Dienstag, 18. Februar 2014

Ein Kneipenabend

Letztens war mir doch tatsächlich mal langweilig.

Och, dacht ich mir so, fragste mal C. ob er Lust aufn Bier hat.
Mit ihm wollt ich schon lang mal was machen.

Wir wohnen beide im selben Dorf und so verabredeten wir uns in der Eckkneipe, die zumindest schon mal neu renoviert ist und keine schmierige Boazn (wie das hier heißt).

Trotzdem fand ich es doof alleine da reinzugehn, er wollt drinnen warten.
Auf der anderen Seite fühlte es sich normal und erwachsen an.
Sich einfach spontan verabreden, schnell was anderes anziehen, nochmal durch die Haare kämmen, Geld und Schlüssel einstecken und in 100m heißt es: Sie haben ihr Ziel erreicht.
Unkompliziert und fast ohne (alten sozialphobischen) Ängste.

Also betrat ich mutig das Geschehen.
Der erste Typ der mich erblickte, starrte mich an, zog mich quasi mit Blicken aus. Die restlichen folgten seinem Beispiel.

Wie vermutet.

Zum Glück fand ich C. gleich und steuerte auf ihn zu.
Alle glotzten nun C. an, den man da drin recht gut kennt.

Ich muss nicht erwähnen, dass ich die einzigste Frau da drin war?
Als ich dann auch noch ein Helles bestellte, warf der Wirt anerkennende Blicke den anderen zu, mit einer Handbewegung zu mir.
Sollte wohl heißen:
" Da schauts her, die trinkt Bier, a gscheids Weib halt."

Ich war schon ziemlich genervt, was sich steigerte da laut im Hintergrund Fußball übertragen wurde.
Na super, murmelte ich in meinen Bierbart, ein Derby auch noch.
Wieder glotzten mich alle an.

Ich bin ja halb in Kneipen, Bierzelten und weiteren Besäufnisoasen aufgewachsen. Ich weiß welche Regeln, Verhaltensweisen und Sprüche da so heimisch sind und immer habe ich mich dem angepasst.
Blöde Kommentare, plumpe Flirtversuche, einen ausgeben, noch nen Strich aufm Bierdeckel...alles kein Thema.
Ich war keine Zicke.
Ich gehörte dazu.
Saufen, rauchen, darten, alles hab ich mitgemacht.

Auch jetzt gehts schon wieder los.
Als einige fluchen, drehen sie sich zu mir um, siezen mich und entschuldigen sich.
Mir egal und genauso schau ich auch drein. Auf Kontakt mit fremden Männern hab ich keine Lust. Da tun sie so charmant und höflich, wo doch sonst nur die Chauviesprüche gelten.
Selbst der Wirt versucht sein bestes und hält die Serviette eine Sekunde lang fest, als ich sie nehmen will.
Haha. Sehr einfallsreich, denk ich und zeige das auch mit Mimik, Gestik und Haltung.

Irgendwer redet dann mit C. und dann mit mir ÜBER C. der da direkt neben mir sitzt. Das is ja total bescheuert und so interessiere ich mich auf einmal brennend für Fußball :-) und glotze in den riesigen Bildschirm.

Ich hab keinen Bock mehr auf die blöden Spiele.
Es fühlt sich gut an, bei mir zu bleiben und nicht wieder nickend und lächelnd mich einzureihen, verbiegen und anzupassen.
Dann bin ich halt ne Zicke.
Ich muss den Kneipenbrüdern nicht mehr gefallen.
Und siehe da, sie checken es und lassen uns in Ruhe.

So wurde es mit C., einer Pizza, einem Hellen und einem Radler, ein sehr angenehmer und lustiger Abend.
Natürlich ohne Rauch.
Ich will es nicht mehr
und die Kneipe darf es nicht mehr.

Diese Kneipenwelt ist nicht mehr meine (war es wohl auch nie).
Zum Glück.
Und zum Glück hat mich dies Umfeld, die Männer, die Sprüche auch nicht getriggert.
Trotzdem wird es nicht meine Stammkneipe.

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