Donnerstag, 21. August 2014

Konfrontation - Klarheit

Ich konnte früher nie unangenehme Dinge ansprechen.
Egal ob bei den Eltern (denen hab ich immer Briefe geschrieben), Mitbewohner, Kollegen, Nachbarn, Vermieter, Chef...ich blieb stumm und wenn es nicht mehr anders ging, verließ ich die Situation, die Arbeitsstelle, die Wohnung.
Wenn ich was sagen musste, hatte ich davor Heulkrämpfe, währenddessen  Panikattacken und danach völlige Erschöpfung.
Es fühlte sich existenziell bedrohlich an.
Wenn ich was sage, werde ich gemieden, gekündigt, ausgelacht, ausgesetzt.
Das ist natürlich eine sehr kindliche Angst. Ein Kind ist auf andere angewiesen, damit es überleben kann.

Es war ein paar Mal Thema in der Therapie...und dann hab ich es immer wieder ausprobiert und, das wahrscheinlich wichtigste, positive Erlebnisse gehabt. Natürlich ging das nicht ohne Herzklopfen, aber mit viel mehr Sicherheit: Wenn mich der andere nicht mehr mag, bedeutet das keinen Tod.
Und so habe ich fleißig geübt. Mal hier, mal dort.
Die Erwachsene in mir war stärker, präsenter.

Inzwischen geht es ganz wunderbar...und es ist so erleichternd! Ich fühle mich freier danach. Könnnte das (fast schon) am laufenden Band machen.
Ich habe festgestellt: Meine Denke stimmt nicht immer.
Wenn sich der andere nicht mehr meldet, hat das nicht zwingend was mit mir zu tun.
Ich habe nachgefragt und es wurde ein sehr herzliches Gespräch.
Wie sooft. Es klärt sich, man versteht einander besser, findet wieder oder weiter zueinander.

Auch bei einem Mann habe ich was angesprochen. Nochmal eine Grenze gesetzt. Viel deutlicher und einschneidender als das letzte Mal.
Seine Konsequenz daraus: Totaler Kontaktabbruch (den er mir auch mitteilte). So könne und wolle er das nicht. 
Ja das ist schade, aber so ist es.
Ich verbiege mich nicht mehr bis zur Selbstaufgabe.
Ich werfe mir auch nix mehr vor.
Ich hätte, so wie es war, nicht mit ihm weiter machen können.

Ich habe wieder mehr Klarheit. In mir und meinen Beziehungen.

Kommentare:

  1. Mir gefällt, wie du das jetzt geniessen kannst, was du dir erarbeitet hast. Klare Worte an Mitmenschen, ja, das sind Zitterpartien und haben Konsequenzen, denn entweder wird die Freundschaft neu belebt (wie du schilderst) oder kommt an ihr Ende.
    Ich fühle hier besonders mit, denn am meisten Angst macht mir, einem sehr nahen Menschen klare Worte zuzumuten, aber noch schlimmer wäre, aus Angst vor der Reaktion zu kneifen. So hat eine die Wahl zwischen Mut kombiniert mit Panik oder ein Schweigen im Groll.
    Danke für deine Gedanken!

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  2. Ohje Groll ist ein gutes Wort..genau. Und oft ist der andere auch dankbar für die Klarheit, denn meist spürt ja der andere, dass da doch was ist, und der macht sich dann seine Gedanken und man entzweit sich.
    Was bisher bei mir durch klare Ansprache in die Brüche ging (da war schon auch maln Job dabei und danach wurde es viel besser!) war meist eh nix gscheids, kostet zuviel Kraft usw.
    Ich wünsche Dir viel Mut :-)

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  3. Danke, dein guter Wunsch hat schon genützt;-)

    Und ja: wenn was durch klare Worte ans Ende kommt, wars eh nix gscheids, recht hast du.

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