Mittwoch, 4. September 2013

Gedankliche Wanderung

Wenn ich schon nicht körperlich Berge erklimmen kann,
tu ich es halt geistig.
Und als ich da auf so einer hübschen, weichen Wiese saß, um mich herum nur weite Felder, hinter mir ein kleiner Mischwald, da dacht ich so:
Wenn die Gedanken wandern wollen,
braucht es Weite und keine engen Räume.
(vor allem auch, weil zuhause, mal wieder der übereifrige Hausmeister mit dem Rasenmäher herum rauscht).

Ansonsten geht es mir wieder gut.
So richtig gut.
So ganz erdig fühl ich mich.
So gut geerdet.
So, alles ist gut.
Ich bin mit mir im Reinen.
Ich ließ mich in meinem Tempo sein und stelle immer mehr fest, dass mein Tempo ein sehr langsames ist.
Jetzt ist das in unserer westlichen Zivilisation nicht gerade das gern gesehenste, wenn der Fahrer vor einem dahin kriecht, man sich Zeit lässt beim Geld raus suchen und beim gemütlichen schlendern in der Einkaufspassage.
Da meint man schon, dass Langsamkeit ja so richtig pfui sein muss!
Den "Langsamen" passieren aber weniger Fehler.
Sie arbeiten genauer.
Sie nehmen Dinge am Wegesrand (auch metaphorisch gesehen) wahr.
Sie sind entspannter, gemütlicher und gelassener, haben auch für ein kleines Geplauder noch Zeit.
Ein Hoch auf die Menschlichkeit.

Ich habe auch festgestellt, dass ich auch gern in Gesprächen gern mehr Langsamkeit hätte. Aber ohweh undenkbar! Sag mal nix, da wirste gleich zugequasselt oder es wird nervös nachgefragt, ob man da jetzt nix zu sagen hätte oder alles verstanden hätte oder am schlimmsten das Gesagte wird nochmal wiederholt!!!
Wenn ich etwas höre vom anderen, hätt ich immer gern eine Pause, um das Gesagte sacken zu lassen. Denn ich höre nicht nur mit 2 Ohren, sondern mit 4!
http://www.vier-ohren-modell.de/
Wenn ich mit all diesen 4 Modellen gleichzeitig höre, braucht es erstmal eine a) Verarbeitungszeit und b) eine Zeit um heraus zu finden auf welches Modell ich antworte und mit was! Dabei wollen ja auch noch die Konsequenzen bedacht werden und schon läuft mein Hirn auf Hochtouren.
 Vor allem schau ich dem Gegenüber auch nicht gern in die Augen, wenn ich rede, weil das nochmal ein visueller Reiz ist, das ist mir das erste Mal in der Therapie aufgefallen!
Wenn dann noch ein lautes Radio im Hintergrund dudelt, ich schauen muss, dass ich noch die Bahn erwische oder mich das Gesagte irgendwie emotional trifft (mir das z.B. peinlich ist) ist es aus. Rotes Licht! Pause! Ich muss mich erst sortieren.
Das sieht beim Gegenüber aus, als hätte ich ne "lange Leitung" weil ich grübelnd vor mich hinstarre (nicht immer).
Dabei ist es ganz anders, es rauschen nur viel mehr bits und byts durch die eine, ganz normale, Leitung.
Da gibt es schon mal eine Überlastung.

Der ich am besten die wilde, freie, menschenleere Natur entgegen setze.
Um mich zu erholen.

Kommentare:

  1. hey du ;)

    mit geht es genauso wie dir, super beschrieben haste das...das zugequasselt werden hasse ich auch, wie die Pest, als ob man nicht einfach so zusammen sein kann, die meiste Kommunikation findet ohnehin nonverbal statt!!!

    aber es gibt sie halt, diese Plauderer....und ich mach gerne einen weiten bogen um sie!

    bei mir kommt noch dazu, dass ich in manchen (Gesprächs-)Situationen noch das Gefühl habe zu ersticken, also während ihc die andere Person anschaue kann ich nicht Luft holen, muss immer weggucken und am besten auch körperlich viel Abstand haben, und frontal gegenüber sitzen ist für mich stress pur, am besten ist es wenn man gemeinsam spazieren geht und in die gleiche Richtung blickt....

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  2. Huhu!
    Meine Thera war letztens da auch schlimm.
    Dinge die ich schon längst kapiert hatte, erklärte sie ewig und 3 Tage. Ich schweig dann auch immer, weil ich WEISS, wenn ich was sage wird das so lauten: JA man hab ich doch kapiert..das ganze sehr laut und sehr schnippisch...aber ich könnt nicht anders.

    Genau das spazieren gehn hilft mir da auch sehr, mag ich auch und hasse die Minitische wo man sich gegenüber sitzt.
    Wenn man das mal bei Tieren beobachtet: Die gehen/stehen/sitzen sich nur im direkten Kampf gegenüber, meist zeigt man eher seine Seite oder so.
    Und ich würd auch gern meine sehr langen Arme öfter mal ausbreiten, mich einmal im Kreis drehen und schreien: DAS hier ist meine Privatzone, da hat kein Knilch was zu suchen!
    Vor allem in der vollen Bahn ;)

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  3. die hört sich aber nicht nett an deine Theratante! überhaupt nicht empathisch?

    das mit den Tieren stimmt, frontal gegenüber ist immer Kampf, hat auch viel mit psychologie zu tun, mit kon-front-tieren! ich beneiden menschen die das können, und intensiven augenkontakt genießen können! hatte das schon ewig nicht mehr *schluchz*

    fühl dich umärmelt Seelenschwester

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  4. Nenene, ich glaub da haste was falsch verstanden: Wenn ICH dann was sage würde ICH sowas sagen: total genervt eben, irgendwas raushauen, hab schon kapiert..und so.
    So schweige ich, weil ich ja nicht pampig werden will.
    Das schweigen interpretiert der andere als nicht-verstanden, erklärt also nochmal.

    Also konfrontieren ohne in schlimme kindl. Angst zu rutschen hätt ich auch gern!
    Intensiven Augenkontakt...ne brauch ich nicht.

    LG

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