Donnerstag, 26. Mai 2016

Menschengruppen

Ich habe jetzt alle möglichen Varianten und Hilfsmöglichkeiten sowie Strategien zur Beruhigung durch und muss mir eingestehen:
Die Panik ist so groß, es geht nicht.
Es geht nicht, dass ich zur Hochzeit meiner Cousine morgen fahre.
Das macht mich sehr traurig und Schuld und Scham schwappen über mich drüber.
Ich weiß, dass sie es versteht, mir nicht böse dafür ist, es ihr aber auch viel bedeutet hätte, wenn ich gekommen wäre.
Wir haben ein sehr gutes Verhältnis. Auch zu ihren Eltern und ihrem Bruder. Die einzigen die nun von der Familie dabei sein werden. Zu unseren Großeltern ist sie hingefahren und sagte: "Ich heirate und ihr seid NICHT eingeladen."
Stark. Und natürlich aus denselben Gründen warum ich keinen Kontakt zu meinen Eltern haben kann/will.
Sowas zieht sich ja leider gern mal durch die ganze Familie.

Seit 2 Wochen dreh ich am Rad. Habe mir ein Auto gemietet, damit ich unabhängig bin. Mir die Örtlichkeiten angesehen, um das alles einzuschätzen usw. Stück für Stück bin ich so weiter gegangen.
Es hat nichts gebracht.
Es gibt die Aufregung vorm Zahnarzt, Anstrengung in großen Menschenmassen, Ängstlichkeit vor einem Vorstellungstermin und eben Panik vor Menschengruppen mit denen man interagieren soll. Wie bei Geburtstagsfeiern, Kommunion, Betriebsfest, Hochzeit usw.

Schon als 9jährige saß ich heulend am Rande unseres selbstorganisierten Abschiedfestes der Grundschule. Nur unsere Klasse mit Eltern und Lehrerin grillten, tanzten und hatten einfach ihren Spaß an einem lauen Sommerabend.
Nur ich nicht. Ich hatte puren Streß.
"Zum Glück" hatte ich mir wenige Tage zuvor den Fuß derart verstaucht, dass ich einfach sagte, dass ich deswegen, vor Schmerzen heulte und wir so eher heimfuhren.
Auch bei der Hochzeit unserer Untermieter, ich war 11, schlug ich mir beim morgendlichen turnen (aus Übermut) dermaßen das Schienbein auf, dass es genäht werden musste und ich immer wieder daheim im Bett lag und mich nur kurz dem gesellschaftlichen Treiben aussetzte.
Ich hatte ja als Kind sehr viele Unfälle und Verletzungen, vielleicht arrangierte das mein Schutzengel so. Wer weiß.

Ich bin völlig erschöpft, gestern war ich das erste Mal in der neuen Arbeitsstelle arbeiten. 2 Stunden. Es war gut, ich fühle mich da wohl, die Frau ist nett, die Kinder (die sonst nicht da sind) sehr süß.
Aber zu den ganzen inneren Turbulenzen sehr anstrengend. Dazu noch das Thema mit meinem Vater...
Zum Glück ist hier heute Feiertag. Alles ruhig. Auch ich leg mich noch einmal hin.

Kommentare:

  1. Liebe Luzia

    Deine Trauer über das Nichthingehen-Können kann ich gut nachvollziehen. Respekt vor deinen Vorbereitungen .. da hast du keine Mühe gescheut. Du hast getan, was für dich geht. Ich wünsche dir, dass du aus der Ferne dennoch dabei sein kannst, mit dem Herzen, ohne dich dafür zu verurteilen, dass es nicht klappt.

    Liebe Grüsse

    Anne

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  2. Danke liebe Anne für Deine lieben Worte.
    Ja es wäre mir sehr wichtig gewesen, diese Freude meiner cousine zu machen, sie und ihre Familie hält zu mir, versteht und unterstützt mich, sie glauben meiner Wahrnehmung und haben sich selbst auf den Weg der Genesung gemacht. Weil meine Tante erkannte, dass was ihre Eltern ihr mitgegeben haben an Manipulation, Sucht, Gewalt usw. will sie nicht an ihre Kinder weitergeben. Sehr wach also ;)
    Und mir hätte es gut getan a) die Angst zu überwinden und b) eine positive Erfahrung in Sachen Familienfeier zu machen.
    Nunja. Es ist wie es ist...

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