Dienstag, 16. September 2014

Trauma und Doc

- Gestern 4 Stunden unterwegs gewesen, für 5 Minuten Psychiatergespräch.
Von Haustür zu Haustür. Bahn hatte Verspätung, dann mit selbiger 1Std. 20mins unterwegs gewesen, fast 1,5 Std. im Wartezimmer verbracht, kurz zur Bank, auf die nächste Bahn gewartet.
Dass es nur 5mins Gespräch sind, haben wir so ausgemacht. Denn medikanetös bin ich quasi austherapiert. Nur meine Abendmedikation hilft mir etwas. Er ist aber der Doc, der mich mit der Krankheit am längsten kennt und so brauche ich ihn für die Berichte bezgl. Rente. Also komm ich vierteljährlich mal für die 5 mins vorbei.

- Von Michaela Huber (einer der bekanntesten Traumatherapeutin derzeit) einen Vortrag gehört (leider nicht online, sonst würde ich den Link hier reinsetzen). Titel: Von Bindungs-und Gewalttrauma genesen - von guten Beziehungen, Distanz zum Schrecken und einem ausbalancierten Stoffwechsel.
Sonderlich neues war für mich nicht dabei. Aber alte Infos nochmal auffrischen tat gut. Vor allem wie und warum frühe Traumatisierungen so schädlich sind. Und warum traumatisierte sooft von der Übererregung in die Erschöpfung und zurück in die Übererregung fallen. Mein Thema.
Sie hat das alles mit ein wenig Gefühl vorgetragen. Nicht zu sachlich, nicht zu weich. Von sich selbst sagte sie, dass auch sie solche Schrecken aus ihrer Kindheit kennt (das macht sympathisch).

- Über einen Bekannten mit dessen Bekannten ins Gespräch gekommen. Gruselig wie er sich, als fast 40j. Mann von seinem Vater schikanieren lässt. Der war jahrelang in der Bundeswehr, hat den Drill und die Demütigungen quasi bis in die Haarspitzen eingesogen.
"Aber..."so meinte jener Bekannte, "wenn ich was sage, hab ich keinen mehr, der mir den Rasen mäht."
Achachach...wie sehr ich ihn schütteln möchte und schreien: Dass er nicht weiter  zu lassen darf, dass seine Seele  zu Hackfleisch verarbeitet wird.
Wie gut es täte, wenn er sich von solch destabilisierenden Menschen befreien könnte. Wieviel Energie da aus einem wächst und er mit Leichtigkeit und Freude seinen Rasen selber mähen könnte und was das für einen riesigen Zuwachs an Selbstwertgefühl wäre.
Denn das ist quasi am Boden. Er hat sich viel Gewicht zugelegt um die ständig spitzen und schneidenden Bemerkungen seines Vaters ertragen zu können.
Dabei weiß ich selbst was das alles für ein harter und vor allem langer Weg ist (noch dazu wenn es der eigene Vater ist).
Bis man soweit ist.
Es sich selbst wert sein.
Und gut für sich sorgen können.

- Ich hab mir heute "frei" genommen. Ein Tag für mich und nur für das was ich will. Einen Termin musste ich dafür absagen. Die Folge: Alte bekannte Schuldgefühle tauchen deswegen auf. Aber wie meint Giger-Bütler: Man solle die Schuldgefühle anders bewerten, als etwas das zeigt, dass man mehr für sich einsteht. Als etwas positives. Das sich etwas ändert.
Und so schau ich mir dieses Schuldgefühl an, lasse es da sein und atme tief hinein.

Kommentare:

  1. Liebe Regenfrau!

    Bindungstrauma, den Begriff kannte ich noch nicht, aber ich kann etwas damit anfangen. Es machte gleich "Klick" bei mir. Wieder ein Puzzleteil! Danke fürs Teilen! Mir scheint ich kenne das, sowohl was Familiäres anbelangt als auch in Liebesbeziehungen. Mir ist erst in den letzten Monaten so richtig klar geworden, dass ich immer noch daran bin, "fremde Anteile aus meinem System zu entfernen" Sogar bei alltäglichen Gewohnheiten entdecke ich "Fremdes". Das Erkennen dieser Reste rückt einiges grade, was ich (falsches) über mich angenommen habe. Der Schmerz darüber, so lange fremdbestimmt und wie in Geiselhaft gelebt zu haben, ist geschwunden, das Erstaunen immer noch und immer wieder neu da.

    Auch die Schuldgefühle, etwas weiteres, das ich ebenfalls kenne. Jetzt weiss ich auch, wieso sie zeitweise so übermächtig, fast mörderisch, waren (und manchmal noch auftauchen): Vielleicht habe ich gerade da, in diesen Momenten, etwas "nur für mich" entschieden oder getan. Auch hier; danke für dieses Puzzleteil :) Mir wird klar, dass es immer noch einige Trümmer wegzuräumen gilt, aber es ist schöner, gegenseitig Erkenntnisse miteinander zu teilen, als den Weg komplett auf sich gestellt gehen zu müssen ...

    Ganz lieber Gruss und ich wünsche dir, dass du immer besser bei dir bleiben kannst!

    Anne

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    1. Auch noch ein Einfall; Schuldgefühle sind bei mir oft auch dann da, wenn ich etwas "verbotenes" tue, also etwas was früher bei anderen Stress ausgelöst hat, zB andere Prioritäten, eine andere Meinung zu haben .. zB mein Nichteinverstandensein mit den Entscheidungen anderer löst das bei mir manchmal noch heftigst aus, dann bekomme ich Schuldgefühle.

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  2. Hallo liebe Anne,
    ja ich kannte eher den Begriff Symbiosetrauma. Wollte da auch mal zum Franz Ruppert nach München, der bietet offene Abende an. Den letzten hab ich verbummelt. zuviel Angst, nun schau ich ob ich es am 1.okt. schaffe. Werde berichten :)
    Immer wieder erfrischend und kraftvoll, wenn ich bei mir sein kann und das ist echt bei Fitzelchen der Fall.
    Klar Schuldgefühl is mein 2.Vornname ;-/
    Und ich auch find solch Austausch wichtig und bereichernd und freu mich auch immer, wenn es was bei Dir zu lesen gibt.

    Lieben Gruß zurück und alles gute für Deinen Weg! :-)

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