Montag, 18. Juli 2016

Bamberg zaubert

Seit 8 Jahren will ich einen Freund besuchen. Mal ging es nicht wegen Erschöpfung, dann wegen vielen Ängsten, zu letzt scheiterte es am  selbstgemachtem Druck (er sah das immer sehr locker, wofür ich ihm sehr dankbar bin).
Ich kam mir schon sehr schräg vor, weil ich es nicht schaffte. Denn Zugfahren und unterwegs sein, liebe ich ja eigentlich.

Gestern klappte es also. Die Vorfreude war groß, als ich im Zug saß, war ich selig. Fast 8 Stunden saß ich insgesamt im Zug. Im Grunde finde ich es sehr entspannend, mal kann sinnierend aus dem Fenster gucken und herrlich nachdenken, ohne dem Druck etwas zu verpassen/tun zu müssen.
Einen besseren Philosophieort gibt es nicht.

Das Wetter war warm, leicht windig und leicht bewölkt. Ideal. Ich auch einigermaßen fit.
Und so ging es zum Straßenfestival "Bamberg zaubert". Zauberer, Künstler, Artisten ect. bevölkerten die Stadt und zeigten ihr Können. Leider war am Sonntagnachmittag eher das Kinderprogramm angesagt und daher etwas mau, aber gut. Ein wenig Kultur durfte dann auch noch sein (Dom) und einige historische Begebenheiten zu dieser Stadt hörte ich von der Frau des Freundes.

Die Reizüberflutung, sehr viele Menschen, den Künstlern zusehen, neue Eindrücke, auf 2 Menschen eingehen, dann doch mehr Hitze als Wärme, Durst hielt sich gut in Grenzen...was aber blieb, war die immense Anspannung. Die blieb. Steigerte sich beim anstellen für ein Getränk fast ins unermessliche.
Später ging es zum Kaffe/Kuchen in deren zuhause etwas außerhalb. Die Autofahrt nutzte ich um mich etwas zu sammeln, nach innen zu gehen, und zu versuchen mich zu entspannen (gelang eher leidlich).
Zum Glück ging essen in Gesellschaft (deren Nachbar kam noch vorbei, was zusätzlich Streß war...)

Erst als ich abends im Bus Richtung Bahnhof saß wurde ich ruhiger.
Der erste Zug war fast leer,ich entspannte und statt Freude, dass ich den Besuch endlich geschafft habe und nicht die Angst gewann, war da nur Leere und Traurigkeit, eine Art Enttäuschung.
Musik klang in meinen Ohren der Zug rauschte dahin, ich wußte nicht warum ich so fühlte. Es war eine massive Depressionsattacke.

Auf der Hinfahrt dachte ich schon daran, dass andere mal eben geschäftlich nach London, Indien, Boston jetten, Meetings leiten, Großhochzeiten feiern, Häuser bauen und Kinder bekommen, 50 Stunden die Woche arbeiten, während ich froh bin, wenn ich ohne Panik in den Supermarkt gehen kann, 5 Std. die Woche Arbeit hinbekomme, mal  locker mit anderen zusammen essen kann und nicht total daheim versumpfe.
Da kann man sich schon echt mickrig fühlen...aber da konnte ich mich noch gut herausziehen, weil ich ja weiß, dass auch andere ihre Schwierigkeiten und Unglücke haben. Und jeder im Leben halt andere Lernaufgaben hat.

Beim umsteigen genoß ich den lauen Abend, hatte über 1 Stunde Zeit, aß etwas, saß etwas abseits, sah in den Himmel und als der Zug kam, auch dieser nur so dahin flog, ich wieder mit Musik in den Ohren, sah ich den wunderschönen Vollmond und die fragte tauchte auf: was will ich?
Es war eine andere Atmosphäre, fern von zuhause, irgendwie aus Raum und Zeit gefallen, versunken in Gedanken, magisch...mystisch....
Es sind irgendwie keine weltlichen Dinge die mich interessieren, kein Mann, kein Geld, keine Villa (auch wenn das noch am nettesten wäre), Markenkleidung, fette Autos....
ich will in der Natur sein und über alles mögliche nachdenken...lesen...
und sofort steigt die Angst auf endgültig als Verrückte, Spinnerin ect. zu enden...

Ich war fast 18 Stunden gestern auf den Beinen, ich bin zwar etwas müde heute, aber nicht so schlimm wie sonst. Ich genehmige mir einen ruhigen Tag heute, ich muss nichts.

Ich weiß immer noch nicht warum ich bei diesem Freund solche Anspannung habe. Hatte ich früher schon. Es dauerte ewig bis wir uns mal live sahen, hatten davor jahrelang gechattet. Ich scannte ihn schon ab bezüglich Trigger oder so, aber was greifbares finde ich nicht.

Kommentare:

  1. Liebe Luzia,

    ich weiß nicht, ob Du im realen Leben wirklich so heißt, das ist auch nicht sooo wichtig, aber Dein Name ist Programm! Es erschließt sich mir auch nicht, ob Du in Deinem Alter damit etwas anfangen kannst, mir scheint, dass Du Erkenntnisse hast, die sich andere mühsamst im Laufe des Lebens "erarbeiten" müssen. Es ist beinah so, als würdest Du Dir selbst die Erkenntnisse, die Dir Deine Introvertiert-Sein bescheren, nicht gönnen. Du bist den allermeisten mweilenweit voraus. Zu sich selbst kommen und das geht ja nur, wenn man nach innen gerichtet lebt ist der Sinnn des Lebens. So denke ich.

    Mit besten Grüßen
    Beate

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  2. Danke liebe Beate für Deinen schönen Kommentar hier.
    Naja ich hab mir das ja auch durch viele schmerzhafte Erfahrungen erarbeitet :)
    Und es ist leider schon so, dass ich das Gefühl habe, mal lapidar ausgedrückt, mit meinem So-Sein keinen Blumentopf gewinnen zu können.
    Ja manchmal hadere ich da schon mit mir...andererseits ist ja trotzdem gut für mich gesorgt, als ob ich mich dem (intovertiert-sein) auch hingeben dürfte....
    Nunja, ich schick Dir liebe Grüße zu ;)

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  3. My lovely friend Luzia ... fand diese music I'm internet, hat mich so entspanntt und zum lachen gebracht ... Love, cat. https://www.youtube.com/embed/9ytei6bu7kQ?rel=0&controls=0&showinfo=0

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