Donnerstag, 14. August 2014

Das war's ?

fragte ich heute ganz erstaunt den Doc.
Irgendwie hatte ich in Erinnerung, dass Fäden ziehen doch etwas länger dauert.
Aber er schaffte es unter 1 Minute.
Es hat noch nicht mal geziept.
Wie schön. So ein guter Abschluß. Ein freudiges Ende.
Ich find das sehr wichtig, dass ich mit einem angenehmen Gefühl diese Praxis verließ.
Mein Zettel stimmte also, den ich mir vor der OP in die Hosentasche schob: Alles wird gut!
(und ich hab feste dran geglaubt)

Und auf der Heimfahrt dachte ich noch so ein wenig nach, während mich die Bahn durch Felder und Wiesen kutschierte.
Ich kam früher mit Problemen, Hürden, Herausforderungen überhaupt nicht klar. Da kamen ganz schnell Suizidgedanken hoch. Ich wollte das Problem nicht haben.
Ich wollte überhaupt nie mehr Probleme haben und das hat man wahrscheinlich nur, wenn man tot ist.


Als ich meine letzte Therapie anfing, wurde mir recht schnell klar, dass ich hier lernen wollte, wie man es schafft, nie mehr Probleme zu haben.
Ohne Scheiß.
Ein kindliches Bedürfnis. Der Teil der so hilflos und ohnmächtig bei schwierigen Situationen war.
Dann wurde mir bewußt: Es wird immer Probleme geben, ich muss "nur" lernen, damit umzugehen.
Nichts anderes ist Psychotherapie.

Und immer wieder war ich trotzig, bockig, heulend, verzweifelt und jammerte: "Das ist/war so schlimm." (das war es oft auch tatsächlich, aber ich habe mich an dieses Gefühl regelrecht geklammert, Tunnelblick, sah und fühlte nur das Schlimme.
Ja, sagte dann meine Therapeutin geduldig (da wär ich ihr manchmal gern an die Gurgel gegangen) und sie haben das geschafft. Sie haben...und zählte dann auf, wie ich die Situation trotzdem gut meisterte.
Sie hat mich sanft aber bestimmt aus der Opferrolle geholt.

Ich WEIß jetzt, dass es immer wieder mal blöde Zeiten geben wird.
Und ich weiß jetzt auch, dass die meistern kann. Ich bin nicht mehr hilflos. Ich kann mitbestimmen. Gut für mich sorgen. Liebevoll mit mir reden. Mich loben und trösten. Hilfe suchen und annehmen.

Das hat mir die Zahn-Op gezeigt. War nicht angenehm, war teilweise sehr schwierig, aber ich halte jetzt nicht mehr nur an diesen Gefühlen fest, sondern sehe auch das andere: Vor einer Woche war die OP, es ist vorbei, es heilt gut, ich habe gut für mich gesorgt, ich hab viel Unterstützung erfahren...und das wichtigste: 
ich richte meinen Blick wieder in die Zukunft:
Was will ich jetzt machen?
Was kommt?

Ich bin gespannt und freue mich drauf!


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