Sonntag, 15. Mai 2016

Sonntagsgedanken

Gestern bin ich mit dem Radl durch eine neugebaute Siedlung gefahren.
Vor wenigen Wochen war da nur Acker und jetzt ist alles zugebaut.
Ich wollte sehen was sich alles in dem Ort ändert, in dem ich wohne.

Was ich sah verschlechterte meine Laune erheblich:
Ausnahmslos kleine Reihenhäuser (also nur mit 1-2Etagen). Schon oft ist mir aufgefallen, dass sich der Ort ausnahmslos an Familien richtet. Sämtliche Feiern und Angebote sind für Familien, überall gibt es Kinderflohmarkt, Zwillingsstammtisch, Familienzentrum und so weiter und so fort.
Ich komme mir da als alleinstehende Person ziemlich doof vor.
Warum wurde in diesem Neubaugebiet nicht an die so dringend benötigten 1-2 Zimmerwohnungen gedacht?
Sollte ich mal unseren Bürgermeister fragen.

Also gut, ich radelte so weiter und kam mir wie im falschen Film vor, überall die schnieken neuen Häuser, davor natürlich ein Minirasen in dem sich ganz sichtbar die Frau mit ihren Gartengelüsten und der Mann mit Grill, Handwerk oder Hollywoodschaukel austoben konnten.
Auf diesem Rasen standen junge Mütter, die sich mit ihren neuen Nachbarn über den Minizaun unterhielten. Wahrscheinlich über Biowindel, Smoothies und wo der beste Englischunterricht für Sophie-Lara sei. Dachte ich boshaft und außerdem dachte ich so weiter: Wann kommen endlich die doppelten Doppelnamen in Mode? Also Sophie-Laura Bergets-Müller klingt doch voll cool oder?
Vor dem Haus standen natürlich neue Auto, keines älter als 5 Jahre, sauber geputzt. Ist klar.
Das selbst getöpferte Namensschild an der Haustür durfte nicht fehlen.
Alles strahlte neu, sah nach viel Geld aus und die Menschen waren jung und gesund (zumindest machte es den Anschein).
Als ich endlich aus dieser Höllenzone draußen war, überlegte ich weiter, wo da jetzt die versteckte Kamera sei oder wann das Filmteam kam für den neuen Auto/Baumarkt/Ferien-Werbespot. Alternativ auch für einen Supermarkt.
Genauso sah es da überall aus.
Vielleicht sollte ich dort mal Flyer verteilen:
Eure Oberflächlichkeit kotzt mich an!

Achje...ist mir natürlich klar, dass das alles mehr mit mir als mit den Mittelständlern dort zu tun hat.
Meine ich ja selbst oft genug, dass nur so ein gelungenes Leben aussieht: Gutem Lebensstandart, Mann, Kind, Haus und Hund. Und Auto natürlich.
Ich habe nichts von diesen Dingen.
Und zum größten Teil will ich das auch gar nicht. Ich würde mich in so einem Leben ziemlich fremd fühlen.
Aber in dieser Gegend in und um München gibt es wenig bis gar keine Räume für Außenseiter. Für andere Lebensentwürfe. Für anders-seiende. DAS nervt mich so.
Hier bekommt man schon einen schiefen Blick wenn man barfuss geht!
Uns das Selbstbewußtsein dafür habe ich (noch) nicht.
Selbst Fahrradfahrer sind hier ausgestorben, weil alle ihre Neuwägen und SUV spazieren fahren.
Es gibt allerdings einen (!) Mann der sich traut anders zu sein. Der fährt immer mit Rad und Anhänger durch die Lande und sammelt alles brauchbare von den Wertstoffhören auf. Hat lange weiße Haare und ein Band drumherum.

Vielleicht wohne ich am falschen Fleck.
Vielleicht ist mir das hier einfach zu kleinkariert, zu vereinsmeierisch, zu altbacken und spiessig.
Vielleicht wäre Berlin was für mich. Allerdings zieht es mich da so gar nicht hin. Oder Köln? Och nee...

Ich weiß auch, dass das oft nur reine Kopfsache ist. Allerdings finde ich das sehr anstrengend gerade und denke lieber, dass es mir woanders besser gehen würde.
Und das ist ja auch bewiesen. Die Zufriedenheit steigt nicht mit dem Einkommen, sondern eher im "passenden" Umfeld. Wenn man in einem sozialen Brennpunkt arbeitslos wird, fühlt man sich vielleicht nicht so beschämt, als wie wenn man es in dieser schnieken neuen Reihenhaussiedlung wird.
Unter "seinesgleichen" fühlt man sich halt wohler. Ganz natürlich.

Und zum guten Schluß: Wie bitte fühlen sich dann all die Afrikaner und Araber die noch weniger als ich haben und erst recht nichts oder wenig mit dieser (unserer) Kultur und Mentalität anfangen können?

Mal sehen was mein innerer Spießer und mein inneres Hippiemädchen noch so meinen....

Kommentare:

  1. Du bist kein Aussenseiter, und du bist nicht allein. Hast deiner inneren Stimmung einfach mal freien Lauf gelassen. Das tut gut.
    Liebe Grüsse zu Pfingsten,
    Nada.

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  2. Danke Nada,
    ;-)
    Dir auch noch einen schönen Tag!

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