Samstag, 21. Mai 2016

Neuanfang

In der "ZEIT" gibt es in dieser Woche einen interessanten Artikel, in dem es um 2 Flüchtlinge geht, die sagen:
Der Krieg ist das Beste, was uns passieren konnte!
Für einen Mann (aus Syrien) und eine Frau (aus Jemen) war es die Gelegenheit aus ihrem alten Leben zu fliehen und ohne einengende Traditionen und autoritären Eltern das Leben so zu führen, wie sie es selbst wollen.
Die Frau floh vor ihrem Vater und bei ihren Aussagen bekomm ich Gänsehaut:

"Ein Mensch hat keine Wurzeln. Der Mensch ist keine Pflanze, die dort wächst und vergeht, wo die Saat in die Erde gebracht wurde. Gewalt und Verzweiflung kann man hinter sich lassen. Ein Mensch IST nicht, er WIRD, bis zum Schluss."

Ddurch das sie eine Frau war, war sie für ihren Vater eine Last (O-Ton).
"Seine Ehre, wie er es nannte, hing von ihrem Verhalten ab. Deshalb war er wütend auf sie: Als sei sie es, die Macht über ihn habe und deshalb bekämpft, ja vernichtet werden müsse."

Sie wollte sich aus den Fängen ihres Vaters befreien, studieren, arbeiten, um nicht früh heiraten zu müssen und dafür selbstbestimmt leben können. Stück für Stück versuchte sie die Grenzen die ihr Vater ihr auferlegte zu verschieben, millileterweise. Sie wollte die Macht ihres Vaters einschränken, ohne dass dieser es merkte.
Anders gesagt: Sie wollte frei leben bei gleichzeitigem Erhalt der Vaterliebe.
Erst später verstand sie, dass sie keine Chance hatte.

BINGO!

Einen Kontakt zu meinem Vater zu haben, bedeutet bei mir, dass ich mich weiter verleugnen, mich selbst verlassen und ihm unterwerfen muss.
Und zwar bei JEDEM Kontakt. Ich hatte ja immer die Hoffnung, dass wenn der Kontakt selten ist und nur über Brief, dass es doch noch geht.
Also eben: frei leben UND die Vaterliebe erhalten.
Es geht nicht. Das muss ich mir eingestehen und danach handeln.
Das bin ich mir wert. Entweder ER oder ICH.
Lange, viel zu lange war es ER, jetzt bin ICH dran.

Ich habe mir das Bild, dieser mutigen Frau ausgeschnitten und in den Flur gehängt, wo ich oft vorbei gehe.
Mit ihren wilden, langen schwarzen Haaren, ihrem entschlossenen, schalkhaften, leicht angriffslustigen Blick und den farbenfrohen pinken Lippen darf sie mich an meine Kraft erinnern! Und die Freude an meiner Freiheit aufrecht erhalten!


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