Dienstag, 27. Oktober 2015

Verständnis

Gestern abend schon (als ob ich es geahnt hätte!),
fiel mir ein, dass mir meine Therapeutin hin und wieder mal sagte (wenn ich über mich selbst schimpfte oder von irgendwelchen Macken, Gefühlen oder sonstigem von mir schwer genervt war und das einfach nur weghaben wollte) dass dies Verhalten oder jenes Gefühl einen Sinn hat oder hatte!
Es gab mal einen Grund warum man das ausbildete, tat oder immer noch tut.

Das landete sofort bei mir. War mir klr und verständlich, als ob ich das Wissen schon immer hinter einer dünnen Pappwand hatte und es deswegen so leicht zu mir durchdrang.

Egal was es ist, Kontrollitis, Perfektionismus, Antreiber, Abwertung das alles kam nicht einfach so.
Der Perfektionismus hat bei mir den Grund, dass ich dadurch meine, nie mehr abwertenden, kritisierende, blöde Kommentare zu hören, ich meine (unbewußt), dass mich dann ja jeder lieb hat.
Zum Beispiel.
Solche Dinge aufzudecken können höchst entspannend sein.
Man will dann diese Verhaltensweisen nicht mehr weg haben (dadurch wird es eh nur stärker), sondern gibt ihnen erstmal sowas wie eine Würde.
Man löst sich aus der Identifikation, man schaut von draußen drauf. Aha da ist ein Perfektionismus. Das schau ich mir mal an.

Nur so kann ich es mir erklären, dass ich so sanft und interessiert heute reagierte, als ein Freund mir heute mitteilte wie er mich wahrnimmt. Also eine Wahrnehmung, nicht alles an mir.
Es hat mich ein wenig betroffen gemacht und auch traurig.
Es stimmt schon was er da sagte. Und warum ich so bin, hat einen Grund. Den weiß ich auch. Und der macht mich traurig.

Gar nicht gut mitten in einer PMS-Phase. Eh schon weinerlich kann ich mich da wunderbar reinsteigern und mich in einen ziemlich desolaten Zustand hinein manövrieren.

Ich glaub ich geh einfach ins Bett...

PS: Im übrigen kann man mit dieser Sichtweise auch die Macken und Schrulligkeiten seiner Mitmenschen (und diese natürlich auch selbst) mit viel mehr Mitgefühl betrachten. Das finde ich sehr befreiend.

Kommentare:

  1. Du hast mein Mitgefühl.. Es ist nicht einfach, sich seinen eigenen Macken zu stellen und sie dennoch liebevoll anzunehmen. Wenn man dann noch manchmal darauf hingewiesen wird, wos eh schon wehtut, das braucht noch mehr Kraft. Ruhig zu bleiben, die Hinweise anzunehmen ist dann quasi die Kür das Ganzen. Den Schmerz danach zu tragen oder ihn aufzulösen... ist nicht einfach. Kann dich gut verstehen wie dir gerade zu mute ist. Lasse einen Drücker für dich da, wenn du den magst..

    Lieber Gruss, Anne

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    1. Hallo liebe Anne, mir fällt das annehmen erstaunlicherweise recht leicht. Diesen Kampf aufzugeben, dass man SO ja nicht sein darf, das Verhalten schnell ausmerzen muss usw. finde ich sehr entspannend.
      Ich darf auch menschlich sein. UI und PUUUH.
      Es klang vielleicht dramatischer als es war (wenn auch das frühe ins Bett gehen sehr gut tat um schlimmeres zu vermeiden *g*), es wurde mir sehr mitfühlend und liebevoll gesagt, nicht in der Haltung *Du bist so* sondern einfach ein *ich nehme dich so wahr, muss aber nicht der Realität entsprechend* das tat sehr gut ;)

      Danke für den Drücker ;) gern doch.
      Liebe Grüße zurück!

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  2. Hallo, eines der tollsten und wirklich fundierten Möglichkeiten, Macken zu erkennen bei sich und anderen und ihnen mit Respekt zu begegnen, ist das Enneagramm. Beste Einstiegslektüre: Richard Rohrs Standardwerk.
    LIeben Gruss aus der Schweiz, Ursula

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    1. Hallo Ursula, danke für den Kommentar, ich hab mich damit vor Jahren schon mal befasst, kann aber im Moment damit nichts anfangen, weil das eher wieder eine Kopfsache und weniger eine Herzenssache ist.
      Liebe Grüße

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