Donnerstag, 31. Juli 2014

Sommerloch die dritte

Heute in einer Woche, hab ich es überstanden.
Dann ist der Zahn draußen und ich (hoffentlich) glücklich.

Heute also Vorgespräch und das war anstrengend:
1. Besuch in einer fremden Praxis, all die Eindrücke, wo ist was, dazu die Aufregung.
Drei Blätter in die Hand zum ausfülllen. Selbst mit Vorbereitung zuhause, hab ich starke Schwierigkeiten mich zu konzentrieren: hab ich Diabetes? natürlich nicht, aber in dem Moment hab ich einfach Pudding im Kopf.
Das bessert sich nicht als ich zum röntgen gebeten werde. Ich weiß wie das abläuft, und dass da so ein Ding um meinen Kopf rattert, um meinen Kiefer zu durchleuchten. Trotzdem...ich bräuchte erstmal 10 Minuten um mich zu sammeln, den Raum wahrzunehmen, ganz entspannt an das Gerät stellen, Schürze um, Schmuck weg usw. Realität ist: Das ganze läuft in Lichtgeschwindigkeit ab und ehe ich mich versehe, erzählt mir der Chirurg auch schon was er so machen wird.

Ich hab Panik und weine. Er ist freundlich, ganz leicht mitfühlend (genau die richtige Dosis) bleibt aber sachlich und meint ruhig: "Das sei kein schwieriger Zahn, den kriegen wir schon raus."
Das ist mir klar. Das weiß ich. Nur: Darum geht es nicht.
Ich schiebe Panik weil a) etwas an meinem Körper gemacht wird und b) ich das ja nicht wirklich will.
Klar will ich, dass der raus kommt, aber ich bin nicht darüber erfreut.
Schlimmer ist a): Die Kontrolle loslassen, Hilflosigkeit, ausgeliefert sein, auch Verantwortung abgeben: ich kann ja schlecht selbst da rumschneiden...also angewiesen sein auf andere...

Es ist auch keine "kleine Angst vor Eingriffen, vor Spritzen, vor weißen Kitteln", es ist die blanke Panik.
Ich versuch es ihm begreiflich zu machen und er ist tatsächlich der erste Arzt, der mir erklären kann, was bei der letzten Vollnarkose schief ging. Nach über 15 Jahren! Noch besser, er kann es absolut nachvollziehen, wie traumatisch das war, dass es pure Todesangst war.

(Ich brauch auch keine saloppen Sprüche mehr, wie: hab ich auch überstanden, war nicht schlimm, ist schneller vorbei als du schauen kannst.
Mit diesen Sprüchen wurd ich groß. 
Immer und ständig diese Verarmlosungen, dieses nicht wichtig nehmen, dieses runter spielen. Das war noch viel schlimmer als die körperlichen Schmerzen/Beeinträchtigungen.)

Ich erstrage derzeit absolut keinen Stress aus dieser Richtung und frage nach einer Sedierung (keine Vollnarkose). Klar, ist möglich, da aber medizinisch nicht notwendig muss ich es selbst bezahlen: 80,-€. Soll mir recht sein, ich werde versuchen, das Geld mithilfe meines Psychiaters von der Krankenkasse wieder zu bekommen. Bin da mal voller Hoffnung.

Auch dass das Schmerzmittel nicht hilft, bilde ich mir nicht ein (ja das dachte ich mal wieder von mir), sondern er bestätigt meine Wahrnehmung (welch Wohltat für meinen inneren Zweifler) und meint: "ne da gibts jetzt ein Antibiotika!"

Wir gehen 3 weitere Blätter durch, was es an Komplikationen geben kann und was ich zu beachten habe. Ich bräuchte für so ein Gespräch 1,5 Stunden, tatsächlich steh ich schon nach 20 Min. wieder vor der Tür.
Voller Fragen.
Natürlich bekomm ich all das per Kopie mit und da steht: Bitte lesen Sie ihn (den Aufklärungsbogen) aufmerksam VOR dem Aufklärungsgespräch durch.
Hätt ich gemacht.
Hätt ich ihn gehabt.

Die Frage, wer mich heimbringt, steht auch noch offen. Alle die ich kenne passen mir nicht. Ja klingt hart, aber ich weiß, dass es mir danach mies geht und da kann ich nicht jeden gebrauchen...das muss passen. Ich hab beim Taxistand nachgefragt: Die Fahrt würd 35-40 Euro kosten. Hmmm auch viel Geld, aber mal sehen.

Was auch noch hinzu kommt: Ich kann meinen sonstigen Sommer-Haus-Tier-Job nicht machen. Schade ums Geld. Aber soooo große Lust hatte ich dieses Mal eh nicht.
Also fragte ich einen Bekannten, ob er das macht. Der (was ich jetzt langsam erst feststelle) gern Grenzen überschreitet oder stark dran rüttelt. Eine Übung in Standhaftigkeit: Nein ich werde nicht nach 5 Tagen den Job weiter machen (da er dann weg fährt). Ich schone mich 14 Tage lang.
Er: "ach nach 3 Tagen spürst doch da nix mehr."
Merke: Nicht auf der Inhaltseben bleiben, sondern, wie nennt man das....Metaebene? Ich will mit ihm nicht drüber diskutieren, warum ich was mache/oder eben nicht.

Aber auch sonst gibt es derzeit einen Mann, der mich sehr beschäftigt, doch dazu ein ander mal mehr...
Jetzt wart ich erstmal, dass die Schmerzen aufhören...

Kommentare:

  1. Wenn schon so was Schlimmes, dann wenigstens nen doc, der einigermassen Verständnis hat. Hoffentlich hast du es bald hinter dir. Das Schlimmste ist, es vor sich zu haben.... Denn es dürfte nicht leicht sein, sich in den Tagen davor abzulenken...hoffe aber, du schaffst es, etwas zu finden, was dich kurz mal ablenkt. Dafür ist ja Stille, die sonst so kostbar ist, eher ungeeiget...
    Alles Liebe...

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  2. Du sagst es :-)
    Die Tage ziehn sich endlos, auch wenn ich schon alles mögliche mache, um nicht nachzudenken. Soviel kann ich aber auch nicht machen, weil der Medikammentencocktail mich schläfrig macht.
    Fühl mich grad wie ein rohes Ei und tu alles mögliche, was mir so hilft und gut tut...
    Liebe Grüße

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