Montag, 23. Mai 2016

Eine Putzfrau

Ich finde das immer wieder schade, dass Reinigungskräfte in unserem Land so ein schlechtes soziales Prestige haben. Gerade hier, wo es überall so sehr sauber ist. Das machen alles Menschen (und ja Maschinen, aber diese müssen ja auch bedient werden). Das passiert nicht einfach so von Zauberei...

Ich habe selber angefangen mit meiner Schwester im Jahre 1999 Treppenhäuser und Baustellen zu reinigen.
Das war angenehm, die meisten Leute sind froh, wenn sie sich darum nicht kümmern müssen.
Bei der Baustellenreinigung mussten wir fertig gebaute Wohnungen bezugsfertig säubern. Das war toll, leere Wohnungen beruhigen mich schon einmal sehr, wir waren alleine, konnten das Radio aufdrehen und dann die Farbspritzer an den Fenstern und  den vielen Staub von den Fließen und Böden wischen. Große Flächen sind auch einfacher zu reinigen, als der viele Kleinkram in bewohnten Wohnungen.
Trotzdem fing ich auch da an zu arbeiten. Neben meinem sozialen Hauptberuf.
Auch hier merkte ich die Dankbarkeit der Leute, dass "ihre Perle" jede Woche vorbei schaute und die Grunddinge erledigte.

Den Haushalt für andere Menschen zu machen, empfand ich nie als sonderlich schlimm. Die meisten Menschen bei denen ich war, waren eh recht ordentliche Leute, wahrscheinlich auch aus Scham haben sie mir nie einen sonderlichen Saustall überlassen.
Es ist kein extremer Dreck, hauptsächlich Staub und Kalk.
Eine Krankenschwester hat da bestimmt mit ekligeren Situationen zu tun.

Mich beruhigt die Arbeit, wenn wieder Ordung hergestellt wird und ich sehe es auch als Sportprogramm.

Es gibt auch ganz unterschiedliche Dinge: die eine Familie wollte das ich soviel als möglich mache, also auch Betten neu beziehen, den Müll wegbringen, Geschirrspüler ein/ausräumen, mal mit dem Hund eine Runde gehen usw. andere mögen nur die Flächen von Staub befreit haben und mal die Fenster wieder gereinigt, "aber das Bad müssen Sie nicht machen!"
Ist natürlich auch ok.

Ich fühle mich dabei wohl, ich sehe was gemacht werden muss, kann mich selbst stukturieren und einplanen, arbeite meist allein (sehr wichtig!) und arbeite sehr sauber, ja fast schon pingelig. Ich mag praktische Arbeit und wenn ich ein sichtbares Ergebnis habe, das freut mich.
Und doch muss ich mich immer wieder verteidigen (auch vor mir selbst), dass es eine genauso normale Arbeit ist, wie jede andere handwerkliche Arbeit auch.

Aber man hat kein hohes Ansehen...damit muss ich noch klar kommen.
Denn nur weil man putzen geht, heißt das noch lange nicht, dass man dumm ist.
Eine Lanze für die Reinigungskräfte bricht immer wieder Susanne Naumann, die vor kurzem bekannt wurde, als sie  S. Gabriel ein wenig auflaufen ließ.
Aber schon 2010 gab es einen interessanten Artikel über sie:
http://www.taz.de/!5139707/

Kommentare:

  1. Da fällt mir die Anekdote ein, als Guido Maria Kretschmer auch putzen ging und dann die Wohnung der Auftraggeber umdekoriert bzw. umgeräumt hat. Das fand ich süß. Würde mir bestimmt auch so ergehen, hihi. Allerdings waren seine Auftraggeber "not amused". Diese Banausen... *tz*.

    Das Erfolgserlebnis, dass dann Ordnung wiederhergestellt ist, kann ich total nachvollziehen.

    Liebe Grüße
    Britta

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  2. *lach* sehr schön, würd ich mich natürlich nie trauen sowas ;)))
    Obwohl mich in einer Wohnung das Thema ausmisten und Minimalismus SEhR juckt....da mal ausmisten und Freiraum schaffen...oghhhhh jaaaa ;)

    Wollt ja schon ewig was zu Deiner Absackcreme schreiben: da erfinden sie immer super tolle stylische Namen, aber bei der Absackcreme (kann man die eigentlich auch für neugebaute Häuser verwenden?) war wohl der Praktikant am Werl ;)
    LG

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  3. Habe das "taz" ding nicht verstanden, aber macht nichts ... Anyway, nachdem ich nach Canada immigrierte, habe ich 2 Jahre lang fuer Leute geputzt und glaichzeitig studiert, um wieder als Krankenschwester zu arbeiten ... viele nette Leute getroffen ... haben mir viel Englisch beigebracht und mich nie als ein Unterwesen behandelt ... Love, cat.

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    1. Schön, dass Du auch so eine Erfahrung gemacht hast ;)
      LG

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  4. Deine Worte und Einstellung zum putzen gefallen mir sehr. Ich habe meine Wohnung mein Leben lang selber gereinigt, und das hat mir Spass gemacht. Aus gesundheitlichen Gründen muss ich nun eine Putzfrau ertragen, obwohl ich doch lieber alles selber machen möchte. Jedes Buch, jede CD, alles hat seinen festen Platz. Und ich habe jedesmal Angst, das meine *Perle* alles durcheinander bringt. Schliesslich ist es mein privates und intimes Leben. Ich freue mich wenn alles wieder sauber ist, doch meine Ängstlichkeit bleibt, als ob etwas intimes verloren ginge.
    Liebe Grüsse

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    1. Oh Nada das verstehe ich sehr gut und kann mich da auch immer gut in die Leute einfühlen, deswegen bin ich da auch sehr bedacht, nix durcheinander zu bringen. Ich hab ja auch Probleme, wenn jemand in meiner Wohnung ist, ist einfach mein Schutzraum.
      Wünsche Dir, dass Du jemand achtsamen und lieben der Dir hilft gefunden hast.
      LG

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  5. Der taz Artikel ist sehr tiefgründig. Danke fürs Teilen. Ich finde auch, dass so grundlegende und wichtige Arbeiten zu wenig gewürdigt werden. Während einiger Jahre habe ich mir auch ein Zubrot mit Putzen verdient. Zweimal hab ich auch Haushaltsmüll für eine Studie sortiert, das würde ich sofort wieder machen, das war wie Archäologie ..

    Liebe Grüsse und es freut mich, dass du deine Arbeit gerne machst. .

    Anne

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  6. Wow Respekt, Haushaltsmüll studieren, da gehört auch einiges dazu!;)

    Schönes Wochenende Dir!

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