Freitag, 6. Mai 2016

Das Kind, das Böse und ein Engel

Das Kind:

In der letzten Therastunde machte ich meine extreme Unsicherheit/Panik bezgl. einen fremden Ort finden und das erstmalige arbeiten bei der fremden Frau zum Thema.
Denn beides habe ich mit Bravour geschafft, die vielen unzähligen Treffpunkte die ich in meinem Leben schon fand (zu 90% auch noch pünktlich!) sei es wegen eines Jobs, Wohnung, Blind-date, etwas abholen usw. genauso wie meine ordentliche Arbeitsweise und das  immer zur größten Zufriedenheit der Arbeitgeber scheinen in mir keine Sicherheit/Selbstvertrauen zu festigen.

Ich dachte, dass ich da nie rauskomme. Wenn selbst soviele positiven Erfahrungen das nicht ändern, was sonst?
Meine Therapeutin half mir da (wie sooft heraus) indem sie meinen Blickwinkel änderte:
Diese uralten Ängste (ala ich finde das nicht, ich werde mich verfahren, es passiert was ganz schlimmes, der Chef ist nicht mit mir zufrieden, ich werde negativ beurteilt usw...sind KINDHEITSÄNGSTE.
Als Kind musste ich selbst viel managen, meine ganze Kindheit war geprägt von Unsicherheit/Ungeborgenheit, ich musste auf Papa und Mama schauen: schaffen die das, kann mich wer abholen (oder nicht, was unzählige Male passierte), hat er genug Geld dabei, Mama trinkt wird komisch und hat nur Augen für ihren männlichen Sitznachbarn ich bleib mal lieber in ihrer Nähe kommen wir auch wieder gut daheim an wann und wie?

Ich war jahrelang restlos überfordert.
Und diese Überforderungsgefühle kommen in ähnlichen Situationen jetzt wieder. PLOPP sind sie da. Ich BIN dann wieder Kind und sehe nicht, dass ich mir heute selbst helfen kann, dass mein überleben nicht mehr von Papa und Mama abhängt.
Also nehme ich mein Kind an die Hand und sage: "Du ich mach das schon, ich weiß wie wir fahren müssen und wenn wir falsch umsteigen ist das auch nicht schlimm, dann fahren wir einen Umweg und kommen vielleicht etwas später an, das passiert mal...Du darfst dir die Landschaft anschauen, träumen oder Musik hören, ich passe auf uns auf!"
Da entspannt sich gleich alles in einem, oder?
Es geht also, wie sooft bei mir, darum den Erwachsenenteil zu stärken :)

Das Böse:

Nachdem ich also meinen Mobil-Anbieter erfolgreich gewechselt habe, erkundigte ich mich bei meinem Festnetzanbieter, ob es denn derzeit für meinen Internetanschluß mit Flat einen besseren Tarif gäbe. Nein gibt es nicht. Nein ich kann auch nicht zu einem anderen ohne Telefonflat wechseln (??!!?). Aha. Da war für mich klar: Auch wechseln, denn das ist mir zu teuer, da ich die Telefonflat nicht mehr brauche. Nochmal angerufen: bis wann kann ich kündigen? Bis September. Ok. Warum ich dies wolle? Zu teuer. Aha. Tschüß. Tschüß.
Am nächsten Tag ging kein Internet mehr. Aha.
Ein Schelm wer hier böses denkt. Dacht ich mir. Und rief an. Dort kam vor dem Auswahlmenü die automatische Ansage, dass es eine Störung gäbe, die Techniker arbeiten dran. Aha. Doch kein schnelles Tschüß.

Ein Engel:

Ich schiebe mein Rad aus dem Keller und sehe kurz über dem Lichtschalter eine richtig fette schwarze große Spinne hocken. UAHH! Ganz schlimm!!
Ich radel zur Bank und zurück und überlege fieberhaft ob ich mein Rad dann nicht woanders unterstelle, bis der Hausmeister am Montag seinen Großputz gemacht hat.
Dann denke ich mir: ach was, das sind auch kindliche Ängste, die Erwachsene sagt: das kleine Viech, hässlich und gruselig, aber tut mir ja nix.
Das fühlt sich frei und gut an. Also fahre ich in die Tiefgarage. Mir kommt der Hausmeister entgegen und natürlich frage ich ihn, ob er das Viech wegmachen kann. Er ist ein kerniger, 1,90. großer Naturbursche, Mitte 40. Ich war mir sicher, dass jetzt ein Spruch kommt ala: ach das kleine Tier, die machen doch nichts, sind nützlich....stattdessen kommt:
UAHH sagt er mit verzerrtem Gesicht, ich hasse die Viecher...aber Job ist Job...und so gruseln wir uns beide auf dem Weg in den Keller und erzählen uns warum wir so Schiß vor den Viechern haben.
In Teamwork, ich halte die Tür auf, er zerquetscht mit dem Besen das Tierchen schaffen wir die Meisterleistung, schütteln uns, lachen und gehen wieder unserer Wege....

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