Montag, 22. Juni 2015

Verantwortung ist ein Gefühl

Jetzt ist mir klar, warum ich wieder mal diese extreme Bettlägrigkeit hab.
Die es schon nun viele Wochen (Monate?) nicht mehr gab.
Stichwort heißt: Verantwortung.
Seit 3 Wochen habe ich an einem Wochentag wieder Verantwortung für jemand anderen. Seitdem ging es bergab.

Ich musste schon als sehr kleines Mädchen Verantwortung für mich selbst übernehmen und übernahm aus unterschiedlichen Gründen diese auch für meine Eltern.
Ich dachte immer mit. Ich war immer hellwach. Ich passte auf.
Ich machte alles mit mir alleine aus. Es war zuviel für meine kleinen Schultern.

Später arbeitete ich in Bereichen mit sehr hoher Verantwortung. Im Kindergarten hatte ich die Gruppe oft alleine. Im Schlafsaal bis zu 40 Kinder. Die mal alle 1 Stunde ruhig halten....

Dann Behindertenfahrdienst. Sehr lange Strecke. Teilweise sehr schwierige Kinder, die Aufmerksamkeit brauchten, da sie sich zu Teil selbst abschnallten usw...

Dann kam die Rente. Was macht Regenfrau? Übernimmt wieder Verantwortung. Ehrenamtlich Fahrdienst mit Senioren. Jeden Mittag Pflegehund.
Dazwischen natürlich mein Vater der mehr oder weniger subtil ebenso Zuwendung forderte und ich fühlte mich wieder verantwortlich.

Ich blieb immer auf der Strecke. Ich pendel noch zwischen den Extremen: Nur die anderen/nur ich. Irgendwann werde den Ausgleich schaffen. Jetzt eben noch nicht.

Ich kann nicht mehr und ich mag nicht mehr. Ich will mich nur um mich kümmern. Diese Freiheit genießen. Ich weiß schon warum ich mir jetzt sehr leichte Arbeitstbereiche aussuchte: Keine Verantwortung! Sehr wenig Anspruch.
Und es tut mir SO gut. Einfach locker und leicht leben. Dinge für mich entscheiden.
Darf man nicht. Heißt es dann. Wenn jeder so leben würde.
Einfach in den Tag hinein.

Mir egal.
Ich darf das. Sogar hochoffiziell. Deswegen bin ich in Rente. Mit 35 Jahren.
Um zu lernen, mich gut um mich zu kümmern.
Einfach Spaß haben. Das genießen was ich machen kann.

Also den schweren Schritt gemacht und das geklärt.
Ich kann nicht mal für 1,5 Stunden für jemanden anderen die Verantwortung übernehmen.
Das ist so. Tja mei.
Reaktion des Gegenübers war sehr freundlich und offen.
Es wird sich eine andere Lösung finden. Aber das liegt nicht in meiner Verantwortung.

Der dicke Kloß im Bauch ist weg.
Ich fühle mich leicht.

Kommentare:

  1. Liebe Regenfrau

    Der Verantwortlichkeit zu entkommen ist für mich auch ein Knackpunkt. Da sind immer wieder Schuldgefühle und Scham, sowie die Angst, zu wenig sozial zu sein wenn ich mich zurück ziehe. Ich will mir nicht mehr so viel aufladen und doch passiert es schneller als es mir bewusst ist. Zu schnell habe ich den Eindruck, helfen zu müssen oder an etwas/ für jemanden mitverantwortlich zu sein.

    Ich kann deine Gefühle und Gedankengänge daher sehr gut verstehen.

    Lieber Gruss, Anne

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Mir hat es geholfen, dass meine berufliche Arbeit sehr sachbezogen und wenig emotional ist. Das ist wenig "spannend" im positiven wie manchmal auch im negativen Sinn ;)

      Löschen
    2. Danke Dir für den Kommentar (und den Link).
      Ja etwas mehr abperlende Schicht wär manchmal ganz nett :)
      Habe auch gemerkt, dass mir eine sachbezogene Arbeit VIEL mehr liegt.

      Liebe Grüße!

      Löschen
    3. Ih habe gerade eine... klare Sicht gewonnen beim Lesen.
      Worauf bewerbe ich mich seit Monaten? Frau Oona!
      Ja.
      Sachbezogene Arbeit! Genau. Wenig Menschen und klare Struktueren.
      Danke!!

      Löschen
    4. Freut mich ;) Darf ich fragen was Du machen willst?

      Löschen