Donnerstag, 12. Juni 2014

Adieu


Als ich letztens ein wenig durch die Stadt schlenderte, sah ich an einer Hauswand ganz klein, den Spruch aufgesprüht:
Sei Pippi nicht Annika.
Oh ja...dachte ich erst! Genau!
Ein paar Tage später denke ich: Nö, ich war lang genug Pippi...jetzt ist gut, ich hab so einen Spaß am Erwachsenen-sein...klar wird es auch mal kleine Pippi-Zeiten geben, aber nicht mehr in dem Ausmaß wie früher...und vor alllen nicht in den unpassendsten Bereichen:

Um den Erwachsenen-Teil in mir zu stärken, darum ging es in der Thera. Nicht um alte Wunden anzuschauen, alte Traumata durchzuarbeiten, nein, sondern darum wie ich verantwortungsbewußt und liebevoll mein Leben gestalte und meistere. Im Heute handlungsfähig bleiben.
Zu sehr hatte mein verletztes, ängstliches, wütendes Kind die Oberhand gewonnen.
Es meinte (wie im übrigen ganz real, als ich kind war) sich um allles kümmern zu müssen, hatte fast schon einen Kontrollzwang (das versprach ein wenig Sicherheit), hatte vor vielem Angst und null Vertrauen in sich und der großen, weiten Welt.
Teilweise geholfen hat mir das Buch: erwachsen – von Ashley Davis Prend,
dort las ich einen Auszug von Frank Pittmann:

Das Erwachsenenalter ist befreiend. Erwachsene könnnen sich selbst definieren und müssen sich nicht von denen definieren lassen, denen sie gefallen oder nicht gefallen wollen. Wenn wir erst frei sind, aus eigenem Antrieb, die richtigen Dinge zu tun, dann werden wir diese wahrscheinlich auch tun. Und wenn wir wissen, dass wir das tun, dann hat das viel mehr Kraft, uns glücklich zu machen.
Das Erwachsenenalter ist angenehm. Erwachsene sind geworden, was sie werden wollten. Der schreckliche Kampf mit Veränderungsprozessen in Körper und Seele ist vorüber. Die Angst und Verzweiflung sind fort. Wir sind angekommen. Wir sind in der Welt daheim. Wir können uns entspannen und vor der Schlafenszeit ins Bett gehen, ohne Angst haben zu müssen, etwas zu versäumen.
(auch lesenswert von ihm:

Genauso geht es mir gerade. Nicht jetzt in dieser Stunde. Nein seit Wochen. Eine Gelassenheit, eine Souveränität hat sich in mir breit gemacht, die sich einfach richtig gut anfühlt.
Ich danke meiner Therapeutin, dass sie mich in den letzten 5 Jahren (mit kurzer Pause) beleitet hat, durch sie und mit ihr konnte ich nachreifen und lernen, was es heißt erwachsen zu sein.
Mit mir, meinen Gefühlen und den Lebensumständen angemessen umgehen.
Nun heißt es Abschied nehmen von ihr. Ich lasse ihre Hand los, damit ich ihr nachwinken kann...und die andere Hand wischt eine kleine Träne fort...

Kommentare:

  1. Für mich ist Pippi nicht unerwachsen, sondern absolut selbstbestimmt. Annika ist die Ängstliche , Angepasste und braucht deshalb, genau wie Thomas, die Wildheit von Pippi. Das ewige Kind bleiben, ist, wenn wir für unser Tun keine Verantwortung übernehmen und meinen, immer der andere stärkere muss das für uns tun. Pippi ist stark genug, um sich aus jeder Situation selbst zu retten. Sie ist der Clown, der der Welt den Spiegel vorhält. Sie ist in einem sehr unangepassten, verspielten Sinn äußerst erwachsen.
    Liebe Regenfrau, ich weiss natürlich, was du gemeint hast. Das Leben ist eben was ganz vielschichtiges und es kommt letztlich immer auf den Blickwinkel an ;-)

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  2. Danke Dir für Deinen Blickwinkel, Du hast schon recht und ich bin froh, dass Du weißt wie ich das gemeint hab.
    Herzliche Grüüße und ein schönes Wochenende wünsch ich Dir!

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