Sonntag, 4. August 2013

Seele verkaufen

Nicht nur das heiße Wetter hat mich das Wochenende lahm gelegt,
auch die 3 Tage Arbeit.
Dabei waren es nur 12 Stunden, eben auf 3 Tage verteilt.
Aber es hat mir nochmal sehr deutlich meine Grenzen gezeigt.
Alles tat mir weh und alles war mir zu viel. So überreizt braucht es nicht viel, um eine Panikattacke auszulösen. Am Freitag war es "nur" die Unterschrift in Anwesenheit einer fremden Person.
Allein die 100m wieder nach Hause...erschreckend. Totale Kraftlosigkeit, nicht mal mehr ein Lächeln schaffte ich. Hievte mich in den rettenden Lift und seitdem: Pause...ganz viel Pause...nach dem Abwasch, wieder hinlegen. Nach dem Essen auch. Zwischendurch sowieso.
Keine Musik. Kein Gespräch. Mich ermahnen, nicht wieder gedanklich vorzupreschen. Auch Gedanken können eine Überreizung auslösen!
Jedes "gesehen werden" schon zuviel.
Jedes Geräusch von außen läßt mich schier ausflippen.

Ich verstehe meinen Vater.

Ihm geht es immer wieder genauso.
Ihm ging es schon immer genauso.
Jetzt verstehe ich seine Kreislaufzusammenbrüche (wenn alles zu viel war).
Seine Schläge, wenn wir Kinder normal spielten und es ihm zu laut war.
Ich verstehe, seine gesundheitliche Verbesserung, als er allein wohnte (ich weiß warum ich keine Kinder will).
Ich verstehe sein nicht-mehr-können. Auch nicht mal eben ein Kind abholen (und mich eben allein da stehen lassen).
Zu viel. Alles zu viel.
Ich verstehe. Verzeihen und entschuldigen ist etwas anderes...

Schon ich mach mir Vorwürfe, nicht "mehr" zu können.
Wie muss es ihm da gehen...als gestandener, urbayrischer Mann Ende der 40er Jahre geboren...

Gestern kam noch ein Jobangebot.
Von der Bekannten wiederum eine Bekannte bot mir was an.
Für morgen.
In mir schreit alles: Nein! Ich will nicht!
Und eine kleine Stimme flüstert: Aber das Geld! Das Geld! Komm das schaffst du, danach hast du Pause...usw.
Erst  hörte ich auf die kleine Stimme und drückte mein Unbehagen weg.
Jetzt wurde es immer deutlicher: Weder kann noch will ich.
Geld oder Gesundheit.
Inzwischen nehm ich letzteres. 
Weil es viel mehr wert ist, als jeder Papierschein.

Das alte Unbehagen bleibt...

Kommentare:

  1. Liebe Regenfrau,
    Das alte Unbehagen kenne ich, das darf nicht bleiben! Ich kann deine Erschöpfung sehr gut nachvollziehen und deine Entscheidung ,das die Gesundheit wichtiger ist, ist die einzig Richtige.
    Ich bin auch schon sehr früh berentet worden, und hatte dann immer ein schlechtes Gewissen. Warum eigentlich?
    Heute kann ich sehr gut damit umgehen, überhöre die dummen Sprüche der noch Arbeitenden und teile mir meine Haus-und Gartenarbeit ein. Keiner kann in uns reingucken, nur wir wissen was unser Körper und unsere Seele leisten können.
    Ganz herzliche Grüße
    Ucki

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    1. Hallo Ucki,
      wie meinst Du *das alte Unbehagen darf nicht bleiben*?
      Und darf ich fragen wie alt und seit wann Du berentet bist?
      Ich seh immer eher die Gedanken der anderen...aber nu, ich muss nicht mehr jeden überzeugen, auch dazu fehlt mir die Kraft...und Lust ;-)
      Liebe Grüße!

