Donnerstag, 22. September 2016

Flotter Spruch

Wahrscheinlich kennen die meisten mit einer psychischen Erkrankung die blöden Sprüche.

Bei der Depression heißt es gern mal: mach mal Urlaub/ Sport/was schönes/Party, darfst nicht alles so ernst nehmen, morgen ists bestimmt besser....
Bei einer Angststörung hört man gern: ja ich wär da auch nervös, stell dich nicht so an, Augen zu und durch, probiers einfach mal meist gehts dann doch, ich hab manchmal auch keine Lust zu arbeiten...

Der nächste der mir mit so einem Spruch kommt (leider sind ja oft auch Ärzte darunter) dem geh ich an die Gurgel, so richtig. Drücke fest zu, sodass er noch ein klitzeklein wenig Luft bekommt und säusel dann ganz lieb: "Oh ich glaub das ist nur ein bisschen Halsweh, lutsch mal ein Bonbon, hat bei mir auch mal geholfen!" und grinse leicht debil dazu.

Ich wollt eigentlich heute vormittag einen kleinen Ausflug machen.
Mir ist aber eher wieder ins Bett verkriechen.
Gar kein gutes Zeichen.
Gar nicht....

Kommentare:

  1. Wünsche dir gute Erholung! Schwäche zu fühlen ist kein Zeichen von Wertlosigkeit. Leider wird dies in unserer Gesellschaft so vermittelt. Die Sprüche kenn ich zu genüge. Hab gerade heute morgen darüber nachgedacht. Dieses "stell dich nicht so an" und etc pp kann ganz schön viel kaputtmachen statt zu stärken.

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    1. Ich bins nochmal :)
      Ehrlich gesagt glaube ich nicht, dass eine Fachperson erahnen kann, wie schlimm manche Emotionen wirklich sind. Dass wenn "Terror" mal im System gespeichert wurde, dieser bei Gelegenheit wieder aktiv werden kann. Das geht über das Verstehen von jemandem, der das nur aus der Theorie kennt. Das würde ich persönlich schon als Traumafolge(n) einordnen, das hat nix mehr mit "einfach positiv Denken" zu tun. Ich finde immer mehr dazu, es als Folgen von _für mich_ schlimmen Erfahrungen einzuordnen und das empfinde ich als grosse Entlastung. Diese kann ich mir inzwischen besser selber erteilen, diese Entlastung. Aber bisweilen hapert es schon.

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  2. Hallo Anne, danke für Deine Mail (und natürlich die Kommentare:)) mach Dir kein Streß!

    Ich meinte, für mich ist das Zeichen *will wieder ins Bett* nicht gut. Wenn es nämlich wegen Psyche und nicht wegen Körper ist. Für mich ein Alarmsignal: ganz groß aufpassen.
    Auch fies sind Blicke und nicht ausgesprüchene Kommentare, ich les oft auf so mancher Stirn: So jung, strahlt wie das Leben (beim radeln wird man halt braun), schlank, gepflegt, hübsch..was hat die nur. Auch hier: Oberflächlich, das Äußere (auch hier in der Gesellschaft ganz wichtig) paßt, also kann es der nicht schlecht gehen...
    ja es macht viel kaputt...und schlägt natürlich gern in alte Wunden und aktiviert auch innere Kritiker und gnadenlose verinnerlichte Elternstimmen.

    Ich glaube, dass ich letztens den Unterschied von "kennen aus dem Fachbuch" und wirklich "kennen weil miterlebt" bei einem Arzt äh kennengelernt hab: es ging um die Unverträglichkein von Gluten, dessen Sohn hat die Hardcorevariante die Zöliakie und er sprach ganz anders mit mir und war erstaunt, dass bei mir auch die psychischen Symptome besser wurden. Naja bis zu der Jobsache.

    Und ja das ist wissenschaftlich schon bekannt, dass das Alarmsystem bei Traumatisierten schneller anspringt als bei Normalos. Deswegen kommt da auch so schwer mit rationalen Begründungen/reine Gesprächstherapie dran. Da wirken dann wohl eher so Sachen wie EMDR, Hypnose usw...

    Ich habe die letzten Tage auch kennengelernt den Unterschied zwischen: ich bin nervös (der normale Pegel beim Vorstellungsgespräch) und die volle Panik mit Leere und Handlungsunfähigkeit. Das hilft mir gerade sehr nicht alles in einen Topf zu werfen.

    Ja ein wenig Entlastung bringt mir das auch, dass dieses "du musst dich nur anstrengen" oder noch mehr an dir arbeiten, nicht so ganz stimmt..also die alleinige Schuld bei mir zu suchen lässt etwas nach...andererseits nervt es mich immer mehr, dass Dinge die ich so gern tun würde, eben nicht gehen. Früher war ich ja in diesem: hauptsache meine Ruhe haben. Jetzt WILL ich wieder mehr ins Leben und kann nicht so wie ich mir das vorstelle. Das ist hart. Natürlich versuche ich es mit Akzeptanz und mich an dem zu erfreuen was eben geht....

    Liebe Grüße

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