Mittwoch, 2. Juli 2014

Dankbarkeit

Lange hab ich mich nicht getraut zur "Tafel" zu gehen.
Erst als der Bescheid kam, dass mir eine volle Erwerbsunfähigkeitsrente zusteht, ging ich hin.

Seitdem heißt es für mich, fast jeden Mittwochvormittag "Einkauf".
Es ist für mich eine große Gelegenheit   "bei-mir-zu-bleiben" zu üben.
Es gibt gerade dort oft grenzenlose Menschen. Das macht es anstrengend.
Aber darüber wollte ich gar nicht schreiben.

Sondern darüber wie dankbar ich bin, dass:
- jeder zum Geburtstag einen 25,-€ Gutschein für einen Supermarkt bekommt
- es frische Eier vom Bauernhof aus dem Nachbardorf
- es frischen (sooo knackig!) Salat aus der Nachbargärtnerei
- es jedes Jahr eine gratis Eintrittskarte für den kleinen Tierpark hier
- es ebenso jedes Jahr einen Gutschein fürs Volksfes (1 Maß + 1/2 Hendl)
- es zu Neujahr ein gemeinsames Essen im Restaurant
- und auch dazwischen kleinere Einladungen wie z.B. in den Zirkus gibt.

Aber auch sonst bin ich froh, dass es immer so viele und so leckere Sachen gibt.
Und man freundlich behandelt wird, man sich selbst aussuchen darf was und wieviel man will.
Man kommt sich ein wenig wie auf einem normalen Wochenmarkt vor, indem man von Stand zu Stand geht...von Gemüse zu Obst, zum Bäcker und zur Fleischerei.
Schon oft hab ich Dinge neu entdeckt...man kann es ja mitnehmen und ausprobieren.
Immer mal wieder gibt es auch sonst kleine Extras wie Waschmittel, Kaffee, frischen Kartoffelsalat, Eis, Putzmittel...

Selbst die Kleiderkammer ist immer gut ausgestattet (die aber zum Teil extra kostet, als kleine Abschreckung, da es immer wieder Geier gibt, die die Sachen bergeweise hinaus trugen).
Alles gespendet oder von den Geschäften als nicht mehr verkaufsfähig eingestuft. Und das ist viel und oft wirklich teure Markenartikel!

Wenn es dem Ende zugeht, sind die Tische meist immer noch voller Lebensmittel und Waren! Dies wiederum kommt einem Kindergarten im Dorf zugute. Nichts wird verschwendet.

Und wenn es trotzdem mal finanziell eng wird, bekommt man auch da (nach Überprüfung) Unterstützung. Sei es für neue Winterschuhe der Kinder, eine Stromrechnung, für einen Umzug, Waschmaschine oder auch mal Fahrkarten.

Ich hatte des öfteren kurze Gespräche mit der Leitung der Tafel.
Sie wollte natürlich ein wenig über mich wissen (wir sind eine recht kleine Truppe, da lernt man sich etwas näher kennen), da ich ja so gesund aussehe, nehmen mir die wenigsten meinen schlechten Zustand ab.
Mit der Zeit nun scheint sie mir zu glauben...jedenfalls kam sie heute auf mich zu:
"Ah Frau Regenfrau! Sie hab ich schon vermisst! Wie siehts denn mit...."
Und es kam ein kleiner Fragenkatalog, ob ich das und jenes schon abgeklärt hätte, wegen meiner Erschöpfung.
Das fand ich nun wirklich lieb. Sie hat sich Gedanken gemacht!
So kamen wir wieder einmal ins Gespräch und ich sagte ihr, was ich diesbezüglich vorhätte.
Sie fragte nach den Kosten.
Ich nannte ihr den Betrag und bekam als Antwort: "Bringen Sie mal die Rechnung mit, ganz bezahlen kann ich es Ihnen nicht, aber da lässt sich sicher was machen!"

Drehte sich um und ging,
während ich mit den Tränen kämpfte...
(weil ich gar nicht auf die Idee gekommen war, (und die Angst zu groß ist ein NEIN zu hören) nach einem Zuschuss zu fragen
und dann entwickelt es sich SO.
Erstaunlich.
Ich bin dankbar.
Sehr.

Kommentare:

  1. Und ich freue mich, dass du darüber schreibst.
    Ich bin in der glücklichen Lage, dass ich dank der nun anstehenden Rente meines mann ab November finanziell abgesichert bin.
    Aber mit meiner kleinen Rente, die unter der normalen Durchschnittsrente liegt, wäre ich wohl auch in deiner Situation.
    Es ist gut dass es die Tafel gibt und auch sonst noch andere Hilfen.
    Aber ich habe auch gelesen und im Fernsehen gesehen, dass es auch viele Betroffene gibt, die sich nicht trauen, diese Hilfe anzunehmen, wohl aus Scham oder falschem Stolz.
    Das finde ich schade !
    Herzlichst
    Jutta

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  2. Natürlich hab ich mich davor als *normale arbeitslose* auch geschämt, deswegen bin ich nicht hin. Anfangs war es auch schrecklich, aber es sind auch immer wieder nette Begegnungen da, die das ganze leichter machen.
    Leider gibt es auch viele Gehässigkeiten und Missgunst , ich versuche mich da nicht zu sehr reinziehen zu lassen, denn das schadet mir nur. Ich freu mich über das was ich bekomme. Es ist genug. Es reicht für alle.
    Und für mich ist das kein Dauerzustand, sobald es mir nur einen tag besser geht, schau ich nach Jobs. :-)
    dann genießt ihr zwei mal die Rente ;)))
    LG

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    1. Wir werden es versuchen ;-) Danke für deine Antwort

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