Sonntag, 25. Oktober 2015

100 Tage Tibet

Gestern war ich mit einer Freundin auf einem Multivisionsvortrag.
100 Tage Tibet.
Wir gehen in den riesigen Saal mit über 100 Sitzplätzen, entscheiden uns für die Reihe vor dem Mittelgang (viel Beinfreiheit) setzen uns und dann kam von nebenan: "Entschuldigen Sie, wir kennen uns ?!"
Sitzt da die Frau aus der Reisegruppe mit der meine Freundin vor einem Jahr eine Chinarundreise unternahm, mit Zwischenstop in Tibet.
Großes Hallo und Hellau.

Und dann ging es auch schon los.
Ein schnösliger Modefotograf trifft den Dalai Lama und darf ihn 3 Tage begleiten. Er bekommt hautnah mit was um seine Heiligkeit geschieht, immer dieselben Fragen, immer Lächeln, immer einen Scherz auf den Lippen. Aber eines fällt ihm auch auf: Der Dalai Lama tut soviel für andere. Wer tut dem Lama was gutes?
So kam ihm eine Idee. Er gab ihm das Versprechen, in sein Land zu reisen und zu porträtieren wie es da nun aussieht und was da so vor sich geht.

Also bereitet er sich vor, kauft Ausrüstung, versucht finanzielle Unterstützung zu bekommen, geht oft in die Berge um sich auch physisch auf diese Reise vorzubereiten. Er recherchiert wochenlang über Satelittenprogramme seine Route, die natürlich fern der üblichen Tozristenpfade verlaufen soll.
Dann endlich geht es los. Es bleibt weiter ein schweres Unterfangen, denn eigentlich ist es verboten, als alleinstehende Person in dieses Land zu reisen (sie waren zu zweit, aber es muss eigentlich immer eine Gruppe von mind. 5 Personen sein).
Und dort zu fotografieren und zu filmen ist ebenfalls heikel bis sehr oft schlicht verboten. Aber der schnöslige Fotograf findet immer Mittel, Wege und Tricks und so entstanden tolle, erschreckende, lustige und traurige Bilder und kurze Filmszenen. Und natürlich Geschichten und Geschichten in massen!

Gebannt lauschten wir alle. Aber natürlich ist es auch traurig zu sehen, wie systematisch das Land mit seiner Kultur vernichtet wird.

Eine ganz besondere Geschichte war diese:
Irgendwann traf der Fotograf Jugendliche und wollte auch mit ihnen reden. Auch das ist nicht ganz ohne, denn man darf ja nicht mal über den Dalai Lama reden, geschweige denn Bilder ect. von ihm zu besitzen. Deswegen erzählte er den allerwenigsten Menschen seinen wahren Grund über seine Reise. Aber nach einer Zeit und an einem versteckten Ort weihte er die Jugendlichen ein und wollte ihre Meinung zu desem Thema wissen. Einige der jungen Männer neckten einen anderen Mann, bis dieser sich überreden ließ sein Shirt auszuziehen. Was dann kam war schier unglaublich:
Das Schirt hatte kleine feine schraffierten Linien aufgedruckt, es sah aus wie ohne Sinn und Zweck hingekritzelt, sah ein wenig wie mit Bleistift aus. Dann legte er das Shirt ziemlich kompliziert und schief zusammen und es erschien:
Das Portrait des Dalai Lama!!!
Das Raunen das durch den Saal ging...unbeschreiblich!!! Ich bin mir sicher, dass JEDER Gänsehaut hatte.

Mit einer kurzen Unterbrechung schaffte der Fotograf seine Mission. Es entstand ein Bildband über Tibet. Nicht nur schöne Bilder wie man sie in jedem Reiseführer findet, sondern die Wahrheit. Viel Zerstörung und viel Militär. Es war zu goldig mit anzusehen, als der Dalai Lama nun dies Buch in Händen hielt und sich herzlich bedankte. Bei diesem taffen Deutschen.

Nach 2,5 Stunden war ich so erfüllt und innerlich satt.
Es war so stimmig, wo ich gerade so eine Freude an Spiritualität habe.
Es paßte so, erst das Buch über den Walkabout einer Frau in Australien, dann das Buch mit der Ärztin in Russland die schamanisches Wissen findet und jetzt u.a. die Lebensweise und Lebensort der Mönche in Tibet. Die weite Landschaft. Die Bescheidenheit und Religiosität der Menschen.

Ich träumte mich in die Weiten Tibets, wie ich irgendwo stundenlang sitze und meditiere....glücklich schlief ich ein. Fern der ganzen Technik, Zerstreuung und des Überflusses.

Is klar, dass heute nochmal "7 Jahre Tibet" angeguckt wird.

Ein klitzekleiner Einblick in diesen Vortrag und Infos um Tibet gibt es bei einer Sendung Planet Wissen:
http://www1.wdr.de/mediathek/video/sendungen/planet_wissen/videohunderttageintibet100.html

Kommentare:

  1. Ich bin beeindruckt. Das T-Shirt hat mich natürlich auch sehr ergriffen, zeigt es doch den Widerstand und den unbedingten Willen nach der eigenen Identität. Unglaublich und sehr sehr berührend. Das Zusammentreffen mit dem Dalai Lama ist auch super.
    LG
    ganga

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  2. Ja einfach eine tolle Geschichte und Idee! ;)
    LG

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