Dienstag, 16. Dezember 2014

Eltern

Heute kam ein Brief von meinem Vater.

Meine Cousine wurde aus dem künstlichen Koma geholt. Sie scheint keine größeren Folgeschäden von dem Unfall zu haben. Das ist gut. Sie kann sprechen, sehen, sich erinnern (angeblich hat sie sogar nach mir gefragt, was ich ein wenig bezweifle...).
Sie konnte sogar schon nach Deutschland gebracht werden und wird bald die Reha antreten.
Das sind natürlich gute Neuigkeiten.
Wurmen tut mich die Stichelei meines Vaters (das ist uralte Tradition in der Familie aus der ich komme).
Meine Cousine hätte das nur so gut überstanden, da sie recht gesund lebt, viel Sport macht und nicht raucht. Vatern meint dazu:

Wer macht denn das heute noch.

Lieber Papa, deine Tochter fuhr viele Jahre über 1000km im Jahr mit dem Radl
und hat vor über 1000 Tagen das rauchen aufgehört. 
Und du Vollhonk kannst das nicht einmal anerkennen und dich mitfreuen!

Natürlich weiß er wie ich lebe. Dass ich solchen Spaß am VHS-Sportkurs habe usw.
Neid regiert die Welt und vor allem die meiner Ursprungsfamilie.
Kotzt mich das an.
Ich weiß schon, warum ich größtmöglichen Abstand zu denen halte.

Und gleichzeitig fällt mir ein, wie sich meine Mutter in dieser Jahreszeit fast aufgearbeitet hat. Vollzeit als Altenpflegerin und den Haushalt mit 2 Kindern (mein Vater rührte ja keinen Finger), nachts den Adventskranz selbst gebunden, stundenlang den Baum geschmückt, obwohl wir arm waren, war der Gabentisch immer voll und einmal hat sie einfach selbst den Nikolaus gespielt (möcht gern wissen wo sie das Kostüm herhatte, heute ist das ja kein Problem, aber draußen aufm Land vor 30 Jahren?) und natürlich tagsüber mit uns Plätzchen gebacken, mindestens 5 verschiedene Sorten.
Das blöde an dieser ganzen Aufopferung war nur:
Dass es nicht wirklich um unser Wohl ging.
Sondern um ihres.
Sie wollte endlich Anerkennung und Liebe.
Wenn schon nicht um ihretwillen, dann wenigstens für all das was sie für uns tat.
Und das spürte man. Das fühlte sich komisch an. Und auch verletzend, weil man nicht als Selbst, als Person gesehen wurde/wird.

Tja so schließt sich der Kreis.
Wenn ich sie sehe, sehe ich mich.
Doch ich bin mir dessen bewußt und steuere dagegen.

Dafür gabs heute auch was zum freuen:
Das eine, mir selbstgemachtes, Weihnachtsgeschenk kam heute an.
Das 2. folgt sobald :-)
(auch etwas was für meine Elter völlig unmöglich ist, lieber hat man  seine Ansprüchen/Anforderungen/Wünsche an andere, die man ganz subtil vermittelt und WEHE die werden nicht erfüllt).

Es wird ein Erlebnis sein.Geht 2 Tage lang.
Ich hab Gänsehaut, wenn ich daran denke.
Das schöne: Der verinnerlichte Vater/Mutter/Schwester werden kleiner.
SIE können wir solche Sachen nicht mehr kaputt machen.
Ich schenke mir das selbst, weil ich mich mag und mich schätze und es ist mir egal, was ihr dazu sagt.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen