Mittwoch, 8. Oktober 2014

Gemeinschaft

Letztens einen Vortrag von Gerald Hüther gehört. Dem legendären Hirnforscher, der die Erkenntnisse der Neurobiologie so lebendig und mitreißend erklärt.
Es ging um das Bedürfnis nach Zugehörigkeit (Verbundenheit), aber auch dem Bedürfnis nach frei-sein, allein-sein, Autonomie.
Beides zusammen gleichzeitig ist etwas schwierig. Beides sind jedoch Grundbedürfnisse.

Ganz am Anfang unseres Lebens sind wir mit der Mutter ganz eng verbunden, fast symbiotisch zusammen verschmolzen. Wir kennen das warme Gefühl von zusammen sein. Und immer wenn wir das wieder mit anderen Menschen spüren, geht im Gehirn die Gießkanne mit dem Düngemittel los. Unser Gehirn wird gedüngt (durch bestimmte ausgelöste Botenstoffe) und wir fühlen uns wohl.

Mir fiel sofort meine dysfunktionale Familie ein in der Verbundenheit im Mißbrauch und der Wunsch nach Autonomie in Liebesentzug endete.
Aso versuchte ich beides irgendwie zu vermeiden, was a) schwierig ist und b) musste ich zwei wichtige Bedürfnisse unterdrücken.

Mir fielen aber auch Situationen ein, in denen ich das Verbundeheitsgefühl besonders spürte. Und das erzählte auch der Herr Hüther: Wenn man mit anderen Menschen was zusammen macht, ist dies das nonplusultra beider Bedürfnisse.
Zusammen etwas gestalten ist quasi ein Garant für Glücksgefühle.
Burn-out und Depressionen sind seltener.

Mir fielen soviele Situationen ein: Mit Schwester, Schwager und dessen Bruder eine Baureinigung gemacht...welch Spaß und Freude!!!
Die Gemeinschaft in einer 12-Schritte Klinik wobei das teilweise sehr grenzwertig war.
Mit einer Bergbauernfamilie das Heu zusammen gerecht, den Keller ausgeräumt, Brot gebacken und jeden Abend zusammen gegessen, mit teils 20 Mann in einer winzigen Küche! Eine tolle Zeit!
Alles ist mir in sehr lebendiger Erinnerung.
Es reicht aber auch schon gemeinsames aufräumen, Zaun streichen, zusammen kochen, spielen, singen, musizieren...und zwar real und nicht über irgendeine App!!!

Ich sehne mich sehr danach.
Und überlege, wie ich das nun in mein Leben einbauen kann.
Denn nun weiß ich: Es muss nicht wieder ein krankhaftes zusammen kleben sein und auch keine Unterdrückung meiner Individualität.
Es muss auch nicht NUR Verbundenheit sein oder NUR ich als lonley Ranger...beides darf sein, ausgewogen, abwechselnd....

Kommentare:

  1. Ja, sehr gut analysiert, mit Beispielen versehen und einleuchtend dargestellt. Danke, ganz toll!

    Beate

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Danke auch für die nette Rückmeldung, naja es ist ja "nur" eine Zusammenfassung was Hüther so erzählte.
      LG

      Löschen