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    2. Ich bin jetzt 58 und war mit 50 in Rente, ausgeprägte Polyarthrose, dadurch hatte ich dann irgendwann auch mit einer mittelschweren Depression zu kämpfen.
      Und dieses alte Unbehagen ist für mich so ein unangenehmes, schwammiges Gefühl von Unsicherheit und Zweifel, ich dachte immer ich muss mich rechtfertigen, weil ich nicht mehr so leistungsfähig bin! Deswegen habe ich dann über einige Jahre eine leichte ehrenamtliche Tätigkeit übernommen, auch das mache ich seit kurzem nicht mehr. Ich brauche Zeit für mich und meine große Familie und ich genieße es , kein Unbehagen mehr zu haben!

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    3. Schön, dass Du da nun friedlicher mit Dir leben kannst! :-)
      Bleib dabei!

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  2. ja verstehen, eine Erklärung haben für den Vater, dass ist das Eine aber es ist keine "Entschuldigung, denn dennoch hatte er auch eine Wahl, als erwachsener Mensch.

    Wir können auch gut verstehen wie leicht es sein kann sich auch gegen die Gesundheit zu entscheiden und rein Praktisch zu denken, denn Geld macht schon einiges leichter. Letztlich kann man das immer nur für sich selber entscheiden und das hast Du ja getan :-) Ich denke auch das die Selbstvorwürfe mit der Zeit weniger werden.

    Wir lassen dir einen lieben Gruß da und wünschen dir eine erholsame und gute Woche
    anja und die sterne

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    1. Hallo,
      ja ich schrieb, ja dass es keine Entschuldigung ist.
      Klar war die Frage, was evtl. besser wäre, nochmal Auge zudrücken oder nicht...aber das Auge zugedrückt hab ich letzte Woche eben schon. Jetzt is wieder gut...
      LG

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  3. ich verweise mal auf einen twitter-fund von Hawkeye - @h4wkey3 - der das ganze genial auf den punkt bringt:
    "Die Frage ist ja nicht ob ich es schaffe, sondern ob das was dann noch von mir übrig ist, was von dem Geschafften hat."

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  4. Richtige Entscheidung würd ich sagen! Was bringt die Kohle, wenn Du dann zu schwach bist, um sie auszugeben? Und ständig die eigenen Grenzen so überzustrapazieren wird sich schnell negativ bemerkbar machen. Das lohnt sich nicht.

    Und die Sache mit dem Vater... Ja, so gehts mir auch oft mit meiner Mutter. Verstehen kann ich nun viel besser, warum sie so drauf war, wie sie drauf war. Ich finde diese Art Verständnis wichtig, nicht weil man damit alles "rechtfertigt", denn das tut man nicht, sondern es hilft, die Schuldzuweisungen und Vorwürfe loszuwerden - und das wiederum kann ungemein erleichtern, wenn man das loslässt.

    Erhol Dich gut!

    Lg
    Maja

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    1. Ja das verstehen macht mich ein wenig friedlicher.
      Ich muss nur aufpassen, nicht in die alte Mitleidsrolle zu fallen.
      Liebe Grüße!

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  5. Ja, Du hast Deine Seele verkauft...die letzten Tage/Wochen...aber nicht für ein wenig "Geld" - wie Du meinst - sondern für ein wenig "Liebe". Schau sie Dir doch an, Deine "Abhängigkeit" von den (narzisstischen) Cabriokerlen mit ihren teuren Hotelzimmern....die dann (UNVERSCHÄMT) in den Urlaub fahren und Dich vergessen. Und die Dich aufwerten sollten. So wie Dich das "Geld" aufwerten soll. Statt dessen rasst Du grandios durch sie hindurch und landest erneut am Nullpunkt. Es war so vorhersehbar von außen.

    Deine Entscheidung finde ich auch richtig. Nur hakt es für mich in den Gründen, wie Du zu dieser kommst.

    Ist aber ja auch nicht mein Prob. (Außer dass ich die ganze Scheiße irgendwie Sozialstaatstechnisch "mitfinanziere". Und von daher darf Klartext dann wohl auch mal sein. Ich hasse Selbstbeschiss. Punkt.) Nettiquette hin oder her.

    K.

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    1. Ach Frau H. oder K. wie schön, dass Sie so einen Überblick haben. Und danke für die Zusammenfassung :-)
      Im übrigen, ist der Ultraminijob (3 Std. die Woche) angemeldet.

