Donnerstag, 21. April 2016

Bewältigungsstrategien

Heute also ein für mich wichtiger Termin beim psychosozialen Dienst.
Aufregung bei der Hinfahrt, weil ich diese Strecke so noch nie gefahren bin. Also alles akribisch aufgeschrieben: Ankunft, Abfahrt, wo genau umsteigen, welcher Bus, alles 3x gecheckt.
Perfektionismus ist alles <ironie-off>.

Währenddessen: Gedanken: "warum tu ich mir den Streß an? Bleib doch daheim, oder radel, wieso willste dich wieder in die Maschinerie begeben, dich anderen Menschen ausliefern, bleib lieber frei, dann kannste tun und lassen was du willst..."

Trotz der Gedanken steige ich in den Bus. Ich nenne das jetzt *der innere E.T.* wenn solche Gedanken auftauchen...nach hause....
Is ja nicht so, dass ich seit meinem 12. Lebensjahr mehr oder weniger für mich allein verantwortlich bin, inkl. Bus/Zugfahrten alleine fahren, einkaufen und für die Schule alles wichtiges zusammenhalten und organisieren, aber irgendwie kommt diese Sicherheit "ich kann das schon" nicht in meinem Innersten an. Verheerende Zerstörung....schrecklich.

Nicht gerade zur Beruhig beitragen tut die Sirene in zwei Dörfer, kurz darauf viele Privat-PKW mit Schild aufm Dach IM EINSATZ, kurz darauf viele monströse Einsatzfahrzeuge mit lautem Tatü überall...schreckliche Bilder in meinem Kopf, der Konvoi fährt auf die Autobahn...oh Gott...keine innere Abgrenzung.

Endlich im Bus, schnell irgendeinen freien Platz suchen, egal wo. Ich pflanze mich neben einen schwarzen Mann.
Aus der Nebenreihe werde ich entsetzt angestarrt.
Ewig lang.
Immer wieder.
Warum sag ich nicht mal was? Wie: Ej aufwachen, Apartheid ist vorbei, oder: was? Hab ich ne grüne Nase oder was?
Kurz darauf komm ich mit dem Schwarzen ins Gespräch. Er hat seine Haltestelle verpennt und wir schauen was er nun am besten macht, da er nur ein einfaches Tastenhandy hat, schau ich aufm Smartphone die nächste Verbindung. Alles auf englisch. Der Mann muss seinen Chef nicht anrufen, er wird pünktlich sein. Allerdings mit einer halben Oberbayernreise. Aber egal. Wir lachen viel. Ein sympathischer Kerl.

Er war mein heutiger Engel, weil er mich abgelenkt hat von meiner Panik, weil er mir zeigte, dass die Welt nicht untergeht, wenn man einen Fehler macht (verschlafen), dass mein Englisch doch relativ gut ist (und das auch noch in einer totalen Belastungssituation), weil er einfach ein Netter war, so offen und freundlich, nicht so holzig, steif, gestellt, wie man das so im Münchner Umfeld leider immer mehr erlebt.

Ja und dann war da der Termin...es wurde mir vieles klar, ich muss noch etwas drüber nachdenken, aber es tat gut, ich war danach sehr tiefenentspannt und beruhigt.

Jetzt aber mach ich mir einen schönen Nachmittag mit Kuschelmann. Nach ewigen Zeiten mal wieder.
Und außerdem genieße und freue ich mich total über das sagenhafte Frühlingswetter...
Hurray ;-)

Kommentare:

  1. Nett zu lesen deine liebenswerten Erlebnisse. Ich antworte zwar kaum, lasse mir aber kaum eine von deinen Geschichten entgehen.

    Herzliche Grüsse aus der Schweiz nach Bayern,
    Nada

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  2. Danke Nada, das freut mich!
    Liebe Grüße auch zu Dir :-)

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