Samstag, 18. Januar 2014

Wut

Kurz nach Weihnachten fing es an:
Schlechte Laune.
Niedergeschlagen.
Mir war fad.
Ich war fad.
Und wütend. Oh konnte ich wütend werden! Natürlich nur innerlich. Aber wegen jeder Fliege, wegen jeder kurzen Wartezeit, wegen jedem Geräusch meiner Nachbarn.
Scheiße, dachte ich. Was soll das?
Angst bekam ich. Bitte, bitte, es soll nicht wieder losgehen.
Meine Therapeuutin half mir NULL. Im Gegenteil, sie provozierte mich noch mehr.
Das schlimmste: Ich wußte den Auslöser nicht.
Rätselte. Vermutete. Stocherte herum. Nix.

Gestern suchte ich ein Lied, das ich hören wollte.
Es spielte sich schon ständig in meinem Kopf ab, aber ich wollte das Original hören.
Und fand es nicht.
Da war sie wieder. Diese Wut und dieser immense Druck voller Unruhe in mir. Am liebsten hätt ich meinen Tisch zu Kleinholz verarbeitet.
Auch alte Süchte meldeten sich schon seit 2 Wochen wieder: Vom ständigen Kaffee trinken, über Kaufsucht bis hin zu stundenlangem vorm-Pc-hocken und Filme schauen und wehe ich fand keinen passenden! Der Rauchdruck war sehr klein, quasi nicht vorhanden, es waren eher die Gedanken an Zigaretten vermehrt vorhanden Die drohende Leere bzw. die Angst was sich zeigt war gefühlt sehr gefährlich!
Heute morgen suchte ich das Lied weiter.
Nix.
Meine Wut wurde immer größer. Ich immer verzweifelter.
Wegen einem Lied???
Moment mal... vielleicht gilt die Wut für was ganz anderes!!!

Und da ploppte die Erkenntnis hoch:
Der Brief meiner Mutter!
Als ich aus meinem Weihnachtsurlaub heimkam, lag er in meinem Briefkasten.
Eine Karte befand sich drin, in der auf der rechten Seite fast dasselbe stand, wie auf der linken, was ich schon höchst komisch fand. Auch die Schrift ließ auf einen nicht mehr nüchternen Zustand schließen.
Aber der Inhalt war einfach unerträglich.
Wieder mal die alte Leier.
Ich solle ihr verzeihen, sie habe mich ja so lieb, sie bettelte regelrecht um Kontakt ect...pp...
Ich spürte, dass es natürlich wieder mal nicht um mich ging, sondern um sie. Gäbe ich ihr die Absolution sozusagen, dass alles wieder gut wäre, wäre sie glücklich.
Nix tut ihr leid, weil sie wahrscheinlich in ihrem versoffenen Hirn noch gar nicht erahnen kann, was sie eigentlich angerichtet hat.
Aber es geht gar nicht so sehr um früher.
Ich will sie ja mit dem Kontaktabbruch nicht bestrafen.
Es geht mir darum, dass ich nicht weiter von ihr verletzt werden will. Heute!
Und den letzten Satz schrieb ich ihr auch.
Sie hat alle Chancen, jemals eine gute Beziehung zu mir aufzubauen, mit Füßen getreten. Viele Chancen einer Wiedergutmachung oder dass sie mir zeigen konnte, dass sie es nun anders machen will hat sie zerstört.
Jetzt ist es gut. Ich habe keine Lust mehr.
Viel zu oft immer wieder geplatzte Hoffnungen.
Ich ertrage es nicht mehr.

Und all diese Wut über ihre Lieblosigkeit, dafür dass sie meine Liebe, mein Urvertrauen, meinen Selbstwert, meine Seele dermaßen zerstört hat, durfte ich nie fühlen.
Weder von der gesellschaftlichen Seite "Ehre deine Eltern, damit du lange lebst!" noch von der elterlichen Seite wo jegliche Gefühle egal in welchem Bezug sowieso verboten waren!

Dieses alte Muster sprang bei dem Brief natürlich sofort an. Die Wut darüber nicht fühlen zu dürfen, nieder drücken.
Traurigkeit war natürlich auch da. Eine Trauer nie die Mutter gehabt zu haben, die ich gebraucht hätte, mit Wärme, Verlässlichkeit, Geborgenheit, Sicherheit.

Jetzt lasse ich die Wut da, schau sie an.
Und das wichtigste: ich lasse sie da sein und atme, kümmer mich um mich und versorge mich und den kindlichen, bedürftigen Teil.
Mehr muss ich nicht tun.

Doch.
Noch einen Kaffee trinken. Der letzte für heute.

Kommentare:

  1. gut so! sehr sehr gut! weiter so! fühl dich gedrückt...wenn ich darf?!

    liebst,
    "Eva"

    AntwortenLöschen
  2. danke :-)
    da merk ich wieder wie gut mir die 2 Jahre Kontaktpause, die wir schon hatten, gut tut.
    bye *zurückdrück*

    AntwortenLöschen