Freitag, 27. September 2013

Ich bin wie ich bin

 
Ich hörte von einigen Menschen, wie befreit sie waren, als sie von ihrer Hochsensibilität erfuhren. 
Ich las auch viel über Hochsensibilität, ja wußte auch, dass ich es bin...aber wo war die Erleichterung über das Wissen?
Jetzt erst kam sie. 
Mithilfe des Buches: 
Ich bin wie ich bin – Hochsensible Menschen erzählen aus ihrem Leben.

Alle anderen Schriften zu diesem Thema waren eher wissenschaftlicher Natur.
Diese Interviews sind für mich Gold wert! 
Irgendwie legte sich in mir der Schalter für Bewußtsein um. So viel nicken und schunzeln bei den gelesenen Interviews!

Ich erkenne viel mehr Situationen im Alltag wo mein Nervenkostüm wieder Achterbahn fährt und ich mich verwirrt, vernebelt, schummerig, angespannt, nervös, schwitzig fühle.
So viel Erkennen! So viel mich endlich verstehen!

Was mir in dem Buch fehlte war eine Person die sowohl High-Sensation-Seeker als auch Hochsensible Anteile in sich hat. Also der Wunsch nach Abenteuer, Adrenalin und aber auch die schnelle Reizüberflutung bzw. Überlastung des Nervensystems.
Ich habe beide diese Anteile und so ist es noch wichtiger für mich, gut für mich zu sorgen.
Sehr anschaulich am Beispiel Hamburg-trip: Von all den neuen Eindrücken und der Aufregung (positive!) und gucken wie ich fahren/gehen muss, war ich schnell überreizt. Das Wissen darum, dass mir nur absolute Ruhe hilft (mein Gott was hab ich Zeit und Geld ausgegeben, um herauszufinden wie es mir besser gehen könnte, dabei ist es das einfachste und kostenfreiste auf der Welt!) gönnte ich mir jeden Mittag 1-2 Stunden Ruhe in der Wohnung mit selbst gemachtem Essen und dann ins Bett legen. Ich muss dazu nicht schlafen. Nur Augen zu und auf den Atem konzentrieren und das alles gut ist.

Auch nach der Ankunft zwang ich mich erst ins Bett, weil ich wußte danach geht es mir besser, dann kann ich immer noch einkaufen, das läuft mir nicht weg.
Das innere mit mir reden, ließ mich auch lockerer werden.

Jetzt hilft es mir oft in hektischen oder lauten Umgebungen mich zu sammeln, mich zu zentrieren und nur auf das schauen was vor mir ist oder eben gerade wichtig.
Das zu filtern und auszusortieren kann man lernen und üben. Denn diese Filter fehlen den Hochsensiblen. Deswegen strömt alles in sie hinein, alle Sinneseindrücke (und eigene Gefühle, Gedanken) hinterlassen einen tieferen Eindruck als bei den Normalsensiblen.

Ich erlebte die Hochsensibilität immer als störend, als etwas was weg soll, weil es mich im Leben behindert.
Jetzt erst habe ich auch die Stärken kennen und achten gelernt.

Kommentare:

  1. I am what I am and what I am needs no excuses ..

    Wünsche dir gutes Erkennen deiner Bedürfnisse, ganz viele Erkenntnisse und immer weniger Angst, Scham und Ratlosigkeit! Befinde mich auch auf diesem Weg. An der Scham arbeite ich noch feste …

    Scheinbar bin ich auch beides, hochsensibel mit Lust auf den Thrill … Schön beschrieben!

    Lieber Gruss

    Anne

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    1. Hallo liebe Anne,
      ja vor allem ACHTEN der Bedürfnisse und wenn es eine ruhige Ecke am quirligen Hauptbahnhof ist oder sich in der Bahn umsetzen, oder in der Wohnung mal die Rollos runterlassen usw.
      Da ist viel mehr Wohlbefinden...

      Gutes weiterkommen auch auf Deinem Weg!

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  2. ich leg mich auch oft einfach eine stunde hin, wenn mir mal wieder alles zu viel wird.
    magst du das buch vielleicht ausleihen/weitergeben, wenn du es gelesen hast? ich würde mich sehr darüber freuen
    :-)

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    1. Meine Lieblingswörter: geht schon noch.
      Krabbel zwar schon am Boden aber x und y schaff ich schon noch..muss ich schaffen.
      Das sag ich ja auch nicht zum Auto:schaffste schon noch, sondern fahr zur Tanke und lade es wieder neu auf ;-)
      LG

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  3. Nicht zu verwechseln: Hochsensiblität mt "Überempfindlichkeit/Selbstwertproblem".

    Bei dem einen will "Mensch" einfach nur noch "alle Reize - und das meint wirklich ALLE - weghaben und seine Ruhe.

    Bei dem anderen, möchte Mensch einfach nur, dass die Welt doch gefälltigst endlich so zu ticken hat, wie er sich das vorstellt...und na ja, alle Reize die das stören: Bitte raus!

    Wird gerne mal verwechselt, wie ich bei der Beschäftigung damit feststellen durfte.

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  4. nein ich glaube nicht dass HS alle Reize weghaben wollen, das wäre ja wie der Tod. Alle Reize weghaben wollen, klingt eher nach Depri.
    Es geht um ein anderes Maß der Reize (Menge/Intensität)und die anderen: klar die gibts immer und überall.

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  5. Natürlich will auch ein HS nicht immer alle Reize weghaben, aber im Zustand der akuten Überreizung meiner Meinung nach schon. Denn in diesen Zuständen fühlt sich jeder - auch noch so belanglose - Reiz ein wenig an wie der Tod. Einfach viel zu viel. Zumindest kenne ich das von mir und auch aus Berichten anderer so. Da ist dann einfach alles ZUVIEL. Egal wie positiv es eigentlich ist. Da ist dann einfach erst einmal "verarbeiten" angesagt, und bis das nicht geschehen ist bitte möglichst "reizarm".

    Ich habe einen interessanten Radiobericht über den Unterschied zwischen introvertierten und extrovertierten Menschen gehört, vor kurzem. Und demnach ist es wohl so, dass zB. ein introvertierter Mensch aus sich heraus (also alleine aufgrund seiner "Hirntätigkeit") eine so hohe innere "Aktivität" hat, dass alles von außen dann schnell zu Überforderung führt. Bei den Extrovertierten ist es genau andersrum, die brauchen ständig "Input" um erst einmal in "Bewegung" (also auch wieder in Bezug auf die "Hirntätigkeit") zu geraten. Fand ich sehr interessant.

    Mir persönlich fällt bei Dir eben auf, dass Du Dich gerne in Sachen "reinsteigerst". Mal ist es das Kortisol, dass für alles "verantwortlich" ist, und jetzt gerade ist eben die vermeintliche HS die Antwort (und der "Schuldige" für) auf alles. Und das finde ich einfach zu schwarz-weiss und zu einfach. Zumal Du auf mich eben nicht wie jemand wirkst, der tatsächlich - organisch - hochsensibel ist.

    Trotzdem denke ich: an beidem wird irgendwie ein Stück weit was "dran" sein (also sowohl am Kortisol als auch an der Neigung zur HS, das sind halt auch "ganz normale" Traumafolgeerscheinungen, leider), aber nichts davon ist DIE "Antwort", nach der Du für Dich suchst, meiner Meinung nach.

    Aber nun ja, da gilt einfach wie immer:

    "Take it. Or leave it. Your decision."

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  6. Ja in der totalen Überreizung stört die Mücke an der Wand, das stimmt.
    Zum Thema introvertiert: kennst Du das Buch STILL? Sehr empfehlenswert...
    Mit dem reinsteigern hast Du schon recht, ich habe eben immer nach DER Antwort gesucht, warum es mir so geht, wie es mir geht, aber es gibt wahrscheinlich mind. 10 Gründe dafür.
    Aber das mit der HS ist tiefgreifender, ähnlich ging es mir als ich von erwachsenen Kindern von Alkoholikern las und dann in deren Gruppen ging. Ganze Himalayagebirge purzelten da von Herz und Aug.
    Das ich manchmal nicht so hochsensibel erscheine (ich sags nochmal: hier im Blog ist nur ein winziger Auszug aus meinem Leben!) liegt an dem sehr aktiven Teil, der gern mehr Action braucht, sehr neugierig ist und vieles ausprobiert. High Sensation Seeker.

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