Freitag, 9. Januar 2015

Bis hierher und nicht weiter...


lautet der Buchtitel von Rolf Sellin.
Untertitel: Wie Sie sich zentrieren, Grenzen setzen und gut für sich sorgen.
 Dank Oona (http://oona108.blogspot.de/ ) fiel mir ein, das ich ja noch über das Büchlein was schreiben wollte.

Der Autor schrieb auch schon ein kleines Büchlein über Hochsensibilität und das merkt man auch in diesem. Was mir sehr gut gefällt.

Wir leben in einer Ideologie der Grenzenlosigkeit. Die Werbung suggeriert uns ständig, dass wir alles immer haben können. Viele Bücher und Coaches wollen uns beibringen wie wir alles schaffen können.
Auch du kannst Superstar werden!

Wichtig, um die eigenen Grenzen spüren zu können ist ein guter Kontakt zum eigenen Körper.
DER sagt einem, dass es nicht weiter geht. Der Kopf bringt unermüdllich immer weiter Argumente, warum man das jetzt schon noch machen kann und jenes auf gar keinen Fall aufschieben darf.
Aber wer merkt noch seinen Körper? Doch erst wenn er nicht mehr so funktioniert, wie wir es gern hätten und dann sind wir sauer und wollen das da, so schnell als möglich weg haben.

Meine körperlichen Stressymptome werden immer mehr. Leider.
Und so sage ich immer öfter NEIN zu den anderen, deren Ansprüche und Vorstellungen, aber auch oft genug zu meinen Vorstellungen wie ich denn sein sollte/müsste.
Dafür sag ich JA zu meinem grummelndem Magen, meinem Tinnitus, meinem verspannten Nacken usw. Ich kümmere mich um diese Stellen und manchmal umarme ich sie in meiner Vorstellung liebevoll wie ein krankes Kind.

Sellin stellt Fragen wie: Wo kann ich mich schlecht bzw. schwer abgrenzen. Bei welchen Menschen/Situationen/Themen. Und wo gelingt mir das gut?
Eine kurze Bestandsaufnahme die schonmal Klarheit bringt.
Wo also sind meine Grenzen? Und wie schütze ich diese? Was sind überhaupt Grenzen? Wie kann ich mich abgrenzen? Sind weitere Fragen auf die der Autor eingeht.

Auch zeigt er auf, was unsere Abgrenzung unterlaufen kann und natürlich das sehr wichtige Thema Kindheit und Grenzen.

Ein Satz hat es mir besonders angetan:
"Das Einhalten meiner Grenzen führt nicht zu mehr Beschränktheit, sondern ermöglicht es mir, mich zu entwickeln, bzw. meine Bregrenztheit zu überwinden (auf eine sachte und gesunde Art)."

Auch schön: Akzeptanz für die eigene Begrenztheit kostet weniger Kraft, als wenn ich ständig dagegen ankämpfe.

  Mir gefällt das Buch sehr gut. Kein lehrerhaftes so musst du es machen, sondern ein lockerer Erzählstil mit beeindruckenden Fallbeispielen. Ein gelungenes Buch das sich speziell nur um das Thema Grenzen dreht.

Alles schön und recht. Im Alltagsleben sieht das leider etwas anders aus.
Ich sehe in der Zeitung, dass morgen ein kostenloser Vortrag in der Nachbarstadt ist, der von einem Pärchen die Alpenüberquerung zu Fuß zeigt. Mit Fotos und Musik. Oh wie gern ich mir sowas anschaue. Ein klein wenig reisen gehen :-)

Ich frage D. ob er mitkommt. Klar!
Wenige Stunden später kommen Zweifel. Oh ich habe diese Woche schon sehr viel gemacht. Abends um 19h nochmal außer Haus, dann 2 Std. zwischen viele Leute sitzen und irgendwann spät zuhause sein, wird mir wohl zuviel. Auch wenn ich da SO GERN hinwill. Ich schaffe es nicht, zumal ich dann übermorgen den halben Tag in München bin, was mich auch viel Kraft kostet. Es ist eine Zwickmühle. 
Schweren Herzens sage ich also D. rechtzeitig wieder ab. Ich bin sehr traurig. Er auch, er ist sogar ziemlich verärgert bis beleidigt.
Was mich interessanterweise wieder besser zu mir selbst bringt. Ich tue mich schwerer, wenn jemand Verständnis hat.
Heute tröste ich mich, dass es ja immer wieder mal solche Vorträge gibt (wenn auch selten kostenlos) und lasse die Trauer und Enttäuschung auch da: Drücke sie nicht weg, nehme sie wahr: Wo spüre ich sie genau im Körper?
Außerdem weiß ich, dass ich heute abend wohl froh bin, wenn ich um 20h ins Bett kann und nicht in einer fremden Umgebung mit vielen Leuten sitzen  und danach bei Wind und Regen noch heim gehen muss.

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