Mittwoch, 25. Juni 2014

Kinder brauchen Grenzen...

... und Erwachsene ebenso.

Grenzen...das Thema ist immer wieder sehr brisant bei mir.
Ich bin fast grenzenlos aufgewachsen und das beinhaltete Vernachlässigung und Verwöhnung gleichermaßen.
Keiner hat sich mit mir wirklich auseinander gesetzt, geredet, Dinge abgesprochen, erklärt, verhandelt...
Wir (Kinder) liefen einfach so nebenher.
Ich hab meiner Mutter und meinem Stiefvater ständig Geld und Zigaretten geklaut, entweder sie haben es nicht bemerkt (in ihrem Suff) oder wollten/konnten nix machen.
30 Tage unentschuldigt in der Schule gefehlt? Kein Wort.
Wollte ich eine bestimmte Jacke, den Nasenstecker, mit 16J. ausziehen...ich bekam und durfte.
Ich hab mir in einer schweren depressiven Phase einen Stacheldraht um den Knöchel tätowieren lassen.
Dessen Bedeutung wurde mir erst Jahre später klar.

Wenn man sich an Grenzen reibt, erzeugt das auch Wärme.
Bei uns war es sehr kalt. Emotional.

Da mich das Thema immer wieder beschäftigt, fiel mir der Tites des Buches: Kinder brauchen Grenzen, natürlich umso mehr ins Auge. Und so nahm ich es aus der Bücherei mit und las nun sehr lange darin.

Das Buch ist über 20 Jahre alt (aber aktueller denn je) und es  ist kein üblicher Ratgeber. Eher eine Darstellung, ein erklären und aufzeigen.
Sehr warm und verständlich geschrieben. Gar nicht anklagend oder besserwisserisch.

Ich habe viel dabei gelernt. Für mich. Was Grenzen setzen heißt, wie man das machen kann, dass es viel um Eigenständigkeit und Individualität, klar um Nähe-Distanz, um Symbiose, Autonomie und Freiheit ect. geht.
Das ganze erklärt an sehr anschaulichen Fallbeispielen, bei denen ich oft geschmunzelt, aber auch oft geweint habe, weil ich mich so sehr darin wiederfand, in dieser Verlassenheit und dann wieder mit der Erdrückung die Bedürfnisse der Eltern erfüllen zu müssen.
Mein Ich zu entwickeln, ist und bleibt eine stetige Aufgabe.

Als ich anfing das Buch zu lesen, war ich der Meinung, ich könne mir schlecht selber Grenzen setzen.
Dazwischen war ich der Meinung, dass ich mir zu viele setze (naja dass ich recht streng mit mir selbst umgehe, hab ich inzwischen begriffen, abe das ist ja nicht unbedingt dasselbe.)
Inzwischen ist mir klar, dass ich mit Grenzen setzen etwas anderes gemeint habe, nämlich: ich geben einen Befehl an mein (inneres) Kind und das hat das gefälligst zu tun/oder eben nicht:
Das machst du nicht, das jeden Abend und das am besten immer.
Also ein Machtspiel mit meinen inneren Anteilen.
Das gibt immer Streß, egal ob mit inneren oder äußeren Kindern.

Wenn ich neue Absprachen/Verhaltensweisen einführen möchte, tut es mir gut, wenn ich es in derselben respektvollen und warmen Haltung wie der Autor mache:
Erklären, warum ich das möchte. Z.B. weil mir Weizen nicht gut tut und das ruhig auch ausführlicher, immerhin hab ich mich darüber auch viel informiert.
Es dem Kind verständlich machen. Miteinander nicht gegeneinander.
Auch das Kind dann ernst nehmen und auch darüber reden, wenn es über die neue Regel traurig ist oder enttäuscht oder wütend...

Mir tun solche Selbstgespräche (eher innere Auseinandersetzungen, denn ich rede ja nicht wirklich laut mit mir) gut, auch wenn ich sie gern vermeide, weil davor wahrnehmen ansteht: alles was ich in Bezug auf dieses Thema fühle. Und das ist halt oft unangenehm.
Aber wenn ich es wegdrücke, lasse ich mich selbst wieder im Stich....

Fazit: wer innere-Kind/Anteile-Arbeit macht, dem könnte auch dieses Buch helfen.

Kommentare:

  1. Sollte ich mir wohl besorgen, dieses Buch !
    Danke für den Hinweis und deine Erklärung dazu.
    Liebe Grüße
    Jutta

    AntwortenLöschen
  2. Hallo Jutta,
    dann mal: fröhliches lesen ;))

    AntwortenLöschen