Samstag, 12. Oktober 2013

Bayrischer Humor

Gestern sah ich einen Film: Wer hat Angst vorm weißen Mann.
Eine seichte, aber gut gemachte Komödie, in der es um eine Familie geht. Der Vater kommt nach einem Schlaganfall heim und ist gar nicht glücklich, wie seine Tochter den hauseigenen Betrieb (Metzgerei) weitergeführt hat. Unter anderem stellte sie als Hilfe einen dunkelhäuigen Mann ein.
Der Vater empfand das eine Ungeheuerlichkeit, denn für ihn waren schon die Menschen aus der Nachbarstadt Ausländer und damit unter seiner Würde.
Durch einen blöden Unfall in dem der schwarze Mann und der Vater verwickelt waren, starb der Vater.
Sein Geist blieb aber da und den wiederum konnte der Schwarze sehen und hören.

Früher fand ich so bayrisch-derbe Schimpftiraden (wie ich sie auch von meinem Vater kenne) lustig.
Im Film hörte ich seit langem mal wieder diese typischen Schimpfwörter, was mich an meine früheste Kindheit erinnerte (aber in einem lustigen Zusammenhang).

Gestern fand ich das alles gar nicht mehr lustig.
Es ist, was es ist: Beleidigung, Rassismus, Demütigung.
Der Vater im Film konnte seine Schwäche und Hilflosigkeit nicht annehmen (er hatte durch den Schlaganfall Folgeschäden)und ließ seinen Ärger und Wut an Schwächeren aus.
Wie mein Vater.

Ein weiterer Kommunikationsstil fiel mir auf:
Das widerliche double-bind!
Der Vater im Film macht ständig seine Umgebung zur Sau.
Wehrte sich sein Gegenüber, hieß es lapidar: "Jetzt spiel dich ned so auf. Mach kein Geschiß drum!"
Ging sein Gegenüber einfach weg, hieß es wieder abwertend: "jetzt sei doch nicht gleich so beleidigt!"
Man macht es nie richtig.
Egal was man tut, der andere haut einem nochmal eins drüber.

Der Schwarze macht das, was wohl am meisten hilft: Er lässt sich von dem tyrannischen Vater nicht mehr einschüchtern.
Er blamiert ihn auch mal, macht das was er für richtig hält und steht selbstbewußt dazu.
Denn im Grunde, ist ja der Vater auf ihn angewiesen (da er als Geist ja nicht mehr den Betrieb retten bzw. seiner Tochter helfen kann, so muss es der schwarze Mann mit Anweisung vom Vater tun).

Mir wurde dadurch einfach nochmal bewußt, was für eine Stimmung in unserer Familie herrschte (jeder gegen jeden und andere immer schön klein halten).
Und wie mein Vater tickt, der auch seine Schwäche und Fehler nicht annehmen kann und andere angreifen muss, um sich besser zu fühlen. Auch er war auf mich angewiesen. Er hatte keine andere Bezugsperson.
Auch ihm konnte ich nie etwas richtig machen. Immer gab und gibt (aktueller Brief von ihm) es etwas zu meckern. Den anderen fördern? Loben? Stärken? das kann mein Vater nicht. Da würde seine Angst zu groß, dass der andere größer als er, werden könnte.

Allerdings hab auch ich gemerkt, dass es mir mein Vater auch nicht recht machen kann. Als ich ihm sagte, dass ich erst mal keinen Kontakt haben möchte, nahm er das klanglos hin.
Das irritierte mich, ja wie...kämpft er nicht um mich...? Macht ihm das nix aus? Wieso schweigt er jetzt?
Hätte er sich gemeldet, wär ich sauer gewesen, dass er meine Grenzen nicht respektiert.

Wir sitzen beide auf einem Pulverfass, dass beim kleinsten Funken in die Luft fliegt.

Kommentare:

  1. Liebe Regenfrau,
    mich berührt das immer sehr,wenn du über deine Beziehung zu deinem Vater schreibst! Mir erscheint es wie eine große Wunde, die nie zuheilt!
    Kennst du Phyliss Krystall und ihre Heilmethode, mir hat sie sehr geholfen!
    Ganz liebe Grüße
    Ucki

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  2. Hallo liebe Ucki,
    ich empfinde das gar nicht als große Wunde...irgendwie...eher wie ein Minenfeld, an dem jeder Schritt falsch ist und wieder irgendwas in die Luft fliegt.
    Ne kenn ich nicht, werd ich aber mal schaun.
    Danke!

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