Mittwoch, 18. September 2013

Hamburg

Endlich habe ich es geschafft:
Ich war in Hamburg! Lange geplant und noch viel länger gewünscht!

Los ging's am Freitag den 13.
In der Nacht wachte ich von Böllern und Raketen auf, sah einem kleinen Feierwerk zu und schlief selig weiter.
Welch ein Auftakt für meine kleine, feine Reise!
(klick ins Bild = größer)

Abfahrt:

Wer hochsensibel ist, sollte sich einen Platz hier reservieren:
Ein 6er Abteil mit Platz am Fenster in Fahrtrichtung.
Von den 6 Stunden Fahrtzeit hatte ich diesen Traumplatz über 3 Stunden für mich alleine. Herrlich :-)
Ankunft:
Alles lief reibungslos, meine Aufregung hielt sich in Grenzen, da mein Selbstvertrauen recht gut war: Irgendwie komm ich da schon durch.
Wenige Minuten später Ankunft in der Unterkunft.
Im 18.Stock. Jawoll. Man gönnt sich ja sonst nix:


Diese Aussicht....
genau, da links das ist die Außenalster und da marschierte ich auch gleich hin:

Hinsetzen, einatmen, Tränen kullern lassen vor Dankbarkeit und Freude, dass mir diese Reise endlich finanziell und psychisch überhaupt möglich ist!
Das tolle in der Fremde: Da is es mir scheißwurscht, was die anderen denken und so schniefte ich  vor mich hin :-)
Den Rest des Tages verbrachte ich mit Essen einkaufen, Wohnung einleben und die Badewanne genießen! Ein Traum! (Ich hab ja keine).
Geschlafen wie ein Bär.

Tag 1:
Diesmal ein Blind-date mit einer Frau! Mit einer Bloggerfrau! :-) Rostkopp live und in Farbe! Hat mich sehr gefreut und die Zeit mit ihr hat auch sehr viel Spaß gemacht! Danke nochmal *rüberwink*.
Wir waren an den Landungsbrücken
und fuhren die Elbe rauf und runter, gingen spazieren und genossen Franzbrötchen! Perfekt!
Nachmittags nochmal an die Alster:
Auch wenn es duster aussieht, ich wurde nie naß und mein Schirm blieb immer in der Tasche. Ich ging da ein wenig spazieren und ärgere mich noch heute, dass ich die spontan angebotene Führung im islamischen Zentrum und der blauen Moschee nicht angenommen habe. Man bereut selten das was man getan hat, sondern eher das, was man NICHT getan hat. Find ich.
Bin dann noch ein wenig herum geschlendert, an den ganzen Villen vorbei und mal rechts und mal links. Bis mir die Füße wehtaten und ich nach der nächsten Bushaltestelle Ausschau hielt. Und wer steht da?
Eine junge Frau in bayrischer Tracht. Tztztz...Da ich mich nicht wieder ärgern wollte, weil ich etwas NICHT tat, sprach ich sie kurzerhand an und wir hatten sehr viel Spaß zusammen. Stolz verkündete sie mir, dass sie jetzt aufs Oktoberfest fahre! (das gibts dort auf einem Parkdeck 4 Wochen lang!!)
Ne, was hab ich gelacht. Bin ich mal weit weg von München, läuft mir die Wies'n übern Weg...
Aufm Heimweg eine Jacke gegönnt: (wird glaub ich so ein Liebhaberstück)
Später  die Kunst des Zen geübt:
Diese minimalistische Wohnung hatte es mir angetan! Ein Traum! Ich liebe ja schon immer freie Flächen und klare Formen, aber selbst dass die Bettwäsche kein Muster hatte, gefiel meinen Nerven ungemein gut.
Da konnte ich mal ausprobieren, wie es ist, mit wirklich wenig zu leben. Und WIE gut mir das tat! Habe mich zuhause ja nie getraut. Immer lauerte die Angst: Brauchste noch oder: wirkt ungemütlich.
Nun habe ich den Schalter gefunden. Es wird sich einiges verändern bei mir und in meinem Umfeld.
Dazwischen immer wieder das Wetter beobachtet:


Abends wieder in die Wanne, lautstark meine Lieblingssongs mitgesungen:



danach lecker gekocht und gegessen, getanzt, mich rundum wohl gefühlt, gefreut, gelesen, mit bestfriend telefoniert und glücklich eingeschlafen...

Tag 2:

Davon gibt es keine Fotos.
Ich traf eine Seelenfreundin, die ich fast auf den Tag genau vor 6 Jahren, auch auf einer Reise (in die Klinik) kennenlernte. Dort waren wir für 6 Wochen. Viel Freude, viel erzählen, ein Gefühl, als wären wir jeden Tag zusammen. Ganz toll!
Wir schlenderten durch die Speicherstadt und gingen dann rüber zum "Michel". Und manche Dinge muss man nicht planen (ich wollte mich sowieso mehr treiben lassen und schauen was mir das Leben so präsentiert, also schenkt.)
Da hörten wir, dass in wenigen Minuten die Mittagsandacht statt findet. Ein Blick zur Freundin: Alles klar, machen wir mit.
Entspannen, schauen, der Orgelmusik lauschen, der Andacht lauschen, ein Lächeln, alles so passend. Thema war die immer größere Vereinzelung in den Städten, immer mehr Singlewohnungen, alt und junge. Es war nicht anklagend, es regte einfach ein wenig zum nachdenken an. Der Pastor brachte die Beispiele vom verlorenen Sohn und dem verlorenen Schaf. Dann wieder ein Musikstück von Bach. Es tat gut, in all der Hektik und dem Gewusel ein wenig Besinnung zu finden.

Nachmittags gönnte ich mir eine Stadtrundfahrt mit dem roten Doppeldecker. Natürlich saß ich oben in der ersten Reihe. Man könnte auch sagen: Ich sah Hamburg fast nur von oben :-)
Ich fand solche Touristenangebote ja immer was für Seniorengruppen und/oder spießig. Weit gefehlt! Es war sehr interessant und wirklich unterhaltsam.
Ich kam auch hier immer wieder mit anderen Reisenden ins Gespräch, was ich sehr genoß.

Abends, wieder im gemütlichen Sessel und dem Wolkentreiben zusehend, wollte ich ein wenig Radio lauschen.
Da kam ich auf eine Sendung: Verlassene Eltern. Oh wie passend.
Noch vor wenigen Monaten hätte mich das Thema zu sehr aufgewühlt, ich hätte die Kommentare von den Müttern nicht ausgehalten. Jetzt konnte ich mit emotionalem Abstand zuhören, vor allem was der Psychologe dazu sagte.
Es tat mir gut und ich weiß, dass für mich der Kontaktabbruch wirklich lebensnot-wendig war.
Jetzt erlebe ich viel weniger Not. Viel weniger Leid. Ich habe es abgewandt. Ich bin weniger im Groll. Es ist einfach so, wie es ist.
Ich verstehe alles immer mehr und besser. Sehe auch die Lage meiner Eltern.

Morgen gehts weiter mit Tag 3 und Abfahrt.

Kommentare:

  1. danke für den schönen reisebericht :-)
    das kommt hier sehr erholsam an:
    „Das Reisen führt uns zu uns zurück.“ (Albert Camus)
    ich muss auch dringend mal wieder weg hier .... reisen ist mein einziger lebenssinn und zweck, und ich leide sehr darunter, aus finanziellen gründen zwangssessHAFT zu sein

    liebe grüße!

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  2. Oh danke für das Zitat..wie wahr wie wahr!
    Und: reisen verjüngt, ich wurde 2x beim Eintritt gefragt, ob ich denn einen Studentenausweis hätte ;-)
    was ich sehr empfehlen kann ist: airbnb.de Da findet man sehr günstige Zimmer.

    Liebe Grüße

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  3. Der Reisebericht liest sich gut! Es freut mich, dass du es so geniessen konntest.. Genau am 13. bin ich von Hamburg zurückgefahren via Basel nach Bern ;)

    LG Anne

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  4. Das ist ja echt ein Zufall...
    aber meine Güte, wie lang warst Du denn unterwegs dann?
    Dann haben wir also nun den Hamburgvirus *g*

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  5. Also von Bern an die Ostsee (Ahrenshoop, Fischland-Darss)hatte ich 12h Fahrt (inkl. Taxi). Von Hamburg nach Bern sinds etwa 7 bis 8h. ^_^

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