Samstag, 16. August 2014

Still



 
Ich bin ein stiller Mensch (natürlich kann ich auch mal laut und wild sein). Ich bin trovertiert. Ich mag Stille um mich und in mir. Kirchen, Bibliotheken, Wälder, Parks, Sonntagmorgen am See.
Ich lese immer wieder gern in dem Buch Still (die Bedeutung von Introvertierten in einer lauten Welt) von Susan Cain.
Ich brauche Stille wie Luft zum überleben. Geräusche gehen tiefer in mich hinein. Ich bin hochsensibel.
Umso mehr sprach mich auch das Büchlein von Bruno Dörig an: Von der Stille will ich dir erzählen. In denen Menschen erzähllen wie sie Stille auffassen und erleben. Es tat sehr gut mich in die Zeilen hinein fallen zu lassen.
Eine Geschichte sprach mich sehr an:

"Endlich

Die Welt tönt und dröhnt
gewaltig gewalttätig grausam-
ich erschrecke und kann mich nicht schützen -
empfinde selbst Musik als aufdringlich -
meine Augen kann ich verschließen -
meine Ohren nicht...

Meine Seele sucht Stille und Schweigen
ein Schweigen nicht weltfremd:
weltoffen – andächtig – ergriffen:
ein viel-sagendes viel-hörendes Schweigen..
ein lauschen nach innen
das mir etwas offenbaren will....
Die Zeit steht endlich still
ruht im Jetzt
schwerelos -schmerzlos
hier kann ich sein
ein-verstanden - eins mit mir
ruhig gelassen still.
H. H.

Jetzt bin ich endlich angekommen. Früher galt ich als zu schwach und zu sensibel, um den Kampf ums Dasein zu bestehen … und so wie ich bin, sei ich, nicht gut genug...erst heute, nach über 70 Jahren, komme ich zu größerer Gelassenheit, zu bewussterem, meditativem Leben, das ich mir oft versagt habe.
Heute bejahe ich mein unvollkommenes Leben, das einzige das meinige ist, unwiederholbar, unabänderlich. Ich möchte, selbst wenn ich könnte, nicht mehr von vorn anfangen.
Heute stehe ich gelassener Konflikte durch, ich genieße gute Gespräche über alles...
Heute kann ich mich auf mich selbst zurückziehen und dabei glücklich sein: beim Laufen, Wandern, Gärtnern, Gestalten, Werken, Malen, Schreiben, Träumen, wobei ich wie von selbst – selbstvergessen – still werde."

Ich möchte nicht so lange warten. Und jetzt mit fast Mitte 30 mir schon das Leben erlauben, das mir gut tut. Und mir nichts mehr versagen.

(natürlich kann ich die Stille umso mehr genießen, wenn es auch mal das Gegenüber gibt. und so gehts heute abend in ein altes urbayrisches Wirtshaus mit bestfriend und ich freu mich narrisch drauf!)

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