Dienstag, 10. Mai 2016

Wie ich... mein Selbstwertgefühl steigerte

Dies wird eine neue Reihe in diesem Blog: "Wie ich..."
kleine Schritte und Begebenheiten um aus diesem ständigen Schuldgefühl und Minderwertigkeitskomplex rauszukommen.
Inspiriert von dem sehr heiteren Buch: Anleitung zum Unschuldigsein von Florian Illies.

Tatort: Hallenbad
Tathergang: Ich schwamm mal wieder in meinem "alten" Hallenbad wo ich schon ewig nicht mehr war. Es ist sehr klein, aber in der Nähe, leider mit blöden Öffnungszeiten.

Es schwammen mit mir 10 Leute. Das klingt nach wenigen, nicht aber wenn es nur ein 25m Becken ist, wowovn 5m Nichtschwimmerbereich durch ein Band abgetrennt ist. Also 20m mit nur 4 Bahnen.
Und alle Herrschaften (alle weit über 60) standen fast, ich musste also drumrumschwimmen, was keine Regelmäßigkeit zulässt und mich schwer nervt. Zudem kannten sich alle und plauderten munter kreuz und quer was ein starkes Außenseitergefühl in mir hervorrief und mich sehr unwohl fühlen ließ.

Dann gibt es noch die Sportbahn, komplett 25m lang in der ein Krauler (um die 40) seine Bahnen zog.
Hhhmmm dacht ich so, ob ich mich da rüber trau? Ich bin ja kein Sportschwimmer (sagt wer??) ich schwimme Brust ohne untertauchen, aber mit seitlich geneigtem Kopf (wg. Halswirbelsäule) und sehr flott.

Was soll ich sagen...JA ich habe mich so nach 15 mins. einfach rüber getraut.
Soll erstmal einer was zu mir sagen. Diese "Ratschkatteln" im Becken ordnete ich so ein, dass sie zwar brav über andere lästern, diesen dann aber saufreundlich ins Gesicht grinsen.
Der Krauler hatte Platz genug, ich auch. Es war gut. Es fühlte sich toll an. Noch nie nahm ich diese ganze Bahn in Anspruch. Ich sah zwar einer der Weiber mit dem Krauler dann tuscheln und zu mir schauen, aber damit hatte ich ja gerechnet. Zu MIR soll einer was sagen. Tat natürlich keiner.
Und wenn dann müsste es schon der Bademeister selbst sein, er hat wenn dann das Sagen.
(hallelujia, so ein Selbstbewußtsein tut einfach nur saugut!)

Irgendwann kam ein 3.Mann in die Sportbahn. Ui mist dacht ich, jetzt flieg ich raus. Aber der Krauler war anscheinend fertig und ging. Der "neue" Mann war viel langsamer als ich :) auch kein klassischer Sportschwimmer.
Ich war beflügelt. Es war toll! Meinen Schatten besiegt zu haben.

Bald schon merkte ich, dass der Mann ein Glotzer war. Viellleicht hab ich mir das nur eingebildet. Als ich am oberen Ende Pause machte und mich ein wenig dehnte (unter Wasser nur Kopf/Oberarme sahen heraus), kam er auf mich zu und ich war mir sicher, dass gleich der ultimativste blödeste Anmachspruch ever kommt: "Tat das tätowieren denn weh?"
Und dann fiel mir eine sagenhafte Antwort ein: "Naja... schlimmer war das Zungenpiercing (Pause.....und ihn mit großen Augen anschauen) aber nicht ganz so schlimm wie das I.N.T.I.M.piercing (schön langsam und gedehnt ausgesprochen!)", ihn weiter anschauen, zuzwinkern und wegschwimmen.
Ich hatte ihn als sehr schüchtern eingeschätzt, bei einem angeberischen Proll würde ich das natürlich nicht machen!

Hach fühlte sich das gut an, raus aus der erstarrten Opferhaltung, bitte flehte ich inerlich, bitte frag mich!!
Er tat mir den Gefallen nicht.

Ich aber ging sehr gestärkt und mit sehr guter Laune nach 40mins wieder hinaus.
Memo an mich: muss ich öfter machen....

Und zweite Übung kam auch gleich heute: Ich geh seelenruhig zum Zahnarzt...kreuze da viel zu früh auf und als mich die Zahnarzthelferin schon mit einem "Oh Frau Luzia...Sie...!" begrüßt, kontere ich:"ja ich weiß, bin viel zu früh dran!"
Sie:" Nein, zu spät, um 9h wäre Ihr Termin gewesen!"
Sackelzement.
Neuer Termin um 11.15h.
Ich radel heim, schau in den Kalender, oh verdammt, stimmt.
Kein inneres Messer wetzen. Kein Scheiterhaufen. Kein Todesurteil.
Sondern ein lockeres: tja kann man passieren.
Hammer ist das geil!
Natürlich habe ich mich vor Ort entschuldigt. Das Team sah das sehr locker, machte sich sogar Sorgen weil die dort wissen, dass ich extrem zuverlässig
und pünktlich bin.

Alles gut. Und der Zahn auch (wieder).

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