Donnerstag, 25. Juni 2015

Die Macht der Introvertierten


 Fand gerade unter meinen Blogentwürfen noch etwas unveröffentlichtes:

Die Macht der Introvertierten

Dieses Buch hilft mir derzeit am meisten mich zu verstehen.
Dieses Buch ist ein sehr großes Puzzlestück in meiner wirren Seelenlandschaft.
Es ist für mich fast noch besser als das Buch „Still“.

Ich weiß jetzt warum ich mich manchmal so komisch fühle:

„Introvertierte Menschen brauchen Zeit zum Nachdenken, ohne den Druck „etwas machen zu müssen“. Manchmal werden sie deshalb sogar als faul bezeichnet.
Warum ist dafür eine solche von jedem Druck freie Zone notwendig? Solange sich der introvertierte mensch nicht von äußeren Reizen abschirmen kann, können seine inneren Gedanken, Gefühle und Eindrücke nicht an die Oberfläche kommen. Ohne Zeit zum Verarbeiten wird sein Verstand überlastet und blockiert. In dieser Situation haben viele Introvertierte das Gefühl, es sei nichts in ihrem Gehirn. Tatsächlich ist jedoch sehr viel drin, es ist nur noch nicht gefiltert und geordnet.“

Dieses Gefühl der Überforderung ist ätzend. Man kann nicht mehr klar denken und auch körperlich bin ich eher auf Alarmstufe. Ich bin unruhig, schwitzig, hektisch.
Ich brauche dann eine Auszeit. Nicht unbedingt ruhig liegen (da fällt mir meistens nur Zeug ein was ich noch machen muss und bleibe somit unruhig) sondern eher etwas mit den Händen machen, worauf ich mich wenig konzentrieren muss (z.B. putzen, kritzeln, vor mich hinmalen, abspülen..)und dabei kann ich die Gedanken wandern lassen und Eindrücke verarbeiten.

Ich weiß jetzt, dass ich nicht zuviele Dinge aufeinmal machen kann. Dass ich Zeit brauche um Neues zu verarbeiten. Sei es direkt in der Situation (z.B. einen Raum mit Menschen betreten) oder danach (nicht zuviele Termine hintereinander legen).
Ich weiß jetzt, dass ich oft langsamer machen muss, weil mein Hirn sonst nicht nachkommt.

Das Buch ist so lebensnah geschrieben, dass es einfach eine Wohltat ist. Ich musste oft vor mich hinlachen, weil ich mich wiederentdeckte.

Mein Vater hat mich öfter mal nach der Schule ins Bett geschickt zum schlafen. Er hat das nie böse gemeint, er hat es glaub ich auch mal erklärt. Ich empfand es auch nie als Strafe.
Ich war einfach vom Schulalltag überreizt und brauchte erst eine Pause, bevor ich die Hausaufgaben machen konnte.

Ich weiß jetzt, dass es mir keinen Spaß macht mit einem Menschen, den ich lange nicht gesehen habe, es also viel zu erzählen gibt, sich auf einem wilden, bunten, lauten Markt zu treffen. Sondern vielleicht im Park spazieren gehen oder in ein sehr ruhiges Cafe setzen(und bitte keines mit den Minitischchen!!)

Ich erlaube mir jetzt, draußen beim gehen öfter einfach auf den Boden zu schauen. Ich nehme soviel wahr, mir wird das sonst zu viel.
Ich verstehe, warum es mich so erfreut, mich einfach in das Schmetterlingshaus des botanischen Gartens zu setzen und den Tierchen zuzuschauen. Es entspannt mich. Es beruhigt mich. Mir reicht das als Reiz.
Anders dem Extrovertierten (auch die verstehe ich nun besser). Der würde sich bei den Schmetterlingen langweilen. Der braucht mehr Input. Er bezieht seine Energie von außen, wenn da nix los ist, wird er knatschig, müde.
Der Intro bezieht seine Energie aus dem Inneren. Das finde ich insofern „schöner“ weil ich einfach weniger brauche und somit weniger von den äußeren Umständen abhängig bin.
Ich brauche auch weniger Geld, weil ich nicht ständig ins Kino, auf den Rummel, in irgendwelche Läden muss. Daher auch weniger Fahrgeld. Ich bleibe locker, wenn mal niemand Zeit für mich hat.
Ich erfreue mich an Kleinigkeiten, das reicht mir.

Mir ist auch klar geworden, warum es die introvertierten braucht: Wir überdenken mehr, reagieren nicht vorschnell, sehen auch eher Gefahren durch genaues beobachten, gleichen aus, sind der Gegenpol zu den Extros.
Gäbe es nur extrovertierte Menschen, gäbe es die Menschheit schon lange nicht mehr. Das mag jetzt überheblich oder gemein klingen, ist es aber nicht...

lest es selbst nach...in Die Macht der Introvertierten von Marti Olsen Laney

Kommentare:

  1. Viele Dinge auf einmal machen? Das behaupten die Leute sehr gerne von sich, soll ja Flexibilität, Fleiß und Intelligenz bedeuten. Tatsache ist (laut neuerer Hirnforschung) das geht weder bei Ex- noch bei Introvertierten gut. Multi-Tasking ist Quark. Die Introvertierten müssen halt noch besser auf ihre Befindlichkeit achten, was natürlich den Tagesablauf beeinflußt.
    Ich bin ziemlich froh zu den Introvertierten zu gehören ;-)

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  2. ja das stimmt, hatte ich auch schonmal gehört,
    naja manchmal wär ich gern etwas *robuster* ;)

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  3. Neuerdings schaue ich bei meinem Gängen durch die Innenstadt und durch Menschenmassen auf den Boden. Ich kriege immer noch vieles mit. Mich entspannt das auch.
    Es ist schön, dass hier bei Dir zu lesen. Ich bin nicht allein. :O)

    Wenn ich im Park, im Wald oder auf einem tolln Friedhof herumwandere, dann schaue ich immer offen und leicht in die Welt.

    Das mit dem "Multitasking", was Beate schreibt, dass habe ich auch mehrfach vernommen.
    Ich sage, die haben das mit dem Multitasking nur erfunden, um Frauen noch mehr auszubeuten. Frauen sollen das mit dem Multitasking ja besonders gut können.
    Nö. Sie haben nur keine andere Möglichkeit als zu versuchen alles zu schaffen in den irren Lebensbelastungen. Job, Mann, Kinder, Tiere, Hof, Garten, zu pflegende Verwandtschaft und und und. Das sie dabei "ausbrennen" wird eben hingenommen.

    Hab ein schönes Wochenende!
    Beste Grüße!!
    Oona

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  4. Ne bist nicht allein, ich find auch die Menschen mit den riesen Musikhörern klasse, ich würd mich das ja nicht trauen, aber so die Welt aussperren hilft auch ;)
    Ja Natur tut mir auch auf vielen Ebenen gut...^^
    Interessante Idee mit der Ausbeutung, könnte schon sein. Ich mach da auch nicht mehr mit..
    Guten Wochenstart Dir!

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