Dienstag, 26. Januar 2016

Der Doc und die Family

Ich fühlte mich immer unwohler. Auch das Zeug aus der Apo hatte nur sehr kurzfristige Wirkung. Ich hatte das Gefühl, dass selbst ein Schluck Wasser schon zuviel ist und irgendwo in der Speiseröhre hängen bleibt, weil der Magen so voll ist. Ich hatte das Gefühl im Magen tut sich gar nix mehr und da liegt jetzt altes Essen rum.
Kein Wunder, dass ich mich äußerst unwohl fühle.

Also zum Doc. Ausnahmsweise mal ein Zwischentermin. Machen die ungern, aber die innerliche Einstellung, dass das ein fast-schon-Notfall ist half wohl.
Ja sagt der, da rührt sich tatsächlich nicht mehr viel.
Außer dass alles munter vor sich hingärt und ich mich über den Blähbauch nicht wundern brauche. Ne war mir schon vorher klar.

Zum Glück nahm mich der Doc auch ernst. Kein übliches: Mehr Bewegung, mehr trinken, blablupp. Sondern: Ne da muss jetzt was passieren. Auch dass sonst Abführmittel nullkommanix Wirkung bei mir zeigen hat ihn mehr als stutzig gemacht. Klar müsste man da mal Magen/Darmspiegelung machen, ich weiß. Ich hab aber eine andere Vermutung, die ich nicht zur Sprache brachte, sondern erstmal selbst teste. Ich weiß warum ich das tue. Genug Erfahrung mit Ärtzten.

Also die erste Pille genommen und wenn es keine Einbildung ist, löst sich tatsächlich gaaaanz langsam mal der fiese Stein in meinem Bauch.
Hoffe, dass sich das zum Wochenende wesentlich bessert, ich will nämlich wegfahren.

Und wenn man, wie gestern, schon von Honks umgeben ist, paßt es ganz gut, dass sich Family auch mal wieder meldet. Ein Aufwasch sozusagen.
Inzwischen ist ja unsere kaputte Familie soweit, dass so gut wie keiner mehr mit irgendjemand zu tun hat. Vor kurzem sagte also auch meine Schwester zu meinen Eltern: ihr könnt mich mal.
Sie macht das sehr böse, obszön, verallgemeinernd usw. Irgendwann vor vielen vielen Jahren war ich wahrscheinlich auch mal so, aus lauter Wut und Schmerz.
Aber das interessiert mich auch gar nicht, ich beobachte aus der Ferne gelassen.
Mein Vater schrieb mir heute also, was da grad so bei denen abgeht. Im Groben. Mehr will ich auch gar nicht wissen. Und dann kam ich doch noch ins Spiel. Wär es nicht so traurig, wär es ein Wahnsinnsbrüller.
Zitat: "Luzia hat wohl das Einzig richtige getan - muss ich jetzt erkennen. Bevor sie von Euch so verletzt wird - hat sie lieber Euch weh getan, rechtzeitig."
Das zeigt, das keiner in meiner Familie (also die engsten Mitglieder, meine Tante und Cousine verstehen mich sehr wohl) wirklich versteht, warum ich den Kontakt zu meiner Mutter und meiner Schwester vollständig und zu meinem Vater zum Teil abgebrochen habe.
Natürlich war es andersherum, ich wurde von denen so sehr und ständig verletzt, dass ich gehen musste, um ein wenig Seelenhaut zu retten.
Die Intention dass ich meine Eltern verletzen wollte, stimmt nicht, darum ging es nicht. Sondern einzig um mein Überleben.

Und wieder fällt mir der Satz ein, den ich im Zusammenhang mit Kontaktabbruch zur Familie, mal von einer Psychologin gelesen habe:
Kinder die ihre Eltern verlassen, wurden schon viel früher von eben diesen verlassen.

Ohmeiomei, is das ein Sauhaufen.

Kommentare:

  1. Liebe Luzia,
    Du hattest sehr wohl recht, so zu handeln und Alles , was Du bisher für Dich getan hast (das ist ist meinen Augen wirklch viel!!!) hast Du GUT gemacht. Und dafür bewundere ich Dich. Der Satz der Psychologin stimmt und "Kinder" wie Du und ich haben, wie alle das Recht auf Selbstbestimmung. OHN-Macht war gestern. Oft geht es nur in kleinen Schritten vorwärts, manchmal gibts Rückschritte, aber was soll es, wenn man ERKANNT hat.

    Ich wünsche Dir gute Besserung
    B.

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  2. Danke Beate, das bezweifle ich schon lange nicht mehr, ob das richtig war oder nicht..was manchmal noch um die Ecke schleicht ist das zuviele Verantwortung übernehmen (z.B. mein Vater war Weihnachten alleine!! Ohje und der arme ect..) aber auch das wird schneller besser.
    Das mir der Abstand sehr gut tut, merk ich immer wenn die mir wie jetzt zu nahe kommen. Gruselig. Achterbahn fahren. Schlafstörung ect.
    Ja vor allem hat jeder das Recht von Menschen wegzugehen die sich scheiße zu einem verhalten.
    Darf ich fragen, hast Du den Kontakt zu Deiner Familie gekappt? Und wann?
    So und jetzt: es mir gut gehn lassen ;)
    Viele Grüße in den Norden!

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    1. Liebe Luzia,
      ich habe nie den Kontakt abgebrochen, aber ab und zu unterbrochen! Mein Vater ist mit knapp 64 Jahren gestorben, was mich nicht mehr wundert. Meine Mutter ist heute 87 und hat die volle Palette der emo-Erpressung drauf, einschließlich Selbstmorddrohung.
      Nein, das zieht nicht mehr. Das ist mir allerdings erst seit ganz wenigen Jahren möglich. Der Kontakt besteht immer noch, war in all den Jahren mal besser mal schlechter, aber nie ganz gekappt. Mit der Zeit habe ich gelernt, dass ich meine Bedürfnisse achte und wenn sie etwas will, aber ich nicht, dann sage ich ihr das auch. Kräftemäßig über die eigenen Verhältnisse leben kommt demnach überhaupt nicht in Frage. So war das im Großen und Ganzen bei mir!
      Das heißt nicht, dass ein vollkommener Kontaktabbruch bei Dir nicht völlig richtig sein kann.

      Liebe Grüße in die Landeshauptstadt ;-)
      Beate

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    2. Danke liebe Beate für Deine Offenheit.
      Ganz große Klasse, dass Du das schaffst! Das ist wahrlich nicht leicht.
      Aber man sollte sich das wirklich wert sein.
      So handhabe ich das auch mit meinem Vater (mit Einknicken natürlich hin und wieder:-)) aber es bleibt dabei, Kontakt nur oberflächlich und nur über Post.
      Alles Gute!

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  3. Awesome blog, Luzia ... vom Herzen gesprochen, aber doch immer noch respectvoll ... Love, cat.

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