Freitag, 29. Juli 2016

Können vor lachen

Naja na lachen ist mir derzeit wahrlich nicht...
Es ist das alte Drama: Wollen aber nicht können.
Gerne was anderes/mehr arbeiten wollen, aber nicht können.
Gerne eine schon gebuchte Reise machen, aber....?

Ich hadere gerade mit mir selbst, ob ich diese lang gewünschte Reise machen soll. Es wäre das erste Mal, dass ich alleine ins Ausland fliege.
In dieses Land will ich schon lange. Meine Wurzeln sind dort (der Opa flüchtete im Krieg von dort nach Deutschland) und seelisch zieht es mich da total hin...
Termin Anfang September und ich dreh jetzt schon durch. Es ist mehr als das übliche Reisefieber, die unruhige Aufregung, die man wenige Tage vor Abflug hat...es ist die Panik Wochen vorher.

Das Problem ist: Mein Körper verträgt absolut keinen Streß mehr. Er weiß nicht, dass das sogenannter *positiver* Streß ist. Dass dieser Urlaub was schönes ist. Dass ich mich auf die neue Umgebung freue, das erkunden der Hauptstadt, das nachspüren, das erfühlen, das mich heimisch fühlen (hoffentlich, vermutlich)...das lauschen der Sprache(die ich nicht verstehe)...sovieles schönes....

aber mein traumatisiertes Hirn konstruiert nur Ängste, da helfen auch keine Sätze wie: Du hast dich immer überall zurecht gefunden, was kann schon groß passieren ect...nene das Hirn läuft im Alarmmodus da kommt nichts mehr an....

Streß gibt es schon soviel in meinem Alltag, die soziale Phobie sobald ich das Haus verlasse, Anspannungen noch und nöcher sobald Menschen um mich sind, geringer Selbstwert, Einsamkeit, der extreme Schrecken wenn ein Auto dicht an mir vorbei fährt, Arztbesuche, Geldsorgen, laute Nachbarn, Erschöpfung....
Letztens in der Arbeit, in der ich so gut wie immer alleine bin, kamen die Hausbewohner früher nach Hause und brachten 3 Freundinnen als Besuch mit. Die Küche war voll, ich bügelte im Nebenraum und stand unter Panik.
Irgendwie schaffte ich es alles fertig zu machen, in die Küche zu gehen, um meine Sachen zu holen und mich zu verabschieden. Danach war ich fix und alle und völlig verkrampft.

Dazu kommt, dass ich seit einigen Monaten unter besonderen Streß stehe,
erst letzten Herbst der Verlust zweier Freunde, sehr anstrengendes Weihnachten/Sylvester, der Streß mit meinem Vater, selbstgemachter Druck inkl. Bewerbungen und Gespräche bezgl. mehr Arbeit, Hochzeit meiner Cousine-die mich ja auch Wochen vorher schon plagte und zu der ich letzens auch nicht gehen konnte, der ebenso anstrengende Kurzurlaub mit (abgebrochenem) Langlaufkurs im Januar...
und zeigte mir nicht zuletzt der Besuch in Bamberg, dass ich schon an der obersten Kante der Anspannungsskala bin???

Und jetzt wieder seit Tagen diese komatöse Müdigkeit und Dauerschlaf....liegt das wirklich nur an zuviel Getreide oder lässt mich mein Körper streiken, damit ich mir nicht noch mehr Streß antue?

Wäre es nicht sinnvoller, die Reise zu stornieren, das gesparte Geld (für den Aufenthalt) lieber für Dinge nehmen, die mir gut tun, also in Bücher investieren, indisches Essen und Tagesausflüge...?

Und was mach ich dann mit all der Trauer, dass wieder mal etwas nicht ging? Dass selbst die ganze Arbeit an mir selbst nur winzige Verbesserungen bringt...?
Dass *man muss nur wollen* eine Aussage ist, die nicht stimmt?
Dass ich mir evtl. mit genau dem Willen mehr schade, als nutze?
Dass ich mühsam mein Bild von mir selbst und meinem Leben immer wieder neu ordnen muss von dem was ich mir vorstelle/will und dem was möglich ist?
Zu akzeptieren, dass manches von der komplexen PTBS eben nicht heilbar ist...?
Dass ich es gar nicht wahrhaben will, dass ich so krank bin? Sondern einfach nur die richtigen Selbsthilferatgeberbücher lesen muss (wieviele eigentlich noch??) um dann "ganz einfach" ein normales Leben führen kann?

Dass mir gerade nichts lieber wäre, als dieses
 https://www.langweiledich.net/luxus-auf-ganz-kleinem-raum/
 schnuckelige Häuschen, irgendwo in der Natur, mit kleinem Waldstück und See, das ganze bitte vollkommen sicher eingezäunt, damit mir ja kein Mensch übern Weg läuft und erst recht keine Scheißnachbarn!!!

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