den Lebensweg.
UND es ist keine Schritt für Schritt Anleitung was mir sehr sympathisch war/ist.

Vorweg: auch wenn ich mich in dem Buch extrem wiederfand, so würde ich dennoch nicht behaupten, dass ich hochbegabt bin. Eher im oberen Drittel der Normalbegabten und auf alle Fälle vielseitig interessiert und hochsensibel!

Anfangs habe ich noch sehr viele Stelle die ich sehr treffen für mich fand, notiert, bald war es aber auf fast jeder Seite, sodass mir jetzt eine Zusammenfassung des Buches schwer fällt.

Zu anfangs steht gleich:
Dies ist ein Berufsfindungsbuch für:
ewig Suchende, freiheitsverliebte, Traumtänzerinnen, talentierte Chaoten, kreative Mimosen, verkappte Künstlerinnen, möchtegern-Weltverbesserer, vielseitig begabte, Querdenkerinnen und kluge Köpfe oder auch: unwissentlich Hochbegabte.

Ich war mir während des lesens immer etwas unsicher: ich finde mich da als traumatisierte auch wieder. Was war zuerst? Müßige Frage....

Weiter wird ausgeführt was denn überhaupt Hochbegabung ist. Wie sie festgestellt werden kann, das es mehr als was mit dem IQ zu tun hat (Thema Hochsensibilität!) und woher sie kommt.

Interessant fand ich dann die Schwierigkeiten mit denen Hochbegabte zu tun haben können und wie diese von Stolpersteine in Grundsteine gewandelt werden können.
z.B. hohe Ansprüche an den Job/kein Job passt zu mir, was Job mit Identität zu tun hat. Es gibt einen Praxisteil mit Übungen und Hilfen (aber sehr dezent gehalten).
Es ist ein gutes Buch um zu sich selbst zu finden, es wird einem nichts übergestülpt sondern eher eine Hilfe zur Selbsthilfe, also Hinweise zur Selbsterkenntnis.
Weitere "Steine":
- Perfektionismus, Stärken, Schwächen, Abschied vom Defizitblick(!)
- Erwartungskonflikte, Entmutigung, gesellschaftlicher Druck, Motivation, was will ich? Vielschichtigkeit der Persönlichkeit, zu enge Vorgaben können zu Depression führen, hohe Auffassungsgabe
- Qual der Wahl, ich kann mich nicht entscheiden, die Dilletanten (ein heutzutage leider abwertender Begriff, dabei lohnt es sich die wahre Bedeutung bei wikipädia nachzulesen, ich bin definitiv ein Dilletant und das gerne und ein Autodidakt ebenso!), ein Hoch auf die Vielseitigkeit, Denk-Modus verschiedene,
- Sensibilität, Belastbarkeit, ich achte auf mich, richtige Erholung, perönlicher Jubelchor

Für mich passt das Buch gut zu dem Thema Introversion (am besten das Buch STILL-die Macht der Introvertierten) und Barbara Sher Ich könnte alles tun, wenn ich wüßte was ich will, das auch hier mehrfach genannt wird.

Es hat mir insofern geholfen mich mehr anzunehmen (und gewisse Sachen nicht dauernd zu bekämpfen) wie ich bin.
Es wird nie DEN EINEN Platz für mich geben. ich fahre immer auf mehreren Gleisen, weil mich vieles interessiert, oft nur solange wie ich es einmal geistig komplett durchgekaut und ein Erfolgserlebnis hatte (Beispiel VHS-Kurs Fotos selbst entwickeln, reichte mir 1 Tag, von eigentlich 2, ich kapierte wie das ablief, ich machte einige schöne Abzüge, fertig, mehr muss ich nicht haben, wissen oder tun. Ebenso bei Instrumenten, Mikroskop, ect. deswegen kann ich auch keine gleichen Jobs mehrmals machen. Oder wieder an einem Ort leben, an dem ich schon einmal wohnte. Oder zum selben Urlaubsort zu fahren.
Es langweilt mich zu Tode.
Mehrfach probiert, ging nie.

Es ist ok, dass ich viel und komplex denke (und deswegen auch viel Zeit alleine und mit angeblichen Leerlauf brauche),
es ist ok, dass ich mehr wahrnehme an Stimmungen, Details, Gerüchen, Mimik, Geräuschen.
Es ist ok, dass ich ein hohes Maß an Selbstbestimmung brauche.
Es ist ok, dass ich mich für viele unterschiedliche Sachen interessiere.
Es ist ok, dass mich die meiste Oberflächlichkeit der Leute langweilt.
Es ist ok, ein wenig anders zu sein.

Das Buch hat mir weiterhin sehr geholfen, indem es eine innere Bremse lockerte. Die hieß: Du darfst nicht besser sein als wir (wir ist meine Familie).
Ich wurde ständig ausgebremst! Realschule? ne bleib lieber auf der Hauptschule? Engagement im Tierschutz? Es kamen 1000 Gründe, Goldmedaille im schwimmen? Nicht der Rede wert, Einser in Prüfungen? ja wir tun mal so als ob wir uns freuen und loben sie, denken aber insgeheim was anderes, aber Kinder fühlen das und fühlen sich dann komisch, merken da ist was nicht richtig, beziehen das auf sich selbst, dass sie dann nicht richtig sind.

Meine Eltern hatten selbst wenig Selbstwertgefühl und fühlten sich immer bedroht, wenn ich was besser/anders machte als sie, oder überhaupt etwas, was sie nicht konnten/sich nicht trauten wie: reisen, lange Autofahrten, schwimmen, neue Wohnorte und Freundschaften...aber auch den eigenen Kopf benutzen, kritisch sein, Neues lernen, sich für mehr interessieren als Gelnägel, Kochrezepte und warum der Nachbar schon zuhause ist.
Ich will in Wissenschaften eintauchen, Sachbücher lesen, die Welt und Menschen entdecken, mich selbst fordern und das Vertrauen in mich selbst zu haben, das ich schon auch was kann!...JETZT DARF ICH DAS. Und das fühlt sich genial an!

Ich habe in der Schule (und später auch in Berufen) oft so getan, als ob ich immer noch an einer Aufgabe arbeite, aber schon längst fertig war. Um...ja warum...um nicht aufzufallen, um nicht als Streber zu gelten (was ja voller Verachtung ausgesprochen wurde das konnte ich mir nicht leisten, ich war auf die Kontakte angewiesen, weil zuhause schon soviel Leere und Beziehungslosigkeit war...)
Somit habe ich mich meist selbst in die Langeweile manövriert. Seit ich mich nun auch geistig mehr fordere, geht es mir wesentlich besser. Dazu die körperlichen Herausforderungen und ich merke langsam was Ausgeglichenheit, Entspannung und Gelassenheit wirklich bedeutet!

Aus den Stolpersteine Grundsteine machen und mit denen sein Leben aufbauen. Das kann bunt und schief sein, solange ich mich wohlfühle und andere nicht groß schade, ist das völlig in Ordnung.

Hinzukommt auch noch das Thema Frauen und Intellligenz, ich denke auch da hatte ich eine Bremse: lieber lieb und nett sich schön anpassen, als das tun was man wirklich will und dabei vielleicht etwas anecken. Frau und Mathe passt durchaus zusammen! Da wirklich innere Rollenbilder...
Meine inneren Nerdanteile jubeln innerlich und schmeißen sich mit Freude auf neue (Lern)aufgaben.

Fazit: Dieses Mutmach-Buch ist absolut empfehelnswert und wird mein Bücherregal nie mehr verlassen (außer zum nochmals lesen).

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