Dienstag, 18. März 2014

Liebe Lunge (Teil2)


Los ging es ja mit dem Termin beim Lungendoc, siehe hier:
http://regenfrau.blogspot.de/2014/02/liebe-lunge.html

Der Termin zur Abklärung einer Schlafapnoe liegt in 4 nervenzerfetzenden Wochen.
Also genug Zeit im Internet ALLES drüber zu lesen.
Ich bekomme Gänsehaut in den Augen und Tränen auf der Haut, als ich die Berichte der Patienten lese, wie gut es ihnen mit der Behandlung (meist einer Schlafmaske oder einer kleinen OP) ginge. So frisch und fit sind sie schon lange nicht mehr aufgewacht.

Das will ich auch haben!

Ich bin mir felsenfest sicher, dass ich das auch habe. Ich fühle schon ein wenig die Leichtigkeit, die Freude über ein neu zurückgewonnenes Leben.

Und dann schleicht sich da so ein fieser, kleiner Gedanke ein: Und was wenn nicht? Was wenn du nachts ganz normal atmest und somit keine Schlafapnoe hast? Dann.....japse ich innerlich...dann bring ich mich um. SO will ich nicht mehr weiterleben, es ist eine einzigste Quälerei.
Ich stelle mir ganz genau vor, wie ich es machen würde und das ich davor noch ein wenig mein Leben (und natürlich meine Wohnung) aufräumen würde,  wem ich was als Abschied schreiben würde, ja ich plane meine Beerdigung und stelle mir vor, wie so manch einer reagieren wird.
Auch diese Vorstellung beruhigt mich, macht mich ganz friedlich und gefasst.
Also: Egal wie das Ergebnis ausfällt: es wird auf alle Fälle besser!

Ich erzähle der Thera von der Vermutung einer Schlafapnoe. Auch sie fragt: "Und was wenn nicht?"
Ich zucke die Schulter und flunkere: "darüber will ich gar nicht nachdenken."
"Sollten Sie aber, dann trifft es sie eventuell nicht so unvorbereitet.!
Meine wahren Gedanken sag ich ihr nicht. Ich hab keinen Bock auf dieses Thema und schon gar keine Kraft mich mit ihr drüber zu unterhalten. Es ist mein Leben und außerdem is sie nun 4 Wochen lang nicht da.

Solche Gedanken hatte ich schon jahrelang nicht mehr. Es ist wirklich Alarmstufe rot angesagt. Früher war ich noch so unbewußt und war dann voll in dieses Vorhaben/diese Gedanken verstrickt, konnte gar nicht mehr von außen drauf gucken und wenn dann noch ein „Pickel“ (irgendeine Art von Frust, sei es eine Kritik, eine unvorhergesehene Rechnung, Reparatur ect.) dazu kam, kam es früher zu Kurzschlußhandlungen.
Heute habe ich mich hoffentlich mehr im Griff.

Seit Tagen jeweils über 8Std. Strahlender Sonnenschein und immer über 13 Grad. Die einzigen Wölkchen befinden sich auf meinem Fingernagel. Zinkmangel hab ich also auch.

Ich würd so gern ein wenig radeln, gemütlich spazieren, alle Fenster daheim aufmachen und putzen und das Winterzeug weg und das Sommerzeug herräumen. Aber? Nix is. Komatös lieg ich mal auf der Couch, mal im Bett. Mein Hirn schreit nach Futter, aber ich kann weder lesen noch Rätsel lösen noch mich groß unterhalten. Unterforderung ist genauso schlimm wie Überforderung!

Der fast-große Tag kommt: ich soll das Schlafscreeninggerät holen. Dazu muss ich einfach 30mins mit der Bahn fahren und insgesamt 8,10€ für die Fahrkarte bezahlen.
Auf der Fahrt stelle ich mir vor, wie es dann ist, morgen das Ergebnis zu erfahren.
Wenn es negativ ausfällt (also ich KEINE Apnoe hab) wird es keinen Suizid geben. Denn ich hab ja noch meinen Eisenmangel, der auch  für meinen desolaten Zustand zuständig ist. Ehrlich gesagt, wär ich gar nicht so enttäuscht darüber, denn auf Schlaflabor und Schlafmaske hab ich herzlich wenig Lust.
Also latsche ich in die Praxis. Dort sucht man mich im Kalender vergeblich. Die Schrummsel von Arzthelferin hat mich nicht eingetragen, als ich den Termin telefonisch änderte.
Ich könnt kotzen.
Schlimme Gefühle wegdrücken, sonst gibt’s hier Tote.
Arg gegknickt fahr ich wieder heim. Über ne Std. und 8,10€ für die Katz.
Gebe bestfriend per SMS kurz bescheid. Seine Antwort:
Schönes Wochenende, is ja warm draußen.
Männliches Feingefühl deluxe!
Jetzt ist meine Kotzlaune perfekt!!!

Aber am nächsten Tag dann, geht’s los. Hurra. Davor werden noch 2 weitere Test mit einer äußerst gelangweilten, unsicheren und irgendwie komischen Arzthelferin (das ist bestimmt die Schrummsel!!) gemacht. Als sie mir dann das Schlafgerät erklärt, meint sie: „Haben Sie den Fragebogen zur Tagesschläfrigkeit schon ausgefüllt?“ Ich fass es nicht. Aufgrund diesen Fragebogens bekommt man doch erst das Gerät! Herr lass Hirn vom Himmel fallen.

Die Horrornacht beginnt:
Voll verkabelt leg ich mich schlafen.
Normalerweise habe ich derzeit keine Schlafprobleme. Außer eben, dass der Schlaf keine Erholung bringt (wir erinnern uns: deswegen das Gerät).

Anfangs lief alles gut, ich war müde, der Kasten und die Kabel störten mich wenig, nur schlief ich nicht ein.
Der Puls mochte nicht ruhiger werden.

Dann wurd mir warm und so schiebe ich die Decke ein wenig weg und mir kommt ein alter, muffiger Geruch nach Zigaretten und Männerparfum entgegen. IGITT! Sofort habe ich das Bild eines stark übergewichtigen, kettenrauchenen, saufenden, schwitzenden stark behaarten Mannes , der  auf  abartige Sexpraktiken steht, vor mir, der davor das Gerät trug.
Was meinen Puls nun auch nicht beruhigt.

Nach 3 Std. Wachheit linse ich auf die Uhr und schiebe Panik:
Was wenn ich heute nicht einschlafen kann?
Was wenn ich am Montag völlig geknickt den Koffer mit dem Gerät zurückgeben muss, mit den Worten: konnt nicht einschlafen?
 Man was für ein Versager ich doch wäre!!!
Und das schlimmste: ich wüßte weiter nicht, was mit mir los ist!
Ich muss einschlafen! Das dies kontraproduktiv ist, weiß ich auch.
Ich weiß, man soll es dann mit dem Paradox versuchen: ich darf nicht einschlafen, aber ich kenn ja meinen Körper, der nimmt das dann ernst und pennnt wirklich nicht :-)

Also bitte NICHT an das Gerät  denken. Das klappt ganz gut, ich hab ja Phantasie, jedoch immer so kurz vorm wegnicken.
Kommt mir GERÄT!!! in den Sinn und alles geht von vorne los.
 Och menno.

Kurz nach Mittternacht schalt ich das Ding aus, steh auf trink und ess was, den Tränen nahe...die Anleitung nochmal durchgelesen: ahso, das grüne Licht muss brennen? Äh tat es die ganze Zeit nicht.
Es war also gar nicht an. Warum zeigte es dann aber an, dass die Karte voll ist, die all das aufzeichnen soll? Bei meinem Glück  hab ich ein kaputttes Gerät  erwischt.

Ok einen Versuch noch, das Gerät läuft nun und ich hypnotiesiere mich selbst: ich schlafe ein, ich schlafe tief und fest...
Der nächste Blick auf die Uhr sagt: kurz nach 4Uhr. Gottseidank, fast 3 Std. geschlafen.
Hoffentlich reicht das...

Ich nehm das Gerät ab, jetzt brauch ich richtigen Schlaf. Dreh mich um und träum den größten Scheiß in meinem Leben.
Jetzt heißt es aber noch: Geduld, denn das Wochenende liegt dazwischen...


Ich erfahre das Ergebnis:
JA sieht so aus, als ob ich eine Schlafapnoe habe.
Denn mein AHI-Wert (wie oft man in einer Stunde über 10 sec nicht/zu wenig geatmet hat), beträgt bei mir: 16,2.

Das heißt:
5 -15 = leichtgradiges Schlafapnoe-Syndrom
16 -30 = mittelschweres Schlafapnoe-Syndrom
über 30 = schwergradiges Schlafapnoe-Syndrom

insgesamt habe ich über 87x in der gesamten Messzeit von 5,5 Std. zu wenig bis gar nicht geatmet (also jeweils über 10sec).
Klingt nicht nach so viel.
Wenn man aber bedenkt, dass das jedes mal Streß für den Körper ist mit allen Alarmreaktionen die es so gibt: er erschrickt, der Puls geht hoch, der Blutdruck steigt, teilweise wird man sogar wach, ohne sich zu erinnern, da ist wenig bis kein Tiefschlaf geschweige denn Erholung möglich.

Ich sehe, dass ich auch nur 1 Sekunde geschnarcht habe :-) das zeigt dem Doc, dass nicht ein zusammengefallener Rachen an der Atemnot schuld ist (sonst würde ich schnarchen), sondern wohl meine Nase, durch die zu wenig Luft kommt.
Teilweise ging die Sauerstoffsättigung im Blut auf 86% runter.
Mich wunderts nicht, dass ich da völlig fertig bin.

Nach dem Arzttermin traf ich mich mit bestfriend in einem tollen, sonnenbeschienenen Cafe in Schwabing. TAT DAS GUT! Irgendwie musste ich das erstmal verarbeiten und sacken lassen und er war einfach da, hörte zu, brachte mich zum lachen und meinte nach einer Stunde: "Jetzt haste wieder Farbe im Gesicht!"

Daheim ging ich dann stundenlang den Befund durch und googelte mir die Finger wund. Irgendwie brauchte ich das.
Und es war nicht uninteressant, ich sah wann und wie lange ich rechts/links/aufm Rücken lag, die Pulsbewegungen und eben meine Atemaktivität.

Es kommt ein Mitgefühl mit mir auf, dass ich endlich aufhören kann, mich zu schinden und mich anzutreiben und ein schlechtes Gewissen zu haben, wenn ich wieder was nicht machen kann oder abesagen muss.

Mein Körper kannn sich wahrscheinlich schon seit vielen vielen Jahren nicht mehr richtig im Schlaf erholen!
Er arbeitet jede Nacht schwer.

Acho, ein leichtes Asthma wurde mir ebenfalls bescheinigt, aber damit setz ich mich später auseinander. Eines nach dem anderen.

Kommentare:

  1. Was du zur Apnoe schreibst: mein Freund hatte ein halbes jahr diese Maske. Das Plastikteil im Gesicht war für ihn Horror, dennoch hat die Maske ihm geholfen, so sehr, dass er dann die doppelte Lebensenergie hatte. Vorher war er zu müde, sich nach einem Bleistift zu bücken und jeder Morgen war quälend, so energielos war er. Ich hoffe sehr, dass du dich mal als fit und wach erleben kannst, wenn du die Maske im Einsatz hast. Herzlich, Ursula

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  2. Hallo Ursula, ja genau diese unbeschreibliche Kraftlosigkeit ist so ätzend...und kaum vorstellbar, wenn man das nicht selbst erlebt hat.
    Es liest sich so, als ob er nur ein halbes Jahr die MAske hatte? Dann nicht mehr oder hat er sich danach eher dran gewöhnt?
    Erst wird geguckt warum ich (ja auch tagsüber) zuwenig Luft durch die Nase bekomme, es muss also nicht immer die Maske sein. Nächste Woche weiß ich mehr.
    Im warten bin ich ja schon geübt :)
    LG!

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  3. Ja, er hatte Übergewicht, was ein Grund für die Apnoe war und hat stark abgenommen (Bypass-Op). Es gibt auch noch Schlafspangen, falls du das mal googeln willst.
    Hoffentlich gibts für dich eine Hilfe auch ohne Maske, aber lieber Maske und fit sein, denke ich mal.
    Wir lesen sicher, wie es für dich weitergeht. Lieben Gruss, Ursula

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