Samstag, 9. Januar 2016

Noch ein Tabu

Noch ein Tabu, das ich vor genau 4 Jahren gebrochen habe heißt:
Den Kontakt zu den Eltern bricht man nicht ab.
Die Familie ist heilig, die Mutter immer lieb und natürlich hat es auch der Vater immer nur gut gemeint und alle gaben sowieso nur ihr Bestes. Sie wußten es nicht besser.
Ist klar.

Ich frage mich, warum das Gebot "Du sollst Vater und Mutter ehren!" heißt und wieso eigentlich der Vater an erster Stelle steht und warum es nicht allgemein heißt: Du sollst achtsam mit Deinen Mitmenschen umgehen!?
Dann wären (vielleicht) auch die Kinder mehr geschützter?

Über 30 Jahre war ich den Traumatisierungen durch nahe Bezugspersonen ausgesetzt. Hauptsächlich psychische Gewalt (die umso perfider ist, weil man sie nicht sofort erkennt, vor allem nicht als Kind, das ja nichts anderes kennt und das für die Normalität hält), aber auch Vernachlässigung unterschiedlichster Art.
Der Kontaktabbruch war wie eine Befreiung. Ich hatte wieder Kraft, das Gefühl frei atmen zu können, fühlte mich frei und glücklich! Konnte 2 Monate später fast leicht das rauchen sein lassen (nach 17 Jahren...endlich..).

Die massenhaften Übergriffe in Köln sind entsetzlich. Ich schließe mich aber Luisa Francia an (http://www.salamandra.de/tagebuch/start.php
und frage, warum wurde da nichts gefilmt, fotografiert ect. Wurde nicht doch alles inszeniert?
Darauf will ich aber gar nicht so sehr darauf eingehen, sondern auf die häusliche Gewalt aufmerksam machen. Jede 4(!) Frau kennt Gewalt in der eigenen Wohnung.

Letztens sah ich einen Film "Die Ungehorsame" (https://www.youtube.com/watch?v=pggT01UkSpI  der die Thematik und den Kreislauf der Gewalt sehr anschaulich zeigt. Dazu gibt es auch eine Doku ( http://www.sat1.de/sat-1-doku/video/verdammt-verliebt-mein-ausweg-aus-der-ehehoelle-ganze-folge .
Normalerweise vermeide ich solche Filme, weil es mich zu sehr triggert, aber da ich die Schauspieler schon in vielen anderen Filmen sah, wußte ich dass es nur ein Film und alles gespielt ist (teilweise musste ich schon schnaufen, weil mir vieles sehr bekannt ist, andererseits auch bitter auflachen über seine Sätze, die auch ich zur Genüge kenne... ).
Das meinte mein Verstand. Ein emotionaler Teil dreht seitdem ziemlich durch, weil es zu den "Freundschafts"-abbrüchen noch die Krone aufsetzt.
Zu erkennen, dass man wieder in denselben schädigenden Beziehungen verstrickt war, schmerzt, macht wütend und traurig.
Anscheinend finde ich nur Menschen toll, die genauso mies drauf sind, wie meine Ursprungsfamilie.
Dazu kam ja noch Post von meiner Mutter (die letzten 2 Jahre hielt sie sich daran, dass ich nichts von ihr hören will) mit dieser vermaledeiten Weihnachtskarte und den 10,- Beigabe zu der sie schrieb, dass dies keine Bestechung sein sollte, sondern damit ich meiner Seele was gutes tun könne.
Ein blanker Hohn, wenn das von genau der Frau kommt, die den größten Schaden an meiner Seele angerichtet hat!

Oft kam ich in letzter Zeit ins wanken: was wenn meine Eltern sterben (über meine 3 Jahre ältere Schwester mache ich mir da gar keine Gedanken), soll ich sie nicht doch mal besuchen...?
Nach der Weihnachtspost ist mir aber klar: Weiterhin größtmöglichen Abstand halten. Solange sie nicht die Verantwortung übernimmt, für das was sie getan hat (die Wahrscheinlichkeit dazu tendiert gegen null, weil Menschen mit einer narzisstischen Störung selten ein Einsehen haben).
Solange sie einen auf Mitleid macht, wird sie mich weder sehen, noch hören, noch von mir lesen. Auch nicht am Kranken/Sterbebett, da erst recht nicht.
Nein, es geht nicht um einige Erziehungsfehler, die leicht zu verkraften und zu verzeihen wären, es geht um eine hochgradige Gestörtheit. Für das sie sehr wohl was können.
Das es auch anders geht, zeigte nämlich meine Tante. Schwester meiner Mutter. Die nicht all ihre Verfehlungen und Mißbräuche auf wiederum ihre mißbrauchenden, ausbeutenden Eltern schob, sondern Verantwortung übernahm, sich auf die Hinterbeine stellte und 2 wunderbare Kinder großzog, die heute in langjährigen Beziehungen und Arbeitsstellen sind, sowie gesund sind und wiederum Verantwortung für sich und teilweise für ihre Kinder übernehmen können.
Mit dieser Cousine habe ich sehr gern Kontakt. Sie wurde nicht so deformiert, hält ebenso Abstand zu den gestörten Leuten in unserer Familie und als sie mich an Weihnachten als einzigste aus unserer Familie (neben ihren Eltern, Bruder) auf ihre Hochzeit einlud, war ich sehr erfreut!

Ansonsten hänge ich jetzt in der Spirale fest, wo ich mir all die Verletzungen, Demütigungen und die Szenen des allein gelassen werdens vor Augen führe. Wie ein Zwang. All die destruktiven Beziehugen zu den Eltern, zu Partnern und Freunden, egal ob männlich oder weiblich.
Es macht auch ein wenig hoffnungslos.
Gestern las ich kurz in einem Forum in dem es um den Kontaktabbruch zur Familie ging und las:

Wer einmal dem narzistischen und infantilen Familienclan entronnen ist, halbwegs gesundet ist, wird sich genau anschauen, mit wem er sich in Zukunft intensiv einlässt. Das hat nichts mit Bindungsangst zu tun, sondern eher damit, dass es zu wenige halbwegs psychisch gesunde und liebenswerte Menschen gibt.

Deswegen werde ich mich jetzt weiter mit meiner Gesundung beschäftigen. Denn schon die ganze schlaflose, mit Herzrasen und Magenschmerzen verbrachte Nacht sehe ich den Satz vor mir: Das beste was du tun kannst, ist, gut mit dir selber umzugehen.
Oder wie es die eine Frau in der Doku sagte: Sie haben es nicht geschafft mich kaputt zu kriegen!
Im übrigen ist die Doku am Schluß sehenswert, in der ein kleines Experiment mit Kindern gemacht wurde!

Kommentare:

  1. Dazu kann ich Dir folgendes Buch empfehlen:

    Entwicklungstrauma heilen (Alte Überlebensstrategien lösen, Selbstregulierung und Beziehungsfähigkeit stärken) von Laurence Heller/Aline Lapierre
    Kösel Verlag; ISBN 978-3-466-30922-1

    Gib mal in das Suchfeld ein:"entwicklungstrauma heilen",- an Nr. eins kommt eine pdf-Datei mit einem Ausschnitt aus dem Buch.
    Meine Glück war, mit dreizehn in ein Internat abgeschoben worden zu sein ... Sonst wäre ich nicht so "glimpflich" davon gekommen (O-Ton mein Therapeuth).

    Lass den Kopf hängen, aber nie zu lange! ;-)

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  2. Hej,
    da fällt mir noch etwas ein... bevor man seinen Vater und seine Mutter ehren kann, MÜSSEN die erst mal ihre Kinder ehren und als Geschenk des Lebens achten.

    Daraus nämlich resultiert das Achten und Ehren der später erwachsenen Kinder für ihre Eltern. Wie sollten sie lernen? Emotionales Lernen hat mit Gefühlen zu tun, nicht Verstand. Jeder weiß, dass etwas erst ins Herz gelangen muss, um sich zu er-füllen. Der Verstand reicht nicht.

    Wie jeder Einzelne damit umgehen mag ist die eigene Angelegenheit. Aber vielleicht ist der Gedanke eine Hilfe nicht in die Falle von emotionaler Erpressung/Abhängigkeit zu tappen. Annäherungen dann bestenfalls als neutral werten und nicht zu nahe kommen lassen. Das ist MEINE Meinung.

    Grüße
    Beate

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    1. Ja hab darin ja schon etwas Übung und ich werd mir 3x überlegen wem ich meine Nr. gebe (da damals ja alles geändert) und weiterhin nur zu meinem Vater über Post Kontakt. Da aber auch nur sehr oberflächlich, sonst gibts wieder zuviele Angrisspunkte.
      LG

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