Samstag, 1. Oktober 2016

Gelesen

Es gibt kein Verbot für alte Weiber, auf Bäume zu klettern. 
Astrid Lindgren

Sehr erfrischend dies als erstes in einem neuen Buch zu lesen.
Auch wenn ich noch kein altes Weib bin und nicht auf Bäume klettere (auch früher noch nie) so spricht mich das, was damit ausgesagt werden soll sehr an. Diese Freiheit und nicht all diese Ver-und Gebote für Frauen. Das moralisch, gesellschaftliche, patriarchale Korsett. Schnürt ein.
Im Moment lese ich abends immer ein paar Seiten in einem alten (Anfang der 80er) EMMA-Buch. Auch das stärkt und kräftigt mich. Gestern erst ging es um reine Mädchengymnasien und gemischte Schulen. Bei einer Studie kam heraus, dass ein hoher Prozentsatz der beruflich erfolgreichen Frauen(vor allem in höheren Positionen und sogenannten Männnerberufen) auf Mädchengymnasien waren.
Am schlechtesten schnitten die Jungs ab, wenn sie "unter sich" waren. Die Autorin vermutete, dass liege daran,  weil die Mädchen als Blitzableiter fehlten.
Nunja.

Ich merke, wie ich innerlich immer mehr stabiler werde, seit dem Kontaktabbruch zu meinem Vater. Ich bin viel besser in der Selbstfürsorge. Gerade heute wurde mir bewußt, ich brauche dringend neue Kleidung. So nach und nach. Oder dass ich nun Geld zur Verfügung habe, für Dinge die mir wichtig sind. Weil ich es mir erlaube. Es fühlt sich gut an, mein Leben so in der Hand zu haben.

Diesesmal war es  ja ein schleichender Kontaktabbruch (aus diversen Gründen), lange war ich nun innerlich angespannt: kommt noch was, wenn ja WAS? Jetzt kehrt Ruhe ein.
So wie damals, als ich einen glatten Schnitt zu ihm vollzog. Das Jahr danach war genial. Voll in meiner Kraft und vor allem im Erwachsenenteil. Da drin zu bleiben ist immer ein Balanceakt.
Sehr hilfreich dazu finde ich die Schriften und Bücher von Jochen Peichl. Er erklärt das Zusammenspiel der inneren Selbstanteile für mich sehr gut und verständlich.
Mir wird klar, wie oft ich in Kindheitstrance falle und dann aus dem Kind heraus fühle und agiere.
Kleines Beispiel: ich bin mit dem Rad unterwegs, biege in einen kleinen Fußweg ein (so ausgeschildert), vor mir ist ein Mann mit einem breiten Kinderwagen. Ich muss also klingeln um daran vorbei zu kommen. das Kind-Ich sagt: "och komm lass uns auf die Straße wechseln". Es hat übertriebene Angst vor der Reaktion des erwachsenen Mannes. Denn eigentlich darf ich da mit dem Rad nict fahren.
Ich erinnere mich, dass ich erwachsen bin. Ich klingel. Wenn er mich anmotzt ist er sogar im Recht, ich würde mich entschuldigen und weiterradeln. Kein Weltuntergang. Kein Drama.
Im übrigen hat er mir sehr viel Platz gemacht, ich habe mich bedankt und alles war gut.

Meine vielen Ängste kommen sehr oft aus dem Kindheits-ich.
Wenn ich aber in eine regelrechte Kindheitstrance falle, also gar nicht mehr in der Lage bin, mich zu erinnern, dass ich erwachsen bin und mich demnach auch selbst beruhigen und/oder klar und sachlich etwas mit jemandem zu klären, dann gibts nur noch alte Selbstrettungstechniken: Weglaufen. Absagen. Oder wenn das nicht geht (oft aus Scham), dann eben erstarren. Das passiert mir vornehmlich bei Ärzten.

Mir gehen die beiden letzten Jobangebote schon noch durch den Kopf. Beide hätte ich trotz einiger ungünstigen Gegebenheiten (wo gibts die nicht?) wirklich gerne gemacht.
Auch letztens las ich wieder eine sehr interressante Stelle, was ich mir gut vorstellen konnte.
Aber das alte panische Kindheits-Ich ist sofort wieder da.
Oder auch Wächter. Die sind für mich neu, die kannte ich noch nicht. Die haben die Funktion eben den verletzten Teil zu schützen. Und "sabotieren" wenn es Ähnlichkeiten im Heute gibt.

Es tut mir gut, weiter den Erwachsenenteil in mir zu stärken.
Wie? Durch tägliche Übungen, wie oben beschrieben mit dem Fahrrad.


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