Samstag, 19. November 2016

Abgrenzung

Erstaunlich wie schnell ich annehmen kann, dass das Tattoo mich also nun wirklich bis an mein Lebensende begleiten wird. Es ist Klarheit. Das tut mir gut. Ich weiß woran ich bin. Sozusagen.
Es ist nun in Ordnung, dass ich es habe. Und wer weiß, vielleicht hat es auch einen Sinn.
Den Sinn mich immer daran zu erinnern, wie wichtig es ist, mich abzgrenzen.
Nicht mit dem anderen symbiotisch zu verschmelzen. Mein Ich, mein Selbst wieder aufzugeben. Nein das darf nicht mehr passieren.

Dazu schickt mir das Universum gleich eine Übungsgelegenheit.
Eine ziemlich herausfordernde noch dazu.
Vor einigen Wochen lernte ich bei der Tafel einen Mann kennen. Wir plaudern immer nur kurz. Ich habe schon gemerkt, dass er wohl nicht die beste Karriere hinter sich hat. Er spricht sehr sehr langsam und erwähnte auch bald was von Sozialarbeiter und betreutes Wohnen. Ich tippe mal  auf starken Alkohol, kiffen könnte auch gut passen, Knast nicht auszuschließen.
Er ist gepflegt, so Ende 40.

Letztens fragte er mich, ob ich ihm beruflich helfen könne. Wir tauschten Mailadressen aus und...naja...sagen wir so...seitdem bekomme ich sehr viel Post. Mit sehr persönlichen Inhalten plus Fotos seiner Wohnung.
Oft mit minutengenauem Erzählen über Essen, Freizeitvorlieben und Gefühlen. Ähja.
So gut kennen wir uns nun auch wieder nicht, dass ich solch intime Details wissen möchte.
Die Frage nach meiner Telefonnummer beantwortete ich damit, indem ich sagte, dass ich nicht so gern telefoniere. Stimmt auch ein wenig.

Er ist ein wenig anstrengend.
Ich bin nicht seine Sozialarbeiterin.
Ich bin gefragt, wie ich jetzt klar und bestimmt bleibe und meine Grenzen zeige und verteidige.
Denn die Aufgabe ist interessant. Auch wenn erstmal kein Geld dabei rausspringt (kann sich aber schnell ändern) macht es mir Spaß und fordert mich ein wenig. Und es könnte sich was gutes draus entwickeln.

Abwarten und weiterschauen.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen