Dienstag, 10. November 2015

Blinde Wut

Der Fernsehfilm des ZDF ist mehr als sehenswert:

http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/2588066/Silvia-S.---Blinde-Wut#/beitrag/video/2588066/Silvia-S.---Blinde-Wut

Da wäre die Schauspielerin Maria Simon, die ich sehr sympathisch finde und die unglaublich gut spielt, egal in welcher Rolle.

Ich hab mich darin sooft wieder erkannt. Zum einen die Großmutter, immer mit Sticheleien zur Hand, immer Abwertungen aber schön subtil, nie macht man etwas gut genug, andere sind immer besser.
Auch wie sie zu ihrem Schwiegersohn meint, dass man sie (also die Tochter) lassen solle, ihr jetzt nicht helfen, weil sie sonst immer so weiter macht (und das in einer Phase in der es der Frau ganz offensichtlich extrem schlecht ging), erinnert mich an meine eigene Familie, die mich in den schlimmsten Zeiten immer abschob: kriegt sich schon wieder ein, bockt halt rum, wird schon wieder. Keine Hand. Keine Hilfe. Keine Zuwendung. Und das nicht als Erwachsene, sondern alleingelassen als Kind.

Dann aber auch die Mutter selbst, die nur noch alles richtig machen will und vor allem einfach geliebt werden will, vor allem von ihrer Tochter und diese fast dazu zwingt. Auch meine Mutter merkte nicht, wie unpassend und hohl ihre angeblichen Liebesbekundungen waren (meist im Suff). Und es eigentlich dauernd nur um sie ging.
Erstaunlich wie das Filmkind auch mal schroff reagiert, ihre Mutter wegstößt und ihre Meinung sagt. DAS hab ich mich nie getraut. Dafür war ich schon zu gut konditioniert.
Die Tochter an sich, als Persönlichkeit zählt nicht, sondern nur als Objekt das die Mutter endlich lieben soll, damit diese ihre Leere/Einsamkeit/Angst nicht mehr spüren muss.
Das ist narzisstischer/emotionaler Missbrauch.
Eine gute Zusammenfassung von dem Film gibt es hier:
http://www.main-echo.de/ueberregional/kultur/art7133,3864242

 Jedenfalls wenn man in einem narzisstischen mißbrauchenden Umfeld aufwächst, wird man (logisch wie ich finde) coabhängig: Wenn ich nur alles richtig mache, mich so verhalte wie es dem anderen gefällt, dann endlich werd ich richtig gesehen, ich als Mensch, als Tochter von ihr.
Doch egal wie man sich verhält, der ersehnte Blick mit dem Glanz in den Augen kommt nie. Weil bedinungslose Liebe zwischen Kind und Eltern heißt: ich liebe dich. Einfach weil du mein Kind bist. Das schafft Identität.
Aber egozentrische Eltern können das nicht (ein sehr gutes Buch: Kinder egozentrischer Eltern von Nina Brown)

Erschreckenderweise findet man später immer wieder solche Menschen in seinem Umfeld, die einen genauso wieder mißbrauchen. Diese Menschen fühlen sich von der Aufmerksamkeit und Hingabe des Coabhängigen wohl, sie werden genährt, ihre Leere gestillt. Energievampire.
Da heißt es Vorsicht, nicht in die Falle tappen.
Meine Beobachtung: Wenn man immer von Narzissten umgeben war, wird man coabhängig, wenn man diese Coabhängigkeit heilt und wieder mehr auf sich selbst schaut, heraus findet was man will und möchte, seine Gefühle achtet, tappen viele in die nächste Falle (wie ich leider feststellen musste): dass sie auch hier wieder übertreiben, ins andere Extrem rutschen und NUR NOCH sich und ihre Gefühlswelt, ihre Befindlichkeit, ihr Wollen sehen. Sich selbst extrem wichtig nehmen und sich alle anderen unterordnen müssen.
Man wird extrem sensibel, hat keine Frustationstoleranz, kann nichts mehr aushalten, erwartet, dass andere ständig Rücksicht auf ihn nehmen und spürt selbst die Erbse unter 7 Matratzen. Sein Fokus ist so sehr auf sich selbst gerichtet, dass er jeden Lufthauch, jedes kratzen, jede Unverträglichkeit, jeden Ton übergroß registriert.
Man ist hochsensibel.
Es kann aber auch Hochkränkbarkeit genannt werden, wie dies Achim Zinke tat:
http://www.comere.de/pdf/eingebildet_hochsensibel.pdf

 http://www.ideenlese.de/2014/07/gentest-fuer-hochsensible-narzisstische-persoenlichkeitsstoerung/

Ich möchte nicht behaupten, dass das immer und bei jedem so ist.
Ich finde das nur sehr interessante Überlegungen.
Und keine Frage, ich fass mich da mal selber an die Nase und schau wie das so bei mir ist.
Die Frage war eigentlich zu anfangs:
Wenn ich ständig von Narzissten umgeben bin, entsteht auch in mir eine Leere, eine narzisstische Wunde,  weil ich nie wirklich gesehen, unterstützt, geliebt, werde. Also zumindest nie um meiner selbst willen, nur wenn es dem anderen nützt/gut tut.
Damit ich selber also auch mal zu irgendeinem Kuchenkrümel komme, muss ich dann nicht auch narzisstisch werden, damit ich wenigstens etwas abbekomme?
Kann man diese Familienspirale durchbrechen, wenn ja wie?

Da narzisstischer Missbrauch immer noch zu unbekannt ist
und man endlich auch öfter mal hören sollte, dass es nicht nur die bösen Väter, sondern auch böse Mütter gibt (diese Vorstellung ist noch zu selten in den Köpfen, eine Mutter liebt doch ihre Kinder!!) hier nochmal eine sehr gute Seite:
http://www.narzissmus.org/heilen.php

Kommentare:

  1. Wie wahr, wie wahr, liebe Regenfrau. Das Schlimme ist, Narzißmus wird "brav" von einer Generation an die nächste weitergegeben, außer Jemand hat den Mut darunter um seiner Selbst willen einen Schlußstrich zu ziehen. Wie schwer das ist, wissen wohl nicht nur wir Beide (und ich bin aus der Generation vor Dir :-) )

    LG
    Beate

    AntwortenLöschen
  2. ja scheint mir auch so, dass es weitergegeben wird. Klar das womit man aufwächst kennt man und hält es für die Wahrheit/Richtigkeit.
    Tja meine Schwester hat es auch brav an ihre Kinder weitergegeben.
    Man sagt ja Alkoholismus ist eine Familienkrankheit, na nicht nur die.
    LG

    AntwortenLöschen