Samstag, 17. August 2013

weniger scharfes Ungarn

Schon lange nicht mehr gehabt: Magenbeschwerden.
Irgendwann meldet der sich einfach, wenn man nur lange genug zu süß und fett und zu heiß und schnell isst.
Das ganze noch garniert mit ein wenig Streß....voila hier hätten wir dann Sodbrennen, aufstoßen usw.
Ich war immer so stolz auf meinen Saumagen. Der so viel verträgt.
Ich glaub ich muss mich bei dem mal entschuldigen, dass ich ihm so viel zugemutet habe.
Also: Schonkost. Und Ruhe. Und so.

Gestern bin ich fast über eine Frau gefallen. Ich sah sie schon von weitem, wie sie da in der kleinen Einkaufszone saß, mit ihrem Kartonschildchen vor sich.
Eine Bettlerin. Frauen sieht man ja selten so offen betteln.

Sofort registrierte ich die Reaktionen der anderen Menschen: Kurz verschämt hingucken und dann auf den Boden starrend vorbei hechten oder nur letzteres.
Während ich noch kurz überlegte, auch schnell wegzuschauen kam ihr Hund (ein Maltesermischling) auf mich zugerast. Bellend.
Aber nicht böse. Die Bettlerin sprang erschrocken auf, nahm den Hund, sah mich entschuldigend an und redete kauderwelsch auf mich ein, während ich ihr zu vermitteln versuchte, dass alles ok ist und langsam weiter gehen wollte. Da verhedderte ich mich in der Hundeleine und flog...fast.

Der Hund sah mich mit Menschenaugen an. Sehr lange. Ich hätte gern noch weiter hinein geguckt, wenn ich nicht Angst gehabt hätte, wie das der Hund auffasst (auch wenn ich eine Ahnung hatte, dass  er sich nicht bedroht fühlte dadurch).
Ich kraulte ihn. Auch sehr lange.

Mit der Frau kam ich ins Gespräch. Was man so Gespräch nennen kann, wenn man die jeweilige Sprache des anderen nicht versteht.
Sie war nicht verbittert oder zornig, sondern einfach unglaublich traurig.
Aus Ungarn sei sie, da gäbe es ja keine Arbeit, die Kinder, zwei Stück, musste sie zurück lassen. Ich fragte lieber nicht nach, wie alt die sind.
Der Wunsch ein neues Leben im goldenen Deutschland anzufangen...gescheitert...
Ihre Haare glänzen, ihre Augen sind umrahmt von tiefen Schatten, sie wird auch so um die 30 sein, wenn nicht noch jünger.
Ich verkneife mir, zu erzählen, dass ich Ungarn nur aus dem Urlaub kenne...darf man einer obdachlosen Frau von solch Luxusdingen erzählen?
Ich schweife um auf den Hund, frage nach Namen und Alter, da lächelt sie und nun kraulen 4 Hände das kleine Fellbündel.

Die Blicke der vorbei hastenden Menschen spüre ich auch jetzt. Sie trauen sich jetzt offener hinzuschauen...was ich da denn mache.
Ja was soll ich denn machen...ihr Geld geben...ich weiß nicht, das ist immer so...peinlich?
Auf ihrem Schild lese ich: Habe Hunger.
Logisch. Auf der Straße geht es ums pure überleben.

Da fällts mir ein...ich versuche ihr kurz zu erklären, dass ich gleich wieder da bin und gehe zum Bäcker um die Ecke.
Lasse Brezeln, süße Teilchen und Sandwiches einpacken, dazu eine Flasche Wasser und eine Apfelschorle. Kosten: etwas über 5,-€

Gehe wieder zu ihr und gebe ihr die Tüte. Sie strahlt.
Ganz offen, ehrlich und warm.
Wünsche ihr noch alles Gute, lasse als sie nicht hinschaut, das Wechselgeld in ihren Becher fallen, winke noch und fahre wieder heim.
Möge ihr ein Landsmann begegnen und ihr helfen.

Und bin wieder sehr dankbar und auch demütig, als ich mein Heim aufschließe...

Kommentare:

  1. Du hast diese Begebenheit so schön und rührend beschrieben. Es ist so wunderbar, dass du ihr
    Aufmerksamkeit geschenkt hast. Ein Mensch bleibt stehen und achtet sie,viele andere verachten sie.
    Ganz liebe Grüße
    Ucki

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  2. Bewundernswert,

    wie du einfach offen und authentisch bleiben konntest!

    L.G. Tao

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