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  6. Danke :). Ich freue mich auch immer häufiger darüber, dass es wirklich so zu sein scheint.

    Und den Minijob meinte ich nicht mit "mitfinanzieren", FYI.

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    1. Wie kann man glauben, dass man von Aussen, nur aufgrund einiger Beiträge, beurteilen kann, was wirklich Sache ist? Frau H. das ist anmaßend und grenzüberschreitend. Wieso sind eigentlich die Menschen immer der Meinung, dass jemand der in Rente ist aufgrund einer Krankheit/Behinderung den ganzen Tag rumleiden muss, sich nicht am Leben freuen darf und schon gar nicht das Leben auch nur ansatzweise geniessen darf? Bedeutet denn krank zu sein, dass man dahinsiechen muss, damit das Geld auch ja gerechtfertigt ist, das man erhält?

      Und sind Sie den ganzen Tag dabei, bekommen hautnah mit, wie es der Regenfrau immer wieder geht? Bekommen Sie jede Panikattacke, jeden depressiven Schub mit?

      Es tut mir leid, aber bei soviel Arroganz wird mir übel. Und ICH würde mich lieber über die ganzen Banker und Wirtschaftsbosse aufregen, die unsere Gelder wirklich verschleudern anstatt mal wieder beim kleinen Mann anzufangen mit dem Meckern.

      @Regenfrau: Lass Dich nicht beirren - es ist Dein Weg und Du darfst Deine Erfahrungen machen. Manches würde ich auch anders machen als Du, aber das heisst nicht, dass das immer deshalb besser wäre. Tu, was Dir gut tut - nicht das, wovon Menschen glauben, dass "es so zu sein hat". Letzten Endes ist nur wichtig, dass Du aus Deinen Erfahrungen lernst und selbst wenn Du mal auf der Nase landest, ist auch das Deine Lernerfahrung, die zu beurteilen niemandem zusteht.

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    2. Maja, ich hab Dir ja schon mal gesagt, dass Du aufpassen musst, Dich mit so einem Gesocks wie mir abzugeben, dass andere mitfinanzieren! ;-)
      Reg Dich nicht auf. Ich tu es auch nicht.

      Schönen Tag,
      an alle.

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  7. Maja, natürlich weiss ich das nicht und kann es nicht wissen. Ich reagiere nur auf die für mich wahrnehmbare Selbstdarstellung und da bin ich in der Tat irritiert von so wenig - scheinbarer - Selbstreflektiertheit und Verantwortungsübernahme was die eigene Stabilität angeht.

    Wenn ich eine Neigung zum Hörsturz habe dann renne ich ja auch nicht sobald es ein wenig besser geht wieder in die Technodisco, oder?

    Das meinte ich damit, dass es doch vorhersehbar war, dass es so kommt....und um das zu sehen brauche ich nicht viel, alles was ich dazu brauche steht hier.

    Ich bezweifele in keinster Weise das seelische Leiden: ich finde es nur einfach nicht gut, wenn die eigene Stabilität für den kurzen Kick so leichtfertig aufs Spiel gesetzt wird. Das mag ich nicht mitfinanzieren, weil ich es als wenig eigenverantwortliches Verhalten empfinde.

    Niemand kann etwas für eine Angststörung. Und niemand kann etwas für eine Depression.
    Und wenn jemand deshalb nicht selbst für seinen Lebensunterhalt sorgen kann, dass sollte das von der Gesellschaft mitgetragen werden.
    Und das trage ich auch gerne mit, kann mir schließlich auch jederzeit so gehen, wenn ich Pech habe und ich weiss durchaus wovon ich da rede. Und klar darf sich trotzdem gefreut und vergnügt werden, so es möglich ist. Das kann ja auch sehr stabilisierend wirken und Mut machen und Bewegung reinbringen.

    Das geht aber auch in einem solchen Maße, dass es einen nicht direkt danach vom Höhenflug wieder in die Tiefe befördert. Das ist für mich pure Selbstüberschätzung und Leichtsinn. Da sehe ich Arroganz und Ignoranz. Nämlich der eigenen seelischen Verfassung/Lebensrealität gegenüber und damit auch denen gegenüber, die das gesellschaftlich mittragen und das ärgert mich.

    Was die "Übergriffigkeit" angeht, so kann sich Regenfrau denke ich ganz gut verteidigen und abgrenzen. Als hilflos nehme ich sie da nicht gerade wahr. Du musst also nicht ihre Grenzen für sie wahren, das ist nämlich auch "übergriffiges" Verhalten und anmaßend. Oder traust Du ihr nicht zu, dass sie das selber kann?

    By the way: Du kannst jedes "unerbetene" Verhalten, jede "unerbetene" Meinung als übergriffig auslegen, so Du dies möchtest und darüber zetern. Besser jedoch ist es, sich einfach sauber dagegen abzugrenzen und bei sich zu bleiben.

    Schönen Abend.

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  8. Ahja Frau H. jetzt verstehe ich was Sie meinen.
    Nur, wenn Sie das selbst kennen, ist es nicht verständlich, dass wenn es einem endlich mal ein wenig besser geht, man das auch genießt und nutzt?
    Ob es das richtige Maß ist, sei dahin gestellt, dass kann weder ich noch Sie beurteilen.
    Außerdem mag das hier nach mehr/ausschweifender klingen, als es ist.

    Mir geht es weiterhin wunderbar. Der Einknick war rein körperlicher Natur.
    Und es ist auch klar, dass da sofort (wahrscheinlich) Neider da stehen und rufen: "Siehste ICH hab es ja gewußt, ICH hab das geahnt und gesehen..war ja sooo klar...ich darf das sagen, weil ich ja immerhin Steuern zahl ect..."und sich tierisch freun, weil es dem anderen ja schließlich auch nicht gut gehn soll.

    Ich bin durchaus sehr reflektiert und habe sehr, sehr viel dazu getan, dass es mir besser geht!
    Sicher mach ich noch den ein oder anderen Fehler, doch die werden schon viel weniger und die schlechten Zeiten sind durchaus noch nah genug, als dass ich sie einfach übersehen könnte.
    Ich pass da schon auf, dass die nicht mehr so schnell kommen.

    In diesem Sinne,
    schönen Tag.

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  9. Ich bin mir nicht sicher, ob Du wirklich verstehst was ich meinte. Ist aber letztlich auch egal, Du wirst schon wissen was Du tust und ich hab keine Lust noch einmal zu erklären, was mich so verärgert hat. Ist auch gegessen.

    Neid steckte nicht dahinter, denn das würde bedeuten, dass ich gerne mit Dir tauschen würde und das möchte ich nicht.

    Ich war immer froh und dankbar nicht soweit in die Regression geraten zu sein/nicht mehr gegen den regressiven Wunsch nach "einfach nur versorgt werden" anzukommen, dass ich nicht mehr hätte für mich selbst sorgen können. Mir war das eigentlich immer das wichtigste und ich hätte es als ganz fürchterlich empfunden, diesen Wunsch nach "Selbstständigkeit" und "Unabhängigkeit" und damit auch erst einmal alles was ich bisher an Gutem erreicht habe wegen diesem ganzen Traumascheiss aufgeben zu müssen. Wenn es so gewesen wäre, dann wäre es zwar so gewesen und ich hätte es akzeptiert, aber gerne hätte ich das nicht getan.

    Zumal ich auch sehr realistische Vorstellungen davon habe, was es gefühlsmässig für mich bedeuten würde in den Händen von Gutachtern etc. und auf Ämter und Instanzen angewiesen zu sein. Ist ja bei der Therasuche schon so, dass es so man sich nicht selbst gut informiert nach hinten losgehen kann. Und da hat man ja noch ein hohes Mass an Wahlfreiheit.
    Wer einem anderen eine solche Situation neidet der hat wohl nicht besonders weit gedacht.

    Mag sein, dass manche Menschen solche Motive haben, wie Du sie oben schilderst. Ich habe sie nicht. Ich mag nur einfach keine unverantwortlich handelnden Menschen.

    Dir eine schönen Abend, der Tag ist ja jetzt schon fast rum ;)

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