Montag, 1. Februar 2016

Die Kunst des Scheiterns

Nun das Wochenende verlief nicht so wie ich mir das vorgestellt hatte, aber ich finde ich habe das Beste draus gemacht und das wiederum freut mich. Das ich flexibel mit Hindernissen umgehen konnte.

Zuallererst: Meine Magenschmerzen kamen wohl von der Aufregung/unbewußten Panik vor eben diesem Wochenende. Ich fühle mich ja seit das mit D. und T. passierte, ziemlich getriggert. Und ein getriggertes/gestresstes Gehirn kann nicht klar denken und braucht schon gar nicht noch mehr neue Reize, weil es eh schon in der Reizüberflutung festhängt. Ein kleiner Überblick warum und wieso das ist, steht hier: Trauma und Gehirn:
http://www.aufrecht.net/utu/trauma.html

Angesagt war ein Langlaufkurs an 2 Tagen, plus 2 Nächte in verschiedenen Hotels. Ich hatte damals extra nachgefragt, ob man auch klassisch langlaufen lernen kann, weil ausgeschrieben war er als Skating(also Schlittschuhschritt) bzw. Biathlonkurs, und schießen will ich nie in meinem Leben, außer es rettet mein Leben, aber aus Spaß? Never.

Es war dann aber so, dass NUR Skatingtechnik beigebracht wurde und ich ahnte schon (deswegen meine Nachfrage) dass mir das zu anstregend sein wird. Noch dazu fand es in einem Zentrum statt, wo die Profis trainieren und ihre Wettkämpfe ausüben, heißt: ziemliche Steigungen/Gefälle.
Selbst M. mit dem ich fuhr und der sehr sportlich ist, hatte mit diesen Anstrengungen sehr zu kämpfen.

Der Gau kam: In einer Gruppe was Neues lernen, jeder schaut dem anderen zu, streßt mich schonmal (hatte ich irgendwie verdrängt). Ich hatte das Gefühl, dass alle schon mal auf Skiern standen, sei es alpin oder Langlauf (klassisch), ich hatte mit den ewig langen Brettern zu kämpfen. Es sah zwar bei fast allen etwas holprig aus, aber sie kamen gut vorwärts, während ich irgendwie rumhampelte, kaum vom Fleck kam und immer frustrierter wurde.
Dadurch dass ich nochmals ein wenig getriggert wurde, kam eine extreme Anspannung hinzu, die meine Muskeln dermaßen verkrampfen ließen, dass nix mehr ging, geschweige denn, dass ich mich konzentrieren konnte: Gewicht verlagern, Ski ausfahren, anderen Ski aufkanten, abstoßen, Stockeinsatz nicht vergessen! Puh.

Es war gerade mal 1 Stunde vergangen, noch 3 lagen vor uns und am nächsten Tag nochmal 4. Scheißescheißescheiße, was tun.
Erstmal ins Auto. Pause. Weinen. Was trinken. Hinsetzen. Überlegen.
Ich ging zurück und bestand (wenn auch mit zittriger Stimme) auf Langlaufski (sind andere, als beim Skating) und dass ich klassisch laufe. Alles kein Problem, erstmal war ich glücklich. Dann wurde mir klar: Ich bin die einzige die so läuft, die Aufmerksamkeit war mir sehr unangenehm.
Wieder nach einer Stunde stand ich also am Rand, war fertig mit meiner Kraft und den Nerven. Außerdem gab es in der Ebene nur eine Miniloipe so dass es auch langweilig war.
Blöderweise war ich dann so gelähmt, wie paralysiert, dass ich vollkommen handlungsunfähig war und nichts machen konnte. Nichtmal zum Kiosk gehen und mir einen Kaffe gönnen oder so. Mir fiel nichts mehr ein. Mein Gehirn war im Ausnahmezustand. Ich stand stocksteif da und wartete.

Irgendwann waren die endlich auch mal fertig und wir konnten ins Hotel. M. wollte zum schwimmen, ich musste alleine sein. Und so tat jeder immer das was ihm gut tat. Wir sprachen uns ab, machten Treffpunkt und Zeit aus und gut wars.
Ich fand eine Kirche, saß drin, fühlte die angenehme Energie des Gebäudes, durchstreifte den Ort, sortierte meine Gefühle und musste mich sehr anstrengend mich nicht total abzuwerten.
Mir wurde auch klar, nochmal quäl und blamiere ich mich dort nicht. Ich gehe da nicht mehr hin. Dies besprachen wir abends, dass M. natürlich nochmal hingehen kann, das wollte ich auf gar keinen Fall, dass er wegen mir das absagt, er hatte riesen Spaß dabei.
Also ging ich wandern, durch den tief verschneiten Wald, völlige Stille und wunderbare Luft, besuchte eine Kunstaustelllung und saß dann in der "Schmugglerhütte" beim Kaffe wo wir uns wieder trafen. Das war grandios. Traf genau meine Vorstellungen und inspirierte mich auch endlich mal wieder künstlerisch tätig zu werden, weil der Flow in den ich komme, für mich immer wieder heilsam-entspannend ist. Zu lange ließ ich das brach liegen.

Genossen habe ich:
das nicht kochen müssen,
sehr leckeres Essen,
ein sehr schönes Hotelzimmer (das andere war schrecklich),
den Schnee,
das viele lachen mit M. sein Verständnis und Unkompliziertheit und dass er für die Fahrt zuständig war, ich konnte noch nichtmal sagen wie wir fahren müssen, also durfte ich mich einfach zurücklehnen und üben mal nicht alles in der Hand zu haben, er fuhr auch sehr angenehm,
die Glaskunst war traumhaft, ich gönnte mir einen Fester/Wandschmuck und eine Kette davon,
die Glashütte bei der wir zusehen durfte, wie so Glaskugeln gebrannt und geformt werden,
die gesunde Gesichtsfarbe die ich nun habe, da wir einen Tag auf über 1000m nur in der Sonne verbrachten und auch sonst ja viel draußen waren, das kleine aber urgemütliche "Cafe am Birnbaum",
den Tag als wir beide beim schwimmen waren,
die sympathische Frau im Laden mit Hund mit der ich mich so angenehm unterhalten habe,
die halbe Stunde in der ich das langlaufen genoßen habe, weil es schön ist so dahinzugleiten (hätte es in der Ebene eine Loipe gegeben, wäre ich länger gefahren, aber die Auf-Abfahrten traute ich mir nicht zu),
das Wissen: wenn ich so getriggert bin, dass die sozialphobischen Tendenzen wieder auftauchen und ich jetzt damit umgehen kann (ruhige Ecke beim Essen, Beruhigungsmittel erlauben, Bauchatmung und sich vorstellen, dass mich NICHT jeder durch eine Lupe beobachtet...ect.)

Es war gut, wie es war.
Und irgendwann hole ich den klassischen Langlaufkurs woanders nach.

Heute aber erstmal wieder bei mir ankommen, mich lassen, viel schlafen und dann endlich wieder mein Bastelzeug auspacken.

Ganz allein durch die Waldesstille, später schneite es noch dazu ;)



Wo waren wir überhaupt? Hier:


Musste einfach mit. Für mein Balkonfenster:

Nicht zu vergessen:

Total verliebt in diese Glaskunst:


Diese Kette musste auch mit:


Im Ganzen:


Ausblick aus dem einen Hotelzimmer:


Abends beim Essen neben einem großen Kaminfeuer:


In einer großen urigen Holzblockhütte Latte Macchiato genießen, während draußen der Schnee fällt:


Riesengroße Wunderlampe aus Keramik. Ist ein Wasserspiel und stand auch schon in München im alten Botanischen Garten